Frauenfeld TG

28. Juni 2017 18:22; Akt: 28.06.2017 18:32 Print

Gewalttäter sieht sich nicht als «Monster»

Vor dem Thurgauer Obergericht verlangt ein verurteilter Schweizer eine Strafreduktion. Das Urteil steht noch aus.

storybild

Reduzierung der Strafe: Ein Mann mit Hang zur Gewalttätigkeit soll psychologische Therapien besuchen. (Archiv) (Bild: www.googlemap.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Weil er seine Ex-Partnerinnen geschlagen, misshandelt und mit dem Tod bedroht haben soll, ist ein 29-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Vor dem Thurgauer Obergericht hat er nun eine Reduzierung seiner Strafe gefordert. Das Urteil ist noch nicht gefallen.

Der Beschuldigte sei kein Engel. Der stark tätowierte Heavy-metal-Fan sei aber auch kein Monster, sagte der Verteidiger des 29-Jährigen am Mittwoch vor dem Gericht in Frauenfeld. Zwar sei ihm gegen seine gleichaltrige Frau ab und zu die Hand ausgerutscht, er habe aber weder sie noch seine früheren Freundinnen brutal misshandelt, gewürgt oder gar mit dem Tod bedroht.

Gemäss Verteidiger fehlen die Beweise

Das Urteil des Bezirksgerichts Münchwilen, das den Beschuldigten im vergangenen Herbst zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilte, sei aufgrund von Indizien gefällt worden, sagte der Verteidiger. Beweise fehlten weitgehend, es stehe Aussage gegen Aussage. Die Strafe müsse auf maximal 24 Monate zu reduziert werden.

Der Beschuldigte, der seit Januar 2015 in Untersuchungshaft beziehungsweise Sicherheitshaft sitzt, müsse sofort aus dem Gefängnis entlassen werden. Für jeden Tag der Überhaft müsse er mit 200 Franken entschädigt werden, verlangte der Verteidiger.

Anstelle der von der ersten Instanz angeordneten stationären Massnahme, verlangt der Verteidiger ein ambulante Psychotherapie. Die Genugtuungsforderungen der Opfer müsse das Obergericht abweisen. Das Bezirksgericht hatte den Opfern insgesamt 120'000 Franken zugesprochen.

Erbe der Kinder veruntreut

Laut dem Verteidiger hatte die Ex-Frau des Beschuldigten ein starkes Motiv, um ihren damaligen Mann zu beschuldigen. Die drogenabhängige Mutter habe das Erbe ihrer Kinder (4 und 12) veruntreut und wolle dies ihrem Ex-Mann in die Schuhe schieben. Den grössten Teil der rund 300'000 Franken habe sie für teure Ferien, Partys, Kokain und für ihre Kaufsucht ausgegeben und zwar bereits bevor sie den Beschuldigten kennengelernt habe.

Im Januar 2015, drei Tage bevor die Kesb die Mutter wegen des fehlenden Geldes zur Rede habe stellen wollen, habe sie ihn angezeigt und sei danach nach Berlin geflüchtet. Wegen Veruntreuung laufe zur Zeit ein Strafverfahren gegen die 29-Jährige, sagte der Verteidiger des Beschuldigen.

Bei der Polizei gab die damalige Ehefrau an, der Beschuldigte habe sie geschlagen, gewürgt und mit dem Tod bedroht. Zudem habe er sie gezwungen, 250'000 Franken vom Bankkonto ihrer Kinder abzuheben und ihm zu geben. Laut der Verteidigung sind auch die Anschuldigungen der drei Ex-Partnerinnen nicht glaubwürdige. Vielmehr habe die Ex-Frau die andern Frauen zu Falschaussagen angestiftet.

Glaubwürdige Opfer

Gemäss Anklage soll der Beschuldigte seine damaligen Freundinnen ebenfalls massiv misshandelt bedroht und in einem Fall sogar mehrmals vergewaltigt haben. Die Zeuginnen seien glaubwürdig, sagte der Staatsanwalt.

Zwar sei es merkwürdig, dass die Frauen den Mann trotz Todesdrohungen nicht bereits früher angezeigt hätten. Ein ambivalente Verhalten in Liebesbeziehungen sei jedoch häufig. Dass die Verteidigung die Opfer deshalb als Lügnerinnen hinstelle, die sich gegenseitig abgesprochen hätten, um sich am Beschuldigten zu rächen, gehe zu weit.

Stationäre Therapie nötig

Wegen mehrfacher Körperverletzung, Drohung, Nötigung, sexueller Nötigung, Vergewaltigung, Schändung, Gefährdung des Lebens, Erpressung und weiterer Delikte forderte die Staatsanwalt erneut eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Die Strafe soll zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden. Der Beschuldigte sei tatsächlich kein Monster, sagte der Staatsanwalt. Er brauche jedoch eine Psychotherapie, damit er sein Problemverhalten in den Griff bekomme.

(fal/sda)