Vom Jagdaufseher getötet

13. Januar 2018 19:24; Akt: 14.01.2018 10:23 Print

«Ente hätte eine Chance verdient»

Die bei einem Weiher in Münchwilen TG getötete Ente war vermutlich gar keine Bastardente. Trotzdem wurde sie erschossen. Tierfreunde sind entsetzt.

Die zahme Ente war sehr beliebt bei den Anwohnern, sie liess sich problemlos streicheln. (Video: Walter Cadonau)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Freitagmorgen berichtete 20 Minuten über die Ente «Weisskopfadler», die in Münchwilen vom Jagdaufseher erschossen wurde mit der Begründung, sie sei eine Bastard-Ente und somit hier nicht heimisch, zudem vertreibe sie einheimische Arten und mache deren Nester kaputt. Ausserdem sei keine Schonzeit, man dürfe also Enten jagen.

Umfrage
Sollte man nicht-einheimische Tiere entfernen?

«Die Ente lag tot vor ihren Füssen»

Das Vorgehen ärgerte viele Leser. Denn die Ente war handzahm und viele Münchwiler hatten sie ins Herz geschlossen, ja sogar regelmässig besucht und gestreichelt. «Kein Verständnis», «einfach nur traurig» oder «herzlos», heisst es in den Kommentaren. Einige Leser vermuten auch, dass es sich gar nicht um eine Bastard-Ente gehandelt habe, sondern um eine Moschusente.

«Für mich ist es klar eine Moschusente und somit ein Haustier. Das darf man doch nicht so ohne weiteres abschiessen», sagt Petra Heussi, Tierpflegerin und Geflügelzüchterin aus Zürich. Sie fragt sich auch, wieso man das Tier nicht eingefangen und dem Tierschutz oder einem Zoo übergeben habe. «Ich habe selber eine Kleintieranlage und hätte sie bei mir aufgenommen.» Dass eine Vermittlung gar nicht erst versucht wurde, sei enttäuschend. «Die Ente hätte eine Chance verdient.» Bei einem Hund hätte man wohl anders gehandelt.


Hier wäscht sich die Ente vor den Anwohnern. (Video: Walter Cadonau)

Ausgebüxte Ente

Michael Schaad, Biologe bei der Vogelwarte Sempach, kann sich nur anhand des Fotos kein abschliessendes Bild machen, vermutet jedoch auch, dass es sich um eine Moschusente handelt.
«Es dürfte eine Zuchtform der in Südamerika wild lebenden Moschusente (Cairina moschata) sein, die bis auf die Flügel komplett schwarz ist.»

Da es sich aber sicher nicht um eine Wildente handelt und Moschusenten die Schweiz nicht aus eigener Kraft erreichen können, muss der Vogel laut Schaad irgendwo ausgebüxt sein. Das sollte eigentlich nicht möglich sein: «Laut eidgenössischer Tierschutzverordnung müssen sie dort so gehalten werden, dass sie nicht entweichen können», so Schaad.

Ausbreitung verhindern

Andererseits hätten die Kantone laut eidgenössischer Jagdverordnung dafür zu sorgen, dass Bestände von Tieren, die nicht zur einheimischen Artenvielfalt gehören und in die freie Wildbahn gelangt sind, reguliert werden und sich nicht ausbreiten. «Der Vollzug liegt bei den kantonalen Behörden. Wie sie das tun, liegt in ihrem Ermessen», sagt Schaad. Nicht immer liessen sich diese Vögel einfangen und in einem Tierpark unterbringen.

Das gibt auch Roman Kistler, Leiter des Amtes für Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau, zu bedenken. Es sei nicht realistisch, dass man für alle Tiere, die man aus der freien Wildbahn entfernen müsse, einen Platz finden könne. Theoretisch hätte man für die Ente zwar einen Platz in einem Tierpark oder einer ähnlichen Institution finden können, doch in der Praxis sei das schwierig.

«In diesem Fall haben wir das auch nicht geprüft.» Denn der Jagdaufseher habe selber entscheiden können, wie vorzugehen sei. «Das liegt in seinem Kompetenzbereich.» Kistler wirft zudem ein, dass die zu entfernenden Tiere oft verwildert seien und nicht immer einfach einzufangen seien. Im Fall der Ente von Münchwilen wisse man zwar mittlerweile, dass sie zutraulich war, doch das sei meist nicht klar.


Der «Weisskopfadler» fehlt vielen Anwohnern. (Video: Walter Cadonau)

(jeb)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jugni am 13.01.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahme Ente war zahm und süss!

    Das man diese Ente einfach beseitigt finde ich mehr als traurig.Sie war ja zu jedem zutraulich gewesen und man konnte ihr den Rücken kraulen.Nun lebt sie weiter im Enten Himmel.Ich schäme mich sehr für das sinnloses Verhalten des Menschen gegenüber den Tieren.Ihre Schwächen sind sie können sich nicht richtig wehren.Ruhe in Frieden kleiner Engel!

  • Women's Feet lover am 13.01.2018 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    lasst doch endlich Natur Natur sein:-(

    einklappen einklappen
  • R. H. am 13.01.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der TG hat kein gesunden Menschenverstand!

    In dem Fall müssen alle fremden Menschenarten auch aufpassen, dass sie nicht abgeschossen werden? Die spinnen, die Thurgauer-Veterinäre!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy Sch am 14.01.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soviel zum Thema Ahnung

    Schade um das zutrauliche Tier... Schön, dass wir Dich kennenlernen durften! Ruhe in Frieden, kleiner Freund

  • Pit848 am 14.01.2018 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faule Ausrede!

    Denke das ist eine Stummente oder Warzenente. Und seit wann machen Enten einander die Nester kapput? Warzenenten sind sehr verträglich mit andern Tieren.

  • Vogelfan am 14.01.2018 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ente hätte wirklich eine Chance

    Viele Menschen hätten sicher ein artgerechtes Plätzchen für diese zahme Ente geben können. In einem Park hätte sie viele Fans haben können. Dadurch erspart man die Vermehrung der Tiere und mind. ein Entenfan konnte beglückt werden. Win-Win-Situation. Aber auf wehrlose herumzuschiessen macht viel, viel mehr spass als eine langweilige Vermittlung. Wo bleibt die Menschlichkeit?

  • Chrisiboy am 14.01.2018 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Kanton Thurgau wieder

    Spätestens seit dem Fall in Hefenhofen, weiss man, dass der Kt. TG eine komische Haltung im Tierschutz hat. Pferde werden schlecht gehalten und sie brauchen Jahre bis sie etwas unternehmen, aber eine zahme Ente, die ganz einfach eingefangen werden könnte, wird abgeschossen. Peinlich.

  • Maya Und Indios am 14.01.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nieder mit der Menschheit

    Ich hoffe das entlich ein komet einschlägt oder ein großer Vulkan ausbricht wie bei den dinos und die menscheit komplet auslöscht! Die welt sollte nur den tieren und indigenen Bevölkerungsgruppen zustehen! Der heutige mensch macht alles kaputt und beutet aus!