Hefenhofen TG

08. August 2017 07:08; Akt: 08.08.2017 08:19 Print

Es hagelt Hilfsangebote für die geretteten Tiere

Alle Tiere auf dem Hof von Ulrich K. in Hefenhofen TG werden evakuiert. Die Pferde kommen ins Pferdezentrum der Armee, die anderen Tiere zu Viehhändlern.

«Wir haben nicht zugeschaut», sagt Kantonstierarzt Paul Witzig. (Video: ann)
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Die Tierhaltung auf dem Hof von Pferdehändler K. in Hefenhofen wird unverzüglich aufgelöst. Dies teilt das Thurgauer Departement des Inneren mit. Die beschlagnahmten 90 Pferde werden auf Beschluss der Taskforce am Dienstag ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Schönbühl im Kanton Bern gebracht. Dort werden sie gepflegt und anschliessend über den weiteren Verbleib der Tiere entschieden.

Alle anderen Tiere, darunter 50 Rinder und Kühe, 100 Schweine, drei Geissen, 12 Schafe, vier Lamas sowie zwei Hühner, werden unter Beizug von Tierhändlern vom Hof in Hefenhofen evakuiert. Während der ganzen Dauer der Evakuierung wird der Hof von der Polizei abgesperrt und bewacht. Zum Schutz der mit der Evakuierung betrauten Personen, sei Pferdehändler K. in Gewahrsam genommen worden.

Massive Drohungen gegen Veterinäramt

Regierungsrat Walter Schönholzer nimmt seine Behörden und insbesondere Kantonstierarzt Paul Witzig in Schutz. Der Fall des Pferdehändlers K. beschäftige sein Departement seit vielen Jahren massiv. Witzig habe sich intensiv um eine Verbesserung der Tierhaltung bemüht, er sei aber von K. nicht nur massiv bedroht und beschimpft worden. K. habe habe sich gegen sämtliche Verfügungen auch juristisch gewehrt. Ein Totaltierhalteverbot sei schliesslich vom Bundesgericht aus formellen Gründen aufgehoben worden.


«Wir haben den Beschuldigten nicht speziell behandelt», sagt Regierungsrat Walter Schönholzer. (Video: ann)

Auch hätten in den letzten Monaten diverse Kontrollen auf dem Hof stattgefunden, bei einer sei Schönholzer selber dabei gewesen. Von den entsetzlichen Zuständen, die auf den nun publizierten Bildern dokumentiert seien, habe man bei den Kontrollen der Fachleute aber nichts feststellen können. Am vergangenen Freitag habe man dann die Einschätzung der Staatsanwaltschaft erhalten, dass die Bilder authentisch und aktuell seien.

Zahlreiche Hilfsangebote

Laut Kantonstierarzt Paul Witzig sind in den letzten Tagen unzählige Angebote eingegangen von Tierhaltern, die die evakuierten Tiere bei sich aufnehmen möchten. Man werde alle diese Angebote sorgfältig prüfen. Klar sei aber, dass der Kanton nicht Tierhalter werde und auch keine Kosten für die Unterbringung bei Dritten übernehmen werde.

Die Polizei hatte Ulrich K. am Montag kurz nach Mittag festgenommen.

Einsatzkräfte stürmen Hof von Ulrich K.

Die Festnahme des mutmasslichen Tierquälers erfolgte auf Ersuchen des Veterinäramts des Kantons Thurgau und unter Berufung auf das Tierschutzgesetz.


Demonstranten bejubeln am Montag die Festnahme des Tierquälers Ulrich K. (Video: and)

Taskforce eingesetzt

Die Situation hatte sich im Laufe des Montags laufend zugespitzt. Eine Taskforce befasste sich am Montagmorgen mit dem vorbestraften Tierhalter Ulrich K. Beim Pferdehof und vor dem Regierungsgebäude protestieren aufgebrachte Tierschützer. Sie verlangen ein sofortiges Tierhalteverbot gegen den Pferdehändler.


Die Polizei hat den Hof des Pferdehändlers in Hefenhofen (TG) durchsucht. (Video: Tamedia/SDA)

Auf dem Hof von Ulrich K. hatte sich dessen Entourage derweil verbarrikadiert. Laut einer Quelle laufe die Freundin von K. mit einem Gewehr bewaffnet auf dem Hof herum. Sie habe gedroht, die Pferde zu erschiessen. Die Frau drehe fast durch, so ein Demonstrant vor Ort.

Grosses Aufsehen

Der Fall Ulrich K. erregt die Gemüter weit über den Kanton Thurgau hinaus. In den sozialen Medien habe der Facebook-Post inzwischen über eine Million Menschen erreicht, schreibt Tierschützer Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) in einer Mitteilung.


Ulrich K. hat sich laut Jürg Zingg, Kommandant der Kantonspolizei Thurgau, widerstandslos festnehmen lassen. (Video: ann)

In der vergangenen Woche war publik geworden, dass auf dem Hof des Pferdezüchters in Hefenhofen in den letzten Monaten rund ein Dutzend Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und mussten verschimmeltes Brot essen, wie eine Frau, die seit Jahren auf dem Hof verkehrt, mit zahlreichen Fotos dokumentierte. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft bestätige am Freitag die Echtheit und Aktualität der Bilder.

Beschlagnahmung der Tiere gefordert

Daraufhin wurde vom Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer, Vorsteher des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, eine Taskforce im Fall des Pferdehändlers einberufen, die am Montag zum ersten Mal tagte. Am Tisch sassen neben Schönholzer Vertreter des Veterinäramts, der Kantonspolizei, der Generalstaatsanwaltschaft und des Landwirtschaftsamts.

Die Tierschützer versammelten sich derweil vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld. Erwin Kessler und seine Mitstreiter werfen den Thurgauer Behörden vor, sie liessen den notorischen Tierquäler seit Jahren gewähren. In anderen Kantonen verfüge in einem solchen Fall das Veterinäramt wie gesetzlich vorgesehen ein sofortiges superprovisorisches Tierhalteverbot mit Beschlagnahmung der Tiere, schreibt der VgT-Präsident.

Mahnwache in Hefenhofen

Bereits am Samstag nahmen rund 300 Personen an einer Kundgebung am Frauenfelder Bahnhof teil. Beim Pferdehof in Hefenhofen errichteten die Tierschützer übers Wochenende eine Mahnwache. «Die Situation in Hefenhofen war am Sonntagabend friedlich», sagte der Sprecher Kantonspolizei Thurgau Mario Christen am Montag.

Gegen 20.30 Uhr meldeten mehrere Personen der Kantonalen Notrufzentrale, dass es zu einzelnen Provokationen und Tätlichkeiten gekommen war. Daraufhin rückte die Kantonspolizei Thurgau im Rahmen mit mehreren Patrouillen aus, um vor Ort die Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten.

Beim Eintreffen der ersten Polizeipatrouille sei die Situation jedoch bereits wieder ruhig und friedlich gewesen, so Christen. Auch am Montag hielten rund 20 Tierschützerinnen und Tierschützer die Stellung.

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(air/sda)