Alpstein

24. April 2018 05:54; Akt: 24.04.2018 09:47 Print

Kanadische Raubfische fressen Bergsee leer

Kanadische Seesaiblinge sollten den Fischbestand im Fälensee im Alpsteingebiet vergrössern. Das hat nicht geklappt: Die fremden Fische frassen die einheimischen.

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«Im Fälensee schwimmen grosse Raubfische, die die einheimischen Fische bedrohen. Jetzt will der Kanton diesen Raubfischen den Garaus machen», berichtete das «Regionaljournal Ostschweiz» am Montagmorgen.

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Die Fische, die normalerweise in nordamerikanischen Seen vorkommen, wurden Mitte 80er Jahre im See ausgesetzt. Ziel war es, den Fischbestand zu erhöhen. «Zu Beginn war die Massnahme erfolgreich», sagt Fabian Peter (41), Gewässerökologe bei Aquaplus in Zug, dem Unternehmen, dass den Kanton Appenzell Innerrhoden berät, zu 20 Minuten. Ab 1991 seien die Fangerträge am See jedoch wieder zurückgegangen. In der Folge habe man den See nochmals mit Kanadischen Seesaiblingen (Salvelinus namaycush) und Bachforellen besetzt, worauf die Fischereierträge wieder stiegen.

Dramatischer Einbruch der Fangzahlen

Doch nach ein paar Jahren sind die Erträge wieder eingebrochen, zuletzt recht dramatisch. In den 90er Jahren wurden noch 1400 Fische im Fälensee gefangen, in den Nullerjahren 1200, ab 2011 fiel der Ertrag auf unter 200 gefangener Fische pro Jahr.

Die Vermutung: Die Fische aus Kanada wurden gross und gefrässig, was den Bestand dezimierte. «Kanadische Seesaiblinge fressen 7 bis 8 Kilo Fisch pro Jahr», sagt Peter. Die Fische werden bis zu 90 Zentimeter lang. «Sie sind starke Jäger. Wenige grosse Fische reichen, um die Zahl Fische in einem kleinen See zu schmälern.»

35 Zentimeter langer Fisch im Magen

Denn dasselbe Problem wurde früher schon in den Tessiner Seen wie dem Lago Ritóm,Lago Cadagno und Lago Tremorgio
beobachtet, wo ebenfalls Kanadische Seesaiblinge ausgesetzt worden waren. Als Massnahme wurden darauf die grossen Fische abgefischt. Bei einigen wurde der Mageninhalt untersucht. «Einer hatte einen 35 Zentimeter langen Fisch im Bauch, ein anderer fünf kleine Bachforellen.»

Letzten Donnerstag wurden Fischer und Interessierte an einer Infoveranstaltung im Hotel Hecht in Appenzell über Massnahmen informiert. So gilt seit Mitte April, dass die von Fischern gefangenen Raubfische nicht mehr freigelassen werden dürfen. Der Fang des Kanadischen Seesaibling wird danach nicht an die maximale Fangzahl pro Tag angerechnet. Auch darf in der Dämmerung und in der Nacht gefischt werden, dann ist der Seesaibling besonders aktiv.

Keine grossen Fische an Angel

Ende Fischereisaison im Herbst soll der See dann abgefischt und die Kanadischen Seesaiblinge entfernt werden. «Eingesetzt werden grossmaschige Netze mit mindestens 70 Millimeter Abstand, so dass kleinere Fische nicht im Netz landen», sagt Peter.

Die Fischer seien zu Beginn der Infoveranstaltung noch bedingt begeistert gewesen, dass der Seesaibling abgefischt wird, da er gut geschmeckt habe und auch eine ordentliche Grösse erreichte. Doch den Fischer sei bewusst geworden, dass der Fisch verantwortlich für die tiefen Fangerträge sei. «Das ist natürlich nicht im Interesse der Fischer», sagt Peter. Viele wussten nicht, dass es einige grosse Jäger im See hat. «Die grossen Fische bleiben meist in der Mitte des Sees und gehen kaum in Ufernähe. Zudem ernähren sie sich von den Fischen im See und interessieren sich kaum für die Köder der Fischer», sagt Peter.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani P. am 24.04.2018 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmischung durch Mensc

    Wider ein Beweis: Man soll sich in die Natur nicht einmischen!

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  • Fritz am 24.04.2018 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit 50 Jahren bekannt

    Seit 50 Jahren sind alle Versuche mit fremdartigen Fischen gescheitert. Angefangen hat es mit den kanadischen Forellen. Eine Zwängerei einiger kantonalen Fischereiverwalter!

  • Andi am 24.04.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingreifen

    War wohl nicht der optimale Fisch für den See. Aber wird ja jetzt durch geeignete Massnahmen korrigiert. Schade, dass man überhaupt eingreifen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LUZ93 am 24.04.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Namays

    Also ich hoffe man tötet die gefangenen Namays nicht den ansonsten will ich einfach nie mehr was von Artenvielfalt hören ...

  • Markus am 24.04.2018 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Wieviel hat die Aktion jetzt den Steuerzahler gekostet, und wird noch kosten den Bockmist wieder auszubaden?

  • M.G. am 24.04.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrstoff Biologie

    das lernen heute fast alle Schüler im Fach Biologie: Eutrophierung, also die Folgen erhöhten Phosphateintrags in Gewässern. Es gibt schon seit Jahren Computersimulationen für die Schule die zeigen wie durch diesen Vorgang die Ökologie eines Sees kollabiert weil zuviel Biomasse eine Sauerstoffzehrung auslöst. Gerade Bergseen sind extrem empfndlich weil dort das Wasser nur sehr langsam ausgetauscht wird und somit die Phosphatkonzentration (z. B. durch die Ausscheidungen des Viehs und durch Gülleausbringung) hoch bleibt. Da kann man noch so viele Fische einsetzen, die gehen ein.

  • Kevin am 24.04.2018 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    gut gemeint

    ein typisches Beispiel aus der ecke "gut gemeint". wie kommt man auf die Idee fremde arten auszusetzen? das klappt so gut wie nie, siehe australien mit den Agakröten. weshalb muss der mensch sich immer dermassen einmischen?

  • Ruedi O am 24.04.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zauberlehrlinge ...

    Der Mensch als Zauberlehrling - schon von Herrn Goethe beschrieben, aber bis heute nichts hinzugelernt. Blamabel. Was hier über diesen Fremdfisch steht, war alles schon seit langem bekannt.