Autobahn A13

09. Februar 2018 05:47; Akt: 09.02.2018 16:04 Print

Gaffer zückten Handy, jetzt werden sie gebüsst

Weil sie bei einem Unfall zu ihren Smartphones griffen, müssen fünf Autofahrer nun mit Bussen rechnen. Der Ostschweizer Polizei sind Gaffer schon länger ein Dorn im Auge.

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Die deutsche Polizei machte jüngst Schlagzeilen, als sie auf der Autobahn Gaffer filmte und verzeigte. Doch auch ihre Ostschweizer Kollegen gehen rigoros gegen Gaffer vor.

«Vor Kurzem mussten wir mehrere Personen verzeigen, die bei einem Unfall auf der A13 aus dem Auto filmten und fotografierten», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei. Ein Lieferwagen war Mitte Januar bei Weite vom Sturm buchstäblich umgeblasen worden. Der Fahrer blieb unverletzt. Während die Polizei die Unfallstelle sicherte, hielten gemäss Rezzoli mehrere Autofahrer ihre Smartphones aus dem Fenster. «Die fehlbaren Lenker wurden sogleich angehalten und verzeigt», sagt er.

«Diese Personen trugen nicht nur zur Staubildung bei, sondern gefährdeten sich und andere. Es hätten sehr leicht Folgeunfälle passieren können», so Rezzoli weiter. «Wir Polizisten fragen uns manchmal, was diese Autofahrer überlegen.» Generell findet er die Mentalität der Gaffer daneben: «Es ist ja schon traurig genug, dass Polizei und Rettungskräfte mit schlimmen Bildern konfrontiert werden.» Auch Leser-Reporter sollten sich an einige Grundregeln halten (siehe Box).

«Die Leute greifen schnell zum Handy»

Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, hat Kenntnis von den Vorfällen: «Es wurden insgesamt fünf Personen verzeigt, zwei davon wurden bereits per Strafbefehl gebüsst», teilt er mit. Der Tatbestand lautete mangelnde Aufmerksamkeit im Strassenverkehr. «Gaffen an sich ist nicht strafbar», hält Dobler allerdings fest. Die Bussen in den vorliegenden Fällen betrügen 200 und 250 Franken.

Auch die Kantonspolizei Thurgau schlägt sich öfters mit Gaffern und Handyfilmern herum, meist bei Verkehrsunfällen. «Ich war einmal bei einem Unfall mit Personenschaden vor Ort und stellte fest, dass mehrere vorbeifahrende Lenker plötzlich Handys in der Hand hielten», erzählt Sprecher Matthias Graf. «An diesem Tag wurden zwei Lenker verzeigt, glücklicherweise kam es nicht zu Folgeunfällen.» Gaffer habe es zwar schon immer gegeben, sagt er. Doch: «Heute greifen die Leute auch noch zum Handy.» Die Kapazität, sich um störende Gaffer oder Handyfilmer zu kümmern, fehle oft: «Wir haben bei einem Einsatz grundsätzlich anderes zu tun.»

(tso)