Waffenhandel

07. März 2018 16:27; Akt: 09.03.2018 08:05 Print

St. Galler Waffenhändler war Hauptlieferant

Hans K. aus Degersheim SG belieferte Waffenschieber, die sich um Staatsgrenzen nicht gross scherten.

Die Landespolizei Vorarlberg informiert über die Verstrickungen des Waffenhändlers K. aus Degersheim (Zusammenfassung der Pressekonferenz vom Mittwoch).

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Neues zum Waffenhändler aus Degersheim SG: Der im Dezember festgenommene Hans K.* spielte in einem internationalen Netzwerk von Waffenhändlern offenbar eine grössere Rolle. Bei ihm wurden nicht nur die meisten Waffen (280), sondern mit über einer Million Franken auch die grössten Bargeldmengen gefunden.

Die Schlinge um K. im beschaulichen Degersheim zog sich nur langsam zu. Zunächst ging es bei den von höchster Stelle - der Europäischen Union - angeordneten Ermittlungen nämlich um Waffengeschäfte im französischen Toulouse. Die Observierung eines Franzosen im Sommer 2017 führte schliesslich zu Ermittlungen in Deutschland, da der fragliche Waffenschieber offenbar Kontakte nach Stuttgart und Nürnberg pflegte. «Die Täter scherten sich bei ihren Geschäften nicht um irgendwelche Staatsgrenzen», sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor, Walter Filzmaier, am Mittwoch. Die Hauptverdächtigen in Deutschland waren zwei Männer im Alter von 37 und 61 Jahren, die ihre Waffen teilweise aus dem Vorarlberg bezogen. Spätestens im Herbst war klar, dass das Netzwerk in die Schweiz führte.

K. war ein Hauptlieferant

Entscheidende Hinweise auf K. lieferten dabei acht zeitgleich durchgeführte Festnahmen und Durchsuchungen: Am 9. November 2017 stellten österreichische, deutsche und französische Polizisten in einem koordinierten Schlag über 100 Gewehre, mehrere Dutzend Faustfeuerwaffen, tausende Schuss Munition sowie mehrere Zehntausend Euro Bargeld sicher. Zwei Depots der Waffenschieber befanden sich in Niederösterreich und Bregenz, nur unweit der Schweizer Grenze.

Allein in Bregenz wurden gemäss Uta Bachmann vom Landesamt für Verfassungsschutz 200 Kilo Munition und 26 Faustfeuerwaffen beschlagnahmt. Von da aus wurden offenbar Waffen weiter nach Deutschland geschoben. Die Weiterverkäufer waren ein 35-Jähriger aus Lustenau und ein 76-jähriger Bregenzer. Ihr Hauptlieferant: der 61-jährige Kleinunternehmer Hans K. aus dem Toggenburg. Dank Tipps der Österreicher Kollegen klopfte die St. Galler Kantonspolizei kurz vor Weihnachten an seiner Tür und nahm in fest.

Laufend neue Verdächtige

Gegen K. wird noch immer ermittelt, der Kreis der Verdächtigen breitet sich immer weiter aus: Man nehme laufend neue Ermittlungen auf, so Uta Bachmann. Auch in Deutschland und Frankreich läuft der Fall weiter. K. dürfte gemäss bisherigen Erkenntnissen jedoch der einzige Schweizer im Netzwerk sein.

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen äusserte sich am Mittwoch wie folgt zum Fall: «Der Beschuldigte wurde zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Staatsanwaltschaft steht mit den österreichischen Strafverfolgungsbehörden in Kontakt, um rechtshilfeweise den Umfang der deliktischen Tätigkeit abzuklären. Aus ermittlungstaktischen Gründen erteilt die Staatsanwaltschaft derzeit keine weiteren Auskünfte. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung». Ob das Geld in K.s Haus aus dem Waffenhandel stammt, ist bis heute nicht geklärt.

1,3 Mio. Franken und Waffen sicher gestellt

*Name der Redaktion bekannt

(tso)