Mehr illegale Anlagen

01. Februar 2015 15:59; Akt: 02.02.2015 06:58 Print

Hanf-Business in den Händen von Balkan-Banden

Ostschweizer Polizeien heben so viele Indoor-Hanf-Anlagen aus wie noch nie. Die Betreiber der Anlagen seien zunehmend kriminell organisierte Banden.

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Im Jahr 2012 entdeckte die Kantonspolizei Thurgau diese Indoor Hanf-Anlage in Pfyn. In der Halle wurden über 2'500 Mutterpflanzen, sowie in einem separat klimatisierten Raum gegen 16'000 Hanfstecklinge festgestellt. (Bild: Kapo Thurgau)

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Die Kantonspolizei St. Gallen hat im Jahr 2014 fast viermal so viele Indoor-Hanfanlagen ausgehoben als noch im Vorjahr. Waren es 2013 nur gerade 18 Anlagen, stieg diese Zahl im letzten Jahr auf 70, wie die «Ostschweiz am Sonntag» schreibt. Im Toggenburg und im Fürstenland werden besonders viele Indoor-Hanf-Anlagen ausgehoben. Für Eugen Rentsch, Leiter der Abteilung Betäubungsmitteldelikte der Kantonspolizei St. Gallen, ist dies kein Zufall. «Dort gibt es viele abgelegene Bauernhöfe», sagt Rentsch. Diese seien ideal, um unbemerkt Hanf anzubauen.

Im Kanton Thurgau zeigt sich ein ähnliches Bild – und das obwohl es laut Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau immer schwieriger wird, die Indoor-Anlagen zu entdecken. Schuld daran ist der technische Fortschritt: «Ein deutlich erhöhter Stromverbrauch kann ein Hinweis auf eine Anlage sein. Neue LED-Lampen brauchen aber weniger Strom», sagt Graf. Dennoch stellt auch die Kantonspolizei Thurgau eine steigende Tendenz bei Indoor-Anlagen fest.

Kampf der Pflanzer

Waren es früher vor allem kleine Anbauer, die den Schweizer Cannabismarkt dominierten, werde das Geschäft zunehmend professioneller. «Es sind immer häufiger organisierte Gruppen mit Balkan-Hintergrund, die diese Anlagen betreiben», sagt Rentsch. Es handle sich dabei vor allem um grössere Anlagen mit über 1000 Pflanzen oder mehrere kleinere Plantagen, die derselben Gruppe gehören. Stockt der Nachschub, kommt das Cannabis aus dem Kosovo.

Zudem sind bei den Gruppen gemäss Rentsch oft Leute dabei, die schon vorher durch kriminelle Handlungen auffielen, etwa durch den Verkauf von Amphetamine oder Kokain. Als Folge davon wird es laut Rentsch rund um den Hanf-Anbau krimineller. Das heisst konkret: «Die Gruppen brechen untereinander in die Anlagen ein», so Rentsch. Der Polizei bleibt das meist verborgen. Eines ist laut Rentsch aber klar: «Je mehr Wert eine Anlage hat, desto wichtiger wird deren Sicherheit». Aus diesem Grund habe die Polizei auch schon Waffen in aufgeflogenen Anlagen gefunden.

Cannabis-Handel ist attraktiv

Ob der Ostschweizer Trend von organisierten Gruppen im Cannabisanbau auch landesweit Einzug hält, ist laut Bundespolizist Christian Schneider schwer zu beurteilen. Klar ist laut Schneider, dass Cannabis für organisierte Gruppen attraktiv ist. «Man kann viel Geld verdienen», so Schneider gegenüber der
«Ostschweiz am Sonntag».

Ein weiterer Faktor ist gemäss Schneider die Härte der Strafe. Wer nämlich mit Cannabis handelt, wird weniger hart bestraft als beim Handel mit härteren Drogen. So müssen etwa erwischte Hanf-Konsumenten nur eine Ordnungsbusse bezahlen. Bis zu einem Besitz von 10 Gramm werden Konsumenten ab 18 Jahren mit einer Busse von 100 Franken bestraft. Damit entfällt ein ein aufwendiges Strafverfahren. Dies gilt seit Oktober 2013.

(jeh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans H am 01.02.2015 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    es kam wie es kommen musste

    Das Problem kann man ganz einfach lösen: Legalisieren!

  • Ch. am 01.02.2015 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize it

    Legalisiert das kraut doch entlich. Die kiffer wären entkriminalisiert und der staat könnte auch ganz schön dran verdienen. Grosse illegale hanfanlagen würden verschwinden, da es nicht mehr attraktiv wäre. Es gibt viele kiffer und es werden nicht weniger, nur weils verboten ist. Schaut doch mal wie es in den staaten abgeht. Und von da kam ja damals auch die illegalisierung...

  • Angel am 01.02.2015 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Deshalb... Hanf legalisieren!

    Wenn Hanf legal wäre, gäbe es keine oder sicher weniger verborgene Anlagen und weniger Kriminalität! Dann wäre das Geschäft weniger interessant und weniger rentabel... Alkohol wird ja auch nicht im verborgenen "gebunkert".

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rechtsstaatsbürger am 02.02.2015 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtfertigung der Prohibition?

    Sachlich fundiert vorgebrachte Gründe für eine Aufhebung der Cannabis-Prohibition gibt es wie Sand am Meer (siehe die Kommentare zum Thema). Mich würde jetzt mal interessieren, was dieses Verbot in einem liberalen Rechtsstaat verloren hat. Kann mir jemand sachlich fundiert und nachvollziehbar erklären, was genau die Rechtfertigung der Prohibition ist (bitte keine Schauermärchen, keine unüberprüfbaren Behauptungen und keine unfundierten Horrorszenarien etc.)? Kann mir auch jemand aufzeigen, was uns diese Prohibition genützt hat (die negativen Folgend davon sind ja genug gut dokumentiert)? Danke

  • Marko am 02.02.2015 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf was warten :D?

    Wird zeit zur Legalisierung :D

  • Roger F. am 02.02.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    War abzusehen.

    Das sind die "Flüchtlinge" die wir in den 90er Jahren bei uns aufgenommen haben. Und so danken sie es uns. Aber das war absehbar.

    • rudi am 02.02.2015 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      klar war das abzusehen

      wir geben ihnen ja auch keine möglichkeit, auf legalem weg geld zu verdienen.

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  • peter paul am 02.02.2015 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dünger lässt Grüssen

    Guten Tag....he ihr Konsumenten dieses Grasses..es ist mega belastet mit Dünger usw...dann kommt noch Zucker dazu wenn du Glück hast..oft auch Bleipulver...na schmeckts noch...lass es einfach mal untersuchen und du weist Bescheid

    • Denk Mal Nach am 02.02.2015 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      @peter paul

      Tja, da kann jeder den Prohibitionisten dafür danken. Die leugnen ja weiterhin die Realität und möchten mit allen Mitteln verhindern, dass es eine Qualitätskontrolle gibt und anständige Ware auf den Markt kommt. Solche Leute und deren Politik sind wesentlich schädlicher als Cannabis. Zufälligerweise sind das auch die gleichen wie diejenigen, die Rauschgift-Alkohol als harmloses Genussmittel verklären und so tun, als hätte kaum einer Probleme damit. Das ist an Perversität und Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Ich würde mich an derer Stelle in Grund und Boden schämen.

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  • Giftler am 02.02.2015 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde sofort aufhören

    Gleiche Strafen wie in Singapur

    • Roberto Blacko am 02.02.2015 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine Lösung

      Ja genau, in Singapur gibt es keine Drogen mehr.... Und die USA gaben jährlich 30'000 Tote durch Schusswaffen weil sie keine Todesstrafe haben...

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