Polizeieinsätze über Weihnachten

26. Dezember 2017 16:16; Akt: 26.12.2017 18:43 Print

Mann (35) geht auf Mutter von Säugling los

Über zwei Dutzend Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt verzeichnete die Ostschweizer Polizei über Weihnachten. In vielen Fällen waren Kleinkinder betroffen.

Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kapo St. Gallen, über häusliche Gewalt an den Festtagen.
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Die St. Galler und die Thurgauer Kantonspolizei hatten am Weihnachtswochenende wegen Beziehungsstreitigkeiten alle Hände voll zu tun. Immer wieder ging es dabei um Fragen der Kindererziehung, wie die St. Galler Polizei am Stephanstag mitteilte.

Alleine in der Region Bodensee-Rheintal musste die Polizei in acht Fällen ausrücken. Ein 35-jähriger Slowake, der im Alkoholrausch seine Freundin tätlich angriff, wurde festgenommen, wobei er auch gegen die Polizisten tätlich wurde. Er wurde für zehn Tage aus der Wohnung gewiesen. «So konnte für die Freundin und das sieben Wochen alte Kind eine vorübergehende Beruhigung der Situation erwirkt werden», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi.

Möbel demoliert

Es war nicht der einzige Fall, bei dem ein Kleinkind involviert war: Eine nicht anerkannte Vaterschaft bei einem einmonatigen Kind löste einen weiteren Polizeieinsatz aus. Auch der Streit um ein einjähriges Kind und eine bevorstehende Scheidung war Grund für eine Intervention. Eine Einigung konnte nicht gefunden werden, der Mann verliess vorübergehend die Wohnung.

Nach einem verbalen Streit demolierte ein anderer Mann in einer Wohnung mehrere Möbel. Für die Frau und das zehn Monate alte Kind wurde daraufhin eine vorübergehende Lösung bei Verwandten gefunden werden. «Die Frau sagte, dass das eine demolierte Möbelstück noch gar nicht abbezahlt sei», so Krüsi.

Hoffen auf das gemeinsame Fest

Überfordert war auch ein Paar mit einem vierjährigen schreienden Kind. «Sie stritten sich wegen der Er- und Beziehung so lautstark, dass Nachbarn die Polizei alarmierten», heisst es in der Polizeimitteilung. In zwei anderen Fällen musste wegen des Sorgerechts geschlichtet und vermittelt werden.

Eine Frau stellte Strafantrag gegen ihren Ehemann. Sie beschuldigt ihn, tätlich gegen sie vorgegangen zu sein. Die Aussagen des Paars gingen diametral auseinander. Krüsi: «Die beiden verzichteten darauf, sich räumlich zu trennen und hofften, dass sich die Situation dank dem gemeinsamem Weihnachtsfest beruhigen würde.»

Dem Vater das T-Shirt zerrissen

In einem anderen Fall zerriss ein erwachsener Sohn seinem Vater im Streit das T-Shirt. Da der Sohn unbekannte Medikamente zu sich genommen hatte und sich aggressiv verhielt, wurde er ins Spital eingeliefert.

In drei Fällen waren Trennungsabsichten von Partnern Grund für teils heftige Diskussionen. Nachbarn, die Schreie und Poltergeräusche vernommen hatten, verständigten die St. Galler Notrufzentrale.

Sucht und Geldsorgen

In praktisch allen Fällen sei es den Beamten gelungen, eine vorübergehende Lösung zu finden. Für Krüsi ist klar: «Solche Fälle sind unglaublich zeitintensiv und hindern uns an der eigentlichen Polizeiarbeit.»

Rund um Weihnachten steige die Zahl der Beziehungsstreitigkeiten jeweils sprunghaft an. «Da kommt so vieles zusammen», weiss Krüsi. Die Leute hätten frei und seien gezwungen, sich mit sich selbst und ihren Nächsten auseinanderzusetzen. Oft seien Sucht und Geldsorgen im Spiel: «Die Hoffnung auf etwas Frieden und Harmonie prallt auf die harte Familienrealität.»

Nachdenklich stimmt den erfahrenen Polizisten, dass in den meisten Fällen Kinder involviert waren. Krüsi: «Sie leiden, auch wenn sie nicht direkt im Zentrum des Konfliktes stehen.» In aller Regel würde die Polizei bei solchen Fällen die Kesb einschalten.

Gefahr für Polizisten

Aber auch für die diensthabenden Beamten seinen solche Einsätze aufreibend. Nicht zuletzt weil sie gefährlich sind:«Man weiss nicht, wohin man kommt, mit wem man es zu tun hat und ob allenfalls Waffen im Spiel sind.» Zudem lasse einen das Schicksal der Betroffenen nicht kalt.

Die Beamten würden während ihrer Ausbildung auf solche Einsätze intensiv vorbereitet: «Situationen von häuslicher Gewalt werden in Rollenspielen geübt», so Krüsi. Psychologie, Ethik und Interkulturelle Kompetenz sind Prüfungsfächer.

(eli/viv)