Fall Hefenhofen

04. Januar 2018 14:22; Akt: 04.01.2018 16:04 Print

«Wir haben noch nicht einmal alle Akten gesehen»

Die Untersuchungskommission im Fall des Pferdequälers äusserte sich heute erstmals. Ergebnisse sind jedoch erst ab September zu erwarten.

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Von April bis Juli 2017 hat eine ehemalige Mitarbeiterin von Ulrich K. die miserablen Zustände auf dem Hof mit Fotos dokumentiert. (Archiv) Die Tiere seien oft zu schwach gewesen, um zu fressen, so die Ex-Mitarbeiterin – rund ein Dutzend Pferde sollen verendet sein. Die Bilder vom Hof in Hefenhofen haben zu grosser Empörung in der Öffentlichkeit geführt. (Archiv) Es kam zu zahlreichen Demonstrationen von Tierschützern, wie hier vor dem Ratsgebäude in Frauenfeld. Auch vor dem Hof von Ulrich K. in Hefenhofen positionieren sich die Aktivisten. Dann greifen die Behörden durch: Mithilfe einer Verfügung werden alle Tiere auf dem Hof beschlagnahmt. Hier stellt die Polizei am Montag 7. August 2017 Gitter auf und montiert darauf Sichtschutz-Blachen. Hinter verschlossenen Türen wird die Situation auf dem Hof analysiert. Einige wenige Tiere mussten wegen ihres schlechten Zustands sofort eingeschläfert werden. Die restlichen werden am Montag und Dienstag abtransportiert. Während die Rinder, Schweine, Geissen, Schafe, Lamas und Hühner von Betrieben übernommen werden, fährt für die Pferde die Armee vor. Die zum Teil stark verwahrlosten Tiere werden hier auf dem Hof von Ulrich K. von Armeeangehörigen in grosse Lastwagen geladen. Die insgesamt 93 Pferde werden verladen und ..... ... kommen ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere nach Schönbühl bei Bern. Viele der Pferde sind sich nicht gewöhnt, am Halfter geführt zu werden. Vor allem Stuten mit Fohlen sind in einem sehr verwahrlosten Zustand. Gerade von den Jungtieren sollen auch einige in den letzten Monaten verendet sein. Die Kleinen sind stark verdreckt. Aber auch ausgewachsenen Pferde sind in einem stark verwahrlosten Zustand. Angehörgie der Armee kürzen die Hufe eines der Pferde. Andere waschen das Fell und den Schweif der Tiere. Die Pferde werden schön gemacht. Dies dient alles der Vorbereitung auf die Versteigerung am Donnerstag, 17. August 2017. Die Versteigerung der Tiere findet bei bestem Wetter auf der Anlage der Armee in Schönbühl statt. Hunderte Interessierte sind angereist. Die einen wollen das Geschehen nur verfolgen. Sehr viele sind aber schon mit dem Transporter angereist und wollen ein Pferd ersteigern.

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Im letzten September setzte der Thurgauer Regierungsrat eine unabhängige Untersuchungskommission ein. Sie soll die Vorfälle rund um die Räumung des Hofs eines Pferdehalters aufarbeiten, dem Tierquälerei vorgeworfen wird.

In der Kommission arbeiten unter der Leitung des Zuger alt Regierungsrats Hanspeter Uster unter anderem drei Experten für Veterinärmedizin mit, weiter sind eine Spezialistin für Tierrecht, sowie mit dem Vizepräsidenten des Bauernverbands ein Landwirt dabei.

Hanspeter Uster im Interview. (Video: lad)

Zu früh für Resultate

Am Donnerstag informierte Uster über den Stand der Arbeiten der Untersuchungskommission. Er beschränkte sich dabei auf Informationen über die Methodik und das weitere Vorgehen. Für erste Erkenntnisse oder auch nur die Bekanntgabe der Arbeitshypothesen war es noch zu früh. Unter anderem habe man noch keine Befragungen durchgeführt, begründete Uster dies.

Die Kommission müsse überprüfen, wie die Verwaltung und die Politik in diesem Fall gearbeitet habe, fasste er den Auftrag der Regierung zusammen. Unter anderem sollen dabei auch Fehleinschätzungen festgestellt werden und es soll aufgezeigt werden, welche Lehren daraus gezogen werden können.

30 Bundesordner mit Akten

Zu den Aufgaben gehört auch der Erarbeitung einer Chronologie der langjährigen Auseinandersetzungen zwischen dem beschuldigten Pferdehalter und den Behörden. Diese dauern bereits seit 1995 an. Die Akten dazu füllen 30 Bundesordner.
Die Kommission wird in den nächsten Monaten an ihrem Auftrag weiterarbeiten. Den Schlussbericht, der unter anderem konkrete Empfehlungen an die Adresse der Regierung enthalten soll, wird sie dann Ende August oder anfangs September präsentieren.

Ermächtigungsentscheid bis Ende Januar

Unabhängig von der Arbeit der Untersuchungskommission befasst sich auch die Justiz mit dem Fall. So wurden von Tierschutzorganisationen Strafanzeigen gegen den Thurgauer Kantonstierarzt, gegen dessen Stellvertreter sowie gegen den zuständigen Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP) eingereicht.

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft hat mit den Ermittlungen gegen die beiden Veterinäre schon länger begonnen. Bei der Anzeige gegen den Regierungsrat braucht es zuerst eine Ermächtigung durch das Büro des Grossen Rates. Den Antrag dazu hat die Staatsanwaltschaft Ende August eingereicht.

Die Stellungnahme des Büros stand bisher noch aus - allerdings nicht mehr lange: Bis Ende Januar werde darüber entschieden und danach das Ergebnis kommuniziert, erklärte Ricarda Zurbuchen, Leiterin der Kanzleidienste, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

(dk/sda)