FHS St. Gallen

31. März 2015 06:46; Akt: 31.03.2015 13:47 Print

Fromme Studis kränken schwule Mitschüler

An der FHS würden schwule Studierende durch strenggläubige Kommilitonen gemobbt, klagen Studenten. Auch Themen wie Scheidung und sexuelle Aufklärung sorgen für Ärger.

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An der FHS sorgen offenbar strenggläubige Freikirchler für Verwirrung. (Bild: fhsg)

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Strenggläubige Freikirchler sorgen offenbar für Zoff an der Fachhochschule St. Gallen (FHS). Laut dem Portal saiten.ch ist es in der Vergangenheit regelmässig zu homophoben Äusserungen von Freikirchlern gekommen.

So etwa, als neulich ein Dozent in einer Vorlesung des Studienfachs Soziale Arbeit über die geplante Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm sprach, die der Nationalrat im März beschlossen hat: Wer Homosexuelle öffentlich verunglimpft, soll demnach strafrechtlich belangt werden. Während der Präsentation habe ein junger Mann gesagt: «So etwas geht gar nicht. Homosexualität ist krank.» Auf die Frage, wieso er das behaupte, habe dieser lediglich geantwortet: «Homosexualität ist nicht von Gott gewollt.»

15 bis 20 Prozent streng gläubig

Marco* studiert im vierten Semester Soziale Arbeit und ist homosexuell. Er schildert gegenüber saiten.ch, wie Freikirchler, mit denen er an einer Gruppenarbeit war, über ihn gelästert hätten, kaum habe er den Raum verlassen. Er und eine Kommilitonin hätten mehrere Vorfälle gemeldet.

Die beiden Studenten sind der Meinung, dass das Thema strenggläubige Studierende in der Sozialen Arbeit an der FHS endlich angesprochen und aufgearbeitet werden solle. «Als ich zu studieren begann, war ich schon sehr erstaunt, wie viele in unserem Jahrgang Mitglieder in verschiedenen Freikirchen sind», sagt Marco. Seine Kommilitonin schätzt, dass 15 bis 20 Prozent der rund 100 Schüler aus ihrem Jahrgang strenggläubig sind.

Doch nicht nur Homosexualität sorgt für Knatsch an der FHS. Auch Themen wie Scheidungsrecht oder Sexualaufklärung würden von den Freikirchlern abgeblockt: «Das braucht es nicht.» Scheidungen seien von Gott nicht vorgesehen. Oder: «Die Aufklärung sexualisiert die Kinder nur unnötig.»

«Behinderung von Gott gewollt»

Bereits als das Fach Soziale Arbeit in Rorschach angesiedelt war, hätten fundamentalitische Freikirchler für Trubel gesorgt: «In meinem Studiengang kam es zu mehreren Konflikten mit strenggläubigen Studierenden», sagt Thiemo Legatis, der seinen Bachelor 2013 abgeschlossen hat, gegenüber dem Portal. Auch damals seien ihm Studierende mit offen geäusserter Homophobie aufgefallen. «Ich kann mich zudem an eine Gruppenarbeit erinnern, in der ein Student über Behinderte sagte, die müsse man nicht fördern», so Legatis. «Ihre Behinderung sei schliesslich von Gott gewollt – daran dürfe man nichts ändern wollen.»

Dass die Schule das Problem bisher ignoriert habe, findet Legatis bedenklich: «Schliesslich werden an diesem Ort staatlich legitimierte Sozialarbeiter ausgebildet», so Legatis. «Wenn einige davon einen Glauben haben, der gewisse Leute diskriminiert und Gott als Lösung für alle Probleme sieht, ist das bedenklich.»

Rektor will Problem angehen

Gegenüber 20 Minuten zeigte sich FHS-Rektor Sebastian Wörwag am Montag «sehr beunruhigt» von den Aussagen im Saiten.ch-Artikel. «Wir nehmen das Thema sehr ernst», so Wörwag. Jegliche diskriminierende Haltung widerspreche dem Kodex der Hochschule. «Deshalb haben wir ein Grundlagenpapier erarbeitet», so der Rektor. «Nach den Frühlingsferien werden wir es in einem konstruktiven Dialog mit den Studierenden einführen.»

*Namen geändert

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Atheistin am 31.03.2015 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückfall in finstere Zeiten

    Na wunderbar. Ich dachte, der Grossteil der Schweizer Bevölkerung lebe im 21.Jahrhundert, aber da habe ich mich wohl geirrt. Da klammern sich wohl noch einige Leute an mittelalterlichen Denkweisen fest. Ein Hoch auf diese wissenschaftliche und fortschrittlich denkende Elite!

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  • A.a. am 31.03.2015 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    21. jahrhundert

    leben und leben lassen - keine Probleme mehr.

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  • wili am 31.03.2015 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach...

    es ist ganz einfach das problem zu lösen, wie an anderen schulen! wer andere diskriminiert oder dergleichen wird verwarnt und dann fliegt er... dies soll für alles gelten dann kehrt bestimmt ruhe ein

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Friedrich am 01.04.2015 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Sie drucken´s nicht ab, was ich schreibe, machen Sie´s doch alleine, mir reicht´s.

  • iniaska am 01.04.2015 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gleiches Mass?

    homosexuell = nicht normal religiös = aus dem finstern Mittelalter Wieso soll eine Aussage verboten sein und die andere nicht? Aus meiner Sicht ist die zweite mindestens so beleidigend wie die erste

    • Bill am 01.04.2015 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      @iniaska

      Verboten sollte sicher keine der beiden Aussagen sein, aber bei der zweiten Aussage gibt es wenigstens einen offensichtlichen Zusammenhang, wohingegen die Erste nur eine unwahre Unterstellung in bösartiger Absicht ist. Schliesslich war es das Christentum, welches das finstere Mittelalter so finster gemacht hat - Homosexualität hingegen kommt über alle Zeitalter und Kulturen hinweg vor (auch in etlichen anderen Tierarten). Viel menschlicher, natürlicher und normaler kann es nicht mehr werden.

    • klon am 01.04.2015 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      @bill

      Hört doch mal auf mit der Mär vom finsteren Mittelalter. Erstens bestand die Welt nicht bloss aus Europa und zweitens war damals alles halb so finster, wie es viele gerne sehen möchten. Als dieses Bild des Mittelalters kreiert wurde, diente dies vorallem zur Demonstration des Fortschritts und der eigenen Überlegenheit..

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  • Sabine Müller am 01.04.2015 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Entschuldigung für solche Spinner!

    Liebe Leute, zwei Dinge: a) Solche Haltungen sind ein absolutes Unding, das steht außer Frage. Und sind leider auf ein sehr eng geführtes theologisches Verständnis zurückzuführen. Vor allem darum aber gilt b): Nicht alle Freikirchler - von denen es übrigens wie auch in den großen Kirchen zig Strömungen von äußerst streng bis liberal gibt - teilen solche Meinungen. Spinner gibt es überall und die kann man nur mit guten Argumenten aushebeln. Oder besser: Einfach ignorieren! Ich für meinen Teil entschuldige mich als freikirchliche Christin stellvertretend für diese Lieblosigkeiten!

    • Lara M. am 01.04.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Wie im Kindergarten

      Sie wissen ja gar nicht, ob die Aussagen so gemacht wurden und in welchem Zusammenhang sie gemacht wurden. Vor einem ordentlichen Gericht, würde dieser Artikel nicht für eine Verurteilung reichen. Und das ist gut so.

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  • HohesC am 01.04.2015 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lernen

    Bei meiner Arbeit habe ich das Privileg, jeden Tag Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersfühlende zu treffen. Wenn sie mich an ihrer Welt teilhaben lassen, lerne ich - jeden Tag! Selbstverständlich habe ich meine eigene Position, was ich tun und lassen möchte. Das berechtigt mich aber nicht, meine Position über die der Andern zu stellen.

  • Jürg am 01.04.2015 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bibel falsch lesen!

    Was steht denn wirklich in der Bibel zu homosexueller Liebe? - gar nichts! Es gibt wenige Stellen zur Sexualität unter Männern... Es steht im gleichen Abschnitt aber auch, dass Sklaven halten ok sei, Schweinefleisch wiederum nicht, Vielehe (polygames Verhalten) ja... Warum hacken diese Leute immer auf Stellen herum, die sie nicht verstehen. Mann kann die Bibel entweder wörtlich oder ernst nehmen, anders geht's nicht

    • coyote am 01.04.2015 20:05 Report Diesen Beitrag melden

      Philosophie statts Religion!

      Die Bibel sowie auch andere ach so heiligen Bücher, haben die Eigenheit, dass sie X fach ausgelegt werden können. Liest man mal ernsthaft so 3-5 Seiten (mehr halte ich nicht aus) aus dem AT, ist man danach dümmer als zuvor! Googelt mal auf U-Tube "George Carlin - Religion", dann sieht mans aus der lustigen Sichtweise, den eigentlich ists traurig und jeder Glaube ist nur eine Hinderung des Wissens. Glaube kettet das Wissen/Verstand an! Wer glaubt muss ja nicht wissen, usw...

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