Wil SG

14. Januar 2018 16:35; Akt: 14.01.2018 17:40 Print

«Kurz vor dem Brand gab es offenbar Streit»

Ein Italiener wird verdächtigt, am Samstag ein Wohnhaus in Wil angezündet zu haben. Zuvor hatte er sich offenbar mit einem Mieter gestritten.

Der Nachbar schildert die Ereignisse. (Video: lad)
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Am Samstagabend gegen 18 Uhr mussten die Mieter eines Mehrfamilienhauses ihre Wohnungen verlassen, weil ein Balkon im Hochparterre im Brand stand. Die rund 30 Bewohner waren durch Dritte auf das Feuer aufmerksam gemacht worden, wie die Kantonspolizei St. Gallen am Sonntag mitteilte. Drei Personen wurden auf Rauchgasvergiftung untersucht, eine davon musste ins Spital.

Als Ursache des Feuers steht Brandstiftung im Vordergrund. Der mutmassliche Täter, ein 33-jähriger Italiener mit Wohnsitz im Kanton St. Gallen, wurde festgenommen.

«Die Flammen waren meterhoch»

Mann flüchtete vom Balkon

Die Bewohner des Hochhauses sind schockiert. Der 18-jährige Henoc Lutumba sah das Feuer als erster Anwohner. «Kollegen, die vorher bei mir waren, haben mich angerufen und gesagt, dass es brenne», so der Wiler. Er habe zuerst gedacht, dass es sich um einen Scherz handle. «Dann bin ich aber doch rausgegangen und habe die meterhohen Flammen gesehen.» Der 18-jährige Lehrling holte dann sofort seine Mutter aus dem Gebäude und alarmierte die anderen Bewohner. So konnten alle rechtzeitig evakuiert werden.

Mehrere Anwohner sollen kurz vor dem Brand einen Streit zwischen dem Mieter im Hochparterre und einem anderen Mann mitbekommen haben. Die Kollegen von Henoc Lutumba wollen zudem einen Mann gesehen haben, der vom Balkon runtersprang und danach in Richtung Bahnhof flüchtete. Ob es sich dabei um den mutmasslichen Täter handelte, ist unklar.

Verdächtiger bleibt in Haft

«Der Brand war wahnsinnig schlimm», sagte eine weitere Bewohnerin. Der Rauch sei im ganzen Wohnhaus gewesen, sie habe kaum noch Luft bekommen. Sie stand unter Schock. «In dem Moment denkst du an nichts mehr, nur noch daran, das Gebäude zu verlassen.» Sie sei sogar barfuss nach draussen gerannt.

Die Hintergründe des Vorfalls werden nun durch die Polizei und die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen abgeklärt. «Am Sonntag haben wir den Mann zum ersten Mal einvernommen. Er befindet sich momentan in Haft», sagte Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, am Sonntag zu 20 Minuten. Auch das Kompetenzzentrum für Forensik ist in die Ermittlungen involviert. Die betroffene Wohnung ist unbewohnbar, der Mieter war am Sonntag nicht anzutreffen. Der Sachschaden kann derzeit nicht genau abgeschätzt werden.

(viv/lad)