Weinfelden TG

14. September 2017 05:53; Akt: 14.09.2017 19:42 Print

Kommt Jan Ullrich jetzt sogar besser weg?

Ex-Radprofi Jan Ullrich (43) muss sich am Donnerstag erneut vor Gericht verantworten. Er verursachte mit dem Auto betrunken einen Unfall. Neue Gutachten lassen ihn hoffen.

Der deutsche Ex-Radprofi Jan Ullrich wurde vom Bezirksgericht Weinfelden zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. (Video: Tamedia/SDA)
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«Jan Ullrich ist guter Hoffnung, was die Verhandlung am Donnerstag angeht», sagt sein Verteidiger gegenüber 20 Minuten. Die Gerüchte, er werde nicht erscheinen, stimmten nicht. «Er wird am Mittwoch in die Schweiz fliegen und am Donnerstag vor Gericht sein», so der Verteidiger.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Ullrich wegen dem im Jahr 2014 verursachten Unfall vor dem Bezirksgericht Weinfelden antraben muss. In der ersten Anklageschrift hiess es, er sei mit 1,8 Promille intus und mit 139 km/h auf einer 80er-Strecke in Mattwil TG unterwegs gewesen. Dort krachte er auf ein an der Kreuzung haltendes Auto. Dieses überschlug sich und blieb auf der gegenüberliegenden Wiese stehen. Ullrich fuhr mit rund 40 km/h weiter über die Kreuzung und kollidierte noch frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Auto. Es entstand Sachschaden von rund 70'000 Franken, zwei Personen wurden verletzt.

Abgekürztes Verfahren scheiterte

Kurz nach dem Unfall nahm Ullrich auf Facebook Stellung. Es sei ein Riesenfehler gewesen, dass er sich unter Alkoholeinfluss ans Steuer gesetzt habe. Er bereue es zutiefst und er wolle sich persönlich bei den Unfallbeteiligten entschuldigen.

Am 21. Juli 2015 kam es zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Weinfelden.

Das abgekürzte Verfahren scheiterte: Die bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und die 10'000 Franken Busse, auf die sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung geeinigt hatten, wurde nicht zum Urteil erhoben.

Grund dafür waren Zweifel an der Anklageschrift. Der Gerichtspräsident verwies auf ein Gutachten, das davon ausging, dass Ullrich mit 143 km/h bis 160 km/h unterwegs war. Das hätte juristisch grosse Konsequenzen: Ullrich müsste dann wegen eines Raserdelikts zu einer härteren Strafe verurteilt werden. Zudem habe die Anklage laut Gerichtspräsident auch nicht berücksichtigt, dass Ullrich sowohl unter Alkohol- als auch unter Medikamenteneinfluss stand.

Bessere Ausgangslage

Anstelle des abgekürzten Verfahrens kommt es am Donnerstag nun zur Hauptverhandlung. Laut Ullrichs Anwalt hat die neue Faktenlage nun allerdings zu einer besseren Ausgangslage für seinen Mandanten geführt. Es wurden nämlich zwei neue Gutachten eingeholt: Eins gelangt zum Schluss, dass Ullrich mit 132 km/h unterwegs war, also weniger als noch im ersten Verfahren angenommen wurde. Das zweite Gutachten besagt, dass das Medikament, dass Ullrich einnahm, keinen wesentlichen Einfluss auf sein Fahrverhalten hatte.

Wohl deshalb beantragt die Anklage neu 17 statt zuvor noch 18 Monate bedingte Freiheitsstrafe. Hinzu kommt eine Busse von 10'000 Franken. Der Verteidiger hofft nun auf eine faire Verhandlung. Er selbst hatte ein Ausstandsbegehren gegen zwei Richter gestellt, die bereits am ersten Verfahren teilnahmen. Nun ist nicht nur der Staatsanwalt neu, sondern auch die gesamte Richterbank. «Ich hoffe für meinen Mandanten, dass die Sache nun endlich zu einem Abschluss kommt», so der Verteidiger.

Das Urteil wird das Gericht vermutlich noch am Donnerstag bekannt geben.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Edo Ram am 14.09.2017 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir doch nicht alle gleich?

    Gleiche Gesetze für alle? Fehlanzeige, 2 Klassen-Gesellschaft. Jeder Normalsterbliche wäre niemals in den Genuss so vieler Gutachten gekommen. Was gibts denn da zu gutachten? Er ist besoffen gefahren....Punkt!

    einklappen einklappen
  • Pirat2222 am 14.09.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Promi-Bonus

    und am Schluss zahlt ihm der Schweizer Steuerzahler noch eine Prozess-Entschädigung und der Staat entschuldigt sich für die Umtriebe.

  • Amina123 am 14.09.2017 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    durchgreifen bitte

    und weil er ein prominenter sportler ist,soll er besser weg kommen? das würde unser rechtssystem untergraben... otto normalbürger hätte mehr als 17 monate,mehr als 10'000 busse und ewig langen ausweisentzug....medi+ alk... also echt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz am 14.09.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Auf solche prominenter Sportler

    Auf solche prominenter Sportler kann die Schweiz gut verzichten. Sowas sollte ein Promi auch wissen. Der Konsum von Alkohol reduziert die Fahrtauglichkeit

  • Opfer am 14.09.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Gesetze!

    Ich wurde auf dem Motorrad von einem telefonierenden, stoppüberfahrenden Autofahrer abgeschossen - mein Sozius hat er auf die Intensivstation gebracht. Der Fahrer hat nicht mal seinen Führerschein verloren. Die Staatsanwaltschaft sagt mir es gehe mich nichts an - Danke! Was lernen wir daraus - nur das Schnell fahren wird wirklich geahndet - besser eine Bank überfallen oder jemanden Umbringen wie mit 100 Ausserorts unterwegs zu sein!

  • Sein am 14.09.2017 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum so lieb?

    wer mit betrunken auto fährt und einen unfall verursacht, hat bei mir jegliches mitgefühl verspielt! da hilft auch eine entschuldigung nichts! führerscheinentzug auf lebenszeit und gefängnis!

  • Drogenfander am 14.09.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über fragen??????????

    Wenn er jetzt auch nicht ins Gefängnis muss.Aber Strafe muss sein.Zudem müsste er noch eine Strafe bezahlen weil er an den Rennen nicht sauber gefahren war.Tour de France und Tour de Suisse .Beispiel Tour des Suisse:Jeker verlor wegen einer Sekunde die Tour de Suisse.War damals Ullrich sauber??????????????

  • Bob am 14.09.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau hinschauen

    Nun denn, stellen wir das mal dem Tatbestand der Britischen Staats Bürger gegenüber die drei Monate im Gefängnis sassen für zu schnelles fahren! I. Diesem Fall kommt noch Alkohol und zweifacher Unfall dazu. Bin sehr gespannt wie Sie sich da rauswinden werden!