Kurzschlussreaktion

19. März 2017 18:50; Akt: 19.03.2017 18:50 Print

Mutter warnt Teenies davor abzuhauen

Ein Mädchen aus Weesen SG löste mit seinem Verschwinden einen Grosseinsatz der Polizei aus. Nun appelliert die Mutter an andere Jugendliche.

storybild

Eine 14-Jährige aus Weesen SG riss von Zuhause aus. (Bild: Wikipedia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine 14-Jährige aus Weesen lief am 7. März von zu Hause weg. Als ihre Mutter auf einen beunruhigenden Brief, eine Art Abschiedsbrief, stiess, beschloss sie, auf eigene Faust nach ihrer Tochter zu suchen. Auf Facebook veröffentlichte sie eine Vermisstenanzeige – der Beitrag wurde hundertfach geteilt. Danach wandte sie sich an die Polizei. Noch am gleichen Tag suchten Polizisten mit Spürhunden und zwei Helikoptern entlang dem Walensee jemanden. Wie die «Südostschweiz» schreibt, bestätigte die Kantonspolizei St. Gallen, dass es sich dabei um eine Personensuche handelte. Mehr wollte die Polizei dazu nicht sagen.

Teenager leidet unter Scheidung

Die Polizei führte Befragungen im privaten Kreis der Vermissten durch, Spezialisten wurden beigezogen und die 14-Jährige im schweizerischen Fahndungsregister ausgeschrieben. Auch die Schule informierte man über das Verschwinden des Teenagers, worauf ihre Mitschüler ebenfalls darüber in Kenntnis gesetzt wurden. Rund 14 Stunden nach dem Verschwinden fand die Polizei die Vermisste in einem Bus, auf dem Weg zu ihrem Vater.

«Es ist keine einfache Zeit für meine Tochter», so die Mutter der Ausreisserin. Der Teenager leide unter der unschönen Scheidung der Eltern. Ihre Tochter lebe bei ihr – alle zwei Wochen verbringe sie das Wochenende dann bei ihrem Vater. Es komme regelmässig zum Streit, weil sie ihrer Tochter Grenzen setzen würde.

So auch am einen Abend vor dem Verschwinden, sagt die Mutter. «Das könnte einer der Gründe sein, warum meine Tochter davonlief.» Aber die Mutter ist sich sicher: «Ihr war überhaupt nicht bewusst, was sie mit ihrer Aktion alles auslöst.» Denn auch wenn sie wieder auftauchte, ist die Geschichte noch nicht vorbei: Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) wird nun hinzugezogen. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass andere Jugendliche merken, was sie mit einer solchen Aktion alles auslösen können», so die Mutter.

Polizei rät von privater Suche ab

Laut Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, komme es immer wieder vor, dass Teenager aus einer Kurzschlussreaktion abhauen und nach ein paar Stunden wieder auftauchen würden. Grundsätzlich rät er dringend davon ab, selbstständig auf Social Media nach ihnen zu suchen.«Das könnte sogar kontraproduktiv sein.» Denn: Erst dadurch, dass es überhaupt auf Social Media gelangt, entwickelt das Verschwinden eine Art Eigendynamik und läuft aus dem Ruder. Durch die erhöhte Präsenz auf Facebook könne es bei Aussreissern zu negativen Gefühlen kommen. «Im schlimmsten Fall getrauen sie sich dann nicht mehr nach Hause oder schämen sich, weil sie jetzt jeder erkennt», so Schneider.

Zudem sei es wichtig, dass ein Vermisstenmeldung über die Polizei läuft. «Nur die Polizei kann garantieren, dass Hinweise 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr entgegen genommen werden.»


(eli)