Ansteckungsgefahr

08. Februar 2018 05:49; Akt: 08.02.2018 08:20 Print

Hirsch frisst Kälblein Heu weg und wird getötet

Hungrige Hirsche haben in mindestens zwei Bündner Ställen Heu gefressen. Kurz darauf wurden sie wegen Verdachts auf Tuberkulose erlegt. Tierschützer laufen Sturm.

Dieser Hirsch steht auf der Abschussliste. Das Video wurde von der Bauernzeitung erstmals publiziert.
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Seelenruhig steht ein Hirsch in einem Stall in Klosters und schaut in die Kamera. Die Kälbchen lassen sich durch den Besucher nicht stören – eines leckt ihm sogar übers Fell.

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Die eigentlich herzige Szene eines Videos, das die «Bauernzeitung» Ende Januar publik machte, löst im Bündnerland nun eine Kontroverse aus: Der Hirsch aus dem Video ist vor einigen Tagen von der Wildhut geschossen worden, weil Verdacht auf Tuberkulose bestand. Gleich erging es einem Hirsch, der jüngst in einem Stall in Ramosch im Unterengadin auftauchte, wo er Heu stibitze und von dem ebenfalls ein Video kursiert.

Aber auch allen anderen Hirschen im Gebiet droht Ungemach: «Ich habe von Jägern gehört, dass wegen dieser Vorfälle nun alle Hirsche der Umgebung geschossen werden sollen», sagt Marion Theus, Präsidentin des Schweizer Wildtierschutzes. Dabei sei in den letzten Jahren nie Tuberkulose festgestellt worden – weder bei Rindern noch bei Wildtieren. «Das hat mit Vorsicht nichts zu tun. Der Kanton braucht einen Vorwand, um die Bestände zu dezimieren», vermutet sie.

«Das zeigt die Notlage der Tiere»

«Wenn den Behörden tatsächlich an Seuchenbekämpfung gelegen ist, warum untersuchen sie dann nicht die Rinder?», fragt sich Theus weiter. In einem Leserbrief an die «Südostschweiz» bezeichnet sie das Vorgehen der Behörden als «Panikmache». Ein weiterer Leserbriefschreiber enerviert sich ebenfalls: Die Hirsche würden im meterhohen Schnee ihrem Schicksal überlassen und nicht überall genügend notgefüttert. Dass sie bis in die Ställe vordringen, zeige die Notlage der Tiere.

Höfe unter Quarantäne

Tatsächlich seien bisher weder bei Rindern noch bei Wildtieren aktuelle Fälle von Tuberkulose bekannt, sagt Kantonstierarzt Rolf Hanimann auf Anfrage von 20 Minuten. Das Vorgehen der Wildhut hält er dennoch für gerechtfertigt: «Wir vermuten, dass die Seuche von den Wildtieren ausgeht und nicht von den Rindern. Es ist deshalb nur logisch, dass zuerst da gesucht wird.» Der Tuberkulose-Verdacht sei keineswegs ein Vorwand: «Im angrenzenden Montafon sind Fälle aufgetaucht, ebenso im Vorarlberg.» Da die Tiere zwischen den Gebieten hin- und her wanderten und der Erreger über ihren Speichel übertragen werde, sei höchste Vorsicht geboten.

Gegen die Besitzer der Ställe laufen nun strafrechtliche Verfahren: «Sie haben das Fütterungsverbot missachtet, das dazu dient, den Kontakt zwischen Wild und Rindern zu unterbinden und die Ansteckungsgefahr zu bannen», so der Leiter des Amtes für Lebensmittelsicherheit und Tierschutz. Zudem wurden die Höfe unter eine Art Quarantäne gestellt. «Die Landwirte dürfen keine Tiere verkaufen oder weitergeben, bis feststeht, dass die Hirsche keine Erreger in sich trugen», so Hanimann. Die geschossenen Tiere werden derzeit untersucht.

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bauer Fritz am 08.02.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gestresste Tiere

    Diese Tiere müssen viel einstecken.... - übermässig viel Schnee - landwirtschaftliche Intensivnutzung - Massentourismus und Wintersport

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  • Schneemann am 08.02.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirsch im Liftschacht

    Der angebliche Hirsch im Tessin im Liftschacht ist ein Rehbock.

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  • Dieter Max Schenk am 08.02.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aston

    Das Einzeltier im Schacht ist kein Hirsch, sondern ein Rehbock!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mary enz am 09.02.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Gratulation wir Menschen fallen tief

  • Schlaumeier am 09.02.2018 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Geographie

    Aha, dann ist das Montafon nicht mehr in Vorarlberg.

  • Seuchengefahr am 09.02.2018 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wehrt den Anfängen!

    Rinder TBC ist meldepflichtig und auf den Menschen übertragbar! Leider im naheliegenden Ausland ein Thema. Damit lässt sich nicht spassen.

  • Rüedu am 08.02.2018 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffung der Milizjagd

    Der Hobby Tierschützer und Geschichtenschreiber von Wild beim Wild hat diese Story entgegen seinen Gepflogenheiten noch gar nich publiziert. Aber schon klar sonst müsste er ja eingestehen, dass seine Initiative nicht aufgeht, da die professionellen Jäger nicht so funktionieren wie er es seinen Mitläufern verspricht. Fies nachdem ja bekanntlich schon das Experiment in Genf so kläglich gescheitert ist.

    • nur so am 08.02.2018 21:06 Report Diesen Beitrag melden

      Hobbyjäger braucht es nicht

      Auch wenn Lügen noch tausendmal wiederholt werden, deshalb werden sie nicht wahrer. Hobbyjäger träumen davon, dass Genf gescheitert ist, doch leider sagt das Genfermodel etwas ganz anderes. Die Bevölkerung von Genf will die Jagd keines falls zurück, 90% sind mit ihren Wildhütern zufrieden. Auch die Stadt Zürich mit ihrem Wildschongebiet und ihren 4 Wildhütern ist ein Erfolgsmodel. Dieses Wildtiermanagement will die Initiative Wildhüter statt Jäger auf den ganzen Kanton ausweiten, dann gibt es keine Baujagd und Treibjagd mehr!!!!!! Was ist dagegen einzuwenden?

    • Rüedu am 08.02.2018 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nur so

      Das war zu erwarten, nur leider hat die Stadt Zürich das exakt gleiche moderne Wildtiermanagement wie der Rest des Kantons. Das Genfer Modell ist und bleibt gescheitert, da dort mehr Tiere erlegt werden als im Kanton Zürich. Da nützen auch die Behauptungen der Mitläufer des Geschichtenschreibers aus Indemini nichts

    • Rüedu am 08.02.2018 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nur so

      Nachtrag die Hobby Tierschützer haben im Gegensatz zu den Jägern im Kanton Zürich null Ausbildung vorzuweisen.

    • Faktenfreund am 08.02.2018 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      Genf ist gescheitert

      @nur so alias Carl Sonnthal alias Fuchs alias R.Ehli alias Tiger etc. etc. Genf ist gescheitert, weil das Modell bei 23'197 in der Zeit von 1974 bis 2016 registrierten Abschüssen für die Behörden nicht mehr handelbar war. 2013 wurde die Genfer Kantonsverfassung revidiert, wobei der Genfer Tierschutz seine Mitsprache und seinen Einsitz in der vorberatenden Kommission verloren hat. Neu entscheidet die Genfer Behörde - Jagd seid Dank - autark und ohne Mitwirkung von Tierschützern über nötige Abschüsse! Und bevor du Carlie wieder irgendwas behauptest - geh schau nach, google und studiere...

    • Rüedu am 09.02.2018 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Faktenfreund

      Danke für die Ausführungen. Auch in Genf haben die Behörden gemerkt, dass nicht die gut Ausgebildeten Miliz Jäger sondern die nicht Ausgebildeten Hobby Tierschützer das Problem sind. Da auch in Genf die viel zitierte Selbstregulierung Anhand der nachgewiesenen Abschüsse nicht funktioniert hat.

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  • Alice Caviglia am 08.02.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hirsche

    ich ässere mich nur ungern öffentlich. Der Befehl zum Abschuss der Hirschen ist VOLLIDIOTISCH. Essen doch diese Tiere im Sommer Seite an Seite in der freien Natur. Das ist reine Behörden Willkür. In der Schweiz muss man sich fragen. Behörden die bei Tierqälerei zuschauen, Behörden die schikanieren. Wie kann man da noch Vertrauen in die Behörden haben?

    • T.S. am 08.02.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alice Caviglia

      Beschreiben Sie uns doch mal den Begriff Tierquälerei, wenn sie diesen Begriff schon so leichtfertig verwenden.

    • Brigitte Schäfer am 08.02.2018 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      Thurgau

      sicher meint Alice den Kanton Thurgau mit dem Qualhöfen, den wegschauenden Behörden, T.S.

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