Münchwilen TG

07. Februar 2018 05:48; Akt: 07.02.2018 05:48 Print

«Es gibt legitime Gründe, Tiere abzuschiessen»

Nachdem ein Jagdaufseher im Januar in Münchwilen eine Ente erschoss, wurde er beschimpft und bekam sogar Morddrohungen. Der Tierschutzverein möchte ihn nun vor Gericht sehen.

Die zahme Ente war sehr beliebt bei den Anwohnern, sie liess sich problemlos streicheln. (Video: Walter Cadonau)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Jagdaufseher hat im Januar eine zutrauliche Ente am Rosenthaler Weiher abgeschossen – sehr zum Missfallen vieler Spaziergänger, die sie ins Herz geschlossen hatten. «Die Ente war ein Neozoon. Sie vertrieb einheimische Arten und machte deren Nester kaputt», so die Begründung des Jagdaufsehers.


Die Ente liess sich sogar streicheln. (Video: Walter Cadonau)

In der Folge bekam er Morddrohungen und wurde aufs Übelste beschimpft. Jetzt folgt der nächste Schritt: Der Thurgauische Tierschutzverein TTSV reichte bei der Staatsanwaltschaft Frauenfeld Strafanzeige gegen den Jagdaufseher ein. Dies wegen «Verdacht auf mutwillige Tötung sowie unbefugtes Schiessen», heisst es im Schreiben an die Staatsanwaltschaft.

Jagdaufseher wegen «mutwilliger Tötung» angezeigt

Kein Einzelfall

Dass Jagdaufseher und Wildhüter von der Bevölkerung hart angegangen werden, musste auch der St. Galler Wildhüter Mirko Calderara erleben. Im Frühling 2016 verzichtete er auf die Umsiedlung eines Schwanennests, das am Bodenseeufer in Rorschach SG weggespült zu werden drohte. In der Folge erhielt er zahlreiche negative Anrufe.

Telefonterror bei Wildhüter wegen Schwanennest

«Der Druck war relativ gross, ich habe bis abends um zehn Uhr Anrufe von betrunkenen und nüchternen Frauen erhalten», sagte Calderara damals. Teilweise seien die Anrufer massiv ausfällig geworden und hätten ihn als Tier-Mörder beschimpft. Es sei «grausam» gewesen.

Kein einfacher Job

«Der Beruf ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden – man wird durchaus häufiger kritisiert», sagt Roman Kistler, Amtsleiter der Jagd-und Fischereiverwaltung im Kanton Thurgau. Er habe auch schon eine Anzeige erhalten, wobei das Verfahren gegen ihn dann von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden sei. «Oft bezieht der Jagdaufseher Prügel, egal wie er handelt.»

«Wenn es um die Bereiche Jagd und Wildtiere geht, wird sehr oft emotional beurteilt, ohne andere Gesichtspunkte oder Interessen anzuhören besziehungsweise zu akzeptieren», so Kistler. Jeder einzelne Fall müsse objektiv und seriös beurteilt werden, bevor Beschuldigungen ausgesprochen und Leute öffentlich angeprangert werden. «Es gibt nämlich durchaus auch legitime Gründe, ein Tier zu töten», bilanziert er.


(viv)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bauer Fritz am 07.02.2018 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dient nicht immer dem Tier

    Die Begründung des Jagdaufseher muss auch verstanden werden! Es gibt Menschen die setzen ihre Haustiere in der Wildnis aus und meinen es nutze dem Tier und der Natur.

    einklappen einklappen
  • Jamaika Jamal am 07.02.2018 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Morddrohungen....

    Ist es in der heutigen Zeit normal, dass man für ein Vergehen sogar mit dem TOD bedroht wird? Ist meiner Meinung nach krank.

  • Cris zilva am 07.02.2018 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machen was gemacht werden muss

    In Australian wird die Einführung von Tiere und Nahrungsmittel sehr streng geregelt. Da sie Zerstörungen ausbreiten können. Der Aufseher weiss schon was er hier macht. Es tut weh aber manchmal ist es eben notwendig.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Katja Wohmann am 07.02.2018 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Tierschützer, viele Betagte in

    Altersheimen wären froh, sie hätten es auch so gut wie viele Tiere die ihr hegt und pflegt. Wäre dies nicht eine menschlich echte Aufgabe für euch?

  • Barbara Bolli am 07.02.2018 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Diese Ente, welche seit langem dort lebte und bekannt und zahm war, hätte man einfangen können und dem Tierschutz zum Platzieren übergeben können! Sie war ja sehr zahm!

  • Martin am 07.02.2018 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moschusente

    Die Ente entspricht eher einer Moschusente oder Warzenente und dürfte einem Tierhalter entwichen sein. Diese Entenart ist aus Südamerika und wurde hier eingeführt. Sie wird gerne als Haustier gehalten. Eine Bedrohung für die hiesige Fauna ist sie nicht. Die Rostgans hingegen schon. Sie ist sehr aggressiv und vertreibt nebst Enten auch andere Vogelarten. Diese Art wurde nicht vom Menschen eingeführt, sie flog aus Asien ein.

  • Ritalinjunkie am 07.02.2018 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Blödsinn

    Jedes Jahr saufen mehr Nester bei Hochwasser ab als dieses Tier in tausend leben hätte zerstören können, was ich nicht einmal glaube. Ausserdem lieber Jagdaufseher, wie denken Sie denn kamen die "heimischen" Enten in die Schweiz? Denken Sie die waren schon immer hier? Die sind genau so zugezogen wie alle Tiere die sich im Laufe der Erdgeschichte anpassen und neue Lebensräume suchen.

  • Pit848 am 07.02.2018 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach unnütz!

    Wenn sie doch so zahm war warum hat man sie den nicht eingefangen und an eine Geflügelhalter vermittelt? Weltfremd kommt mir das vor.