Amriswil

03. Juli 2014 05:52; Akt: 09.07.2014 11:19 Print

Dreiste Schwindlerin zockt Ostschweizer ab

Seit bald zehn Jahren treibt Manuela S. (29)* in der Ostschweiz ihr Unwesen. Dutzende Leute geben an, von ihr übers Ohr gehauen worden zu sein und warten auf ihr Geld.

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Dutzende Betreibungen: Manuela S. (Bild: Facebook)

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«So etwas Freches habe ich noch nie erlebt und eine so abgebrühte Person noch nie gesehen», sagt Günter Wiede (42). Der Techniker aus Grabs ist das mutmasslich jüngste Opfer von Manuela S. Diese Woche hat er Anzeige wegen Betrugs gegen die 29-Jährige erstattet.

Manuela S. hatte Wiede ein Smartphone übers Internet angeboten. Kaufpreis: 400 Franken. Ihr genüge vorerst eine Anzahlung von 200 Franken, gab sich S. kulant. Wiede überwies den Betrag – danach hörte er erst einmal nichts mehr von der Frau. Auf mehrfaches Nachhaken gab S. an, sie sei gerade im Stress, dann schrieb sie, sie verreise ins Ausland und schliesslich, dass sich ihre Schwester um den Versand kümmere. Wiede und seine Frau liessen nicht locker, bis diese Woche endlich ein Paket von Manuela S. eintraf: Statt eines Smartphones enthielt es allerdings billige Kosmetika.

Nun hatte Wiede genug: Er erstattete Strafanzeige gegen Manuela S. wegen Betrugs. Damit ist er in bester Gesellschaft. Auf den Ämtern stapeln sich die Betreibungen gegen die Mutter dreier Kinder. Ersmals betrieben wurde sie 2002, als sie noch nicht einmal 18-jährig war.

Wechselnde Namen und Adressen

Inzwischen befassten sich Justiz und Polizei in mehreren Kantonen mit der Wiederholungstäterin. Auf gegen 200'000 Franken belaufen sich gemäss Recherchen von 20 Minuten die Forderungen von geprellten Vermietern, Kunden und Auftragsnehmern. Es wären wohl noch viel mehr, wenn alle Geprellten die Mühen einer Betreibung auf sich genommen hätten. «Was soll ich mich abmühen wegen ein paar hundert Franken, die ich sowieso nicht mehr sehe», sagt etwa die Betreiberin eines Webshops für Kosmetika. Manuela S. hatte bei ihr Produkte für rund 200 Franken bezogen. Bezahlt hat sie nie, dafür verhökerte sie die Ware wenig später übers Internet – ein Vorgehen, das sie in ähnlicher Form mehrfach wiederholte.

Zudem eröffnete Manuela S. immer wieder Nail-Studios. In der lokalen Presse schaltete sie jeweils grosszügig Inserate. Doch sie bezahlte diese nie, ebensowenig wie den Mietzins fürs Studio. Ständig trat sie unter falschen Namen auf – mal nannte sie sich Flammer, dann Hug oder Neeracher. Ebenso schnell wechselte die Postadresse: Balterswil, Euthal, dann Wilen, Rickenbach oder Waldstatt – zur Zeit lebt sie mit ihrer Familie in Amriswil.

«Die Kinder tun mir leid»

«Man kann ihrem Vermieter nur wünschen, dass er sein Geld bekommt», sagt eine ehemalige Vermieterin der 29-Jährigen. Etwas über zwei Jahre wohnte S. im Haus der Frau. Von Anfang an sei der Mietzins unregelmässig gekommen und bald gar nicht mehr. «Auf das Geld kann ich ewig warten», so die Frau. Als die Familie schliesslich aus dem Haus gewiesen wurde, habe es dort «schlimmer ausgesehen als in einem Schweinestall», sagt eine Nachbarin.

Sorgen mache sie sich vor allem wegen der drei Kinder, so die Nachbarin: «Weil Frau S. jeden übers Ohr haut, muss sie jeweils nach wenigen Monaten umziehen und die Kinder mit ihr. Sie sind völlig entwurzelt, sie tun mir richtig leid.» Die Frau erwägt nun, die Kinderschutzbehöde zu informieren.

Manuela S. wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen.

* Name der Redaktion bekannt

(eli)

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