Polizisten vor Gericht

14. März 2018 05:52; Akt: 14.03.2018 05:52 Print

Verweigerte Polizei Frau Gebiss und Unterhose?

Am Donnerstag stehen zwei Polizisten der Kapo St. Gallen vor Gericht. Ihnen wird Amtsmissbrauch und mehrfache einfache Körperverletzung vorgeworfen.

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Der Fall wird vor dem Kreisgericht Rorschach verhandelt. (Bild: 20 Minuten)

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An einem Abend im Sommer 2014 wurde die Polizei von einem Nachbarn zu einer Wohnung im Bezirk Rorschach gerufen: Angeblich demolierte dort eine angetrunkene Frau im Keller des Mehrfamilienhauses Möbel, die nicht ihr gehörten. Nachdem die Polizei beim Haus ankam, traf sie im Keller auf mehrere zerstörte Gegenstände wie Möbelstücke und Bilderrahmen.

Nach dem Augenschein begaben sich eine Polizistin (38) und ein Polizist (37) zur Wohnung der Frau. An der Tür trafen sie auf den Ehemann. Dieser führte die beiden zum Schlafzimmer seiner Frau. Diese sei im Pyjama im Bett gewesen. Laut Anklageschrift wurde sie daraufhin aufgefordert, das Bett zu verlassen und sich anzuziehen.

Die Polizisten entschieden sich im Hinblick auf eine mögliche fürsorgerische Unterbringung, einen Amtsarzt vor Ort zu bestellen. Dieser traf später ein und ordnete an, dass die Frau in die Psychiatrische Klinik Wil gebracht werden soll, da eine Fremdgefährdung durch die alkoholisierte Frau möglich wäre.

Gebiss vorenthalten

Die Frau fühlte sich bei der Intervention von den beiden Polizisten grob behandelt und erniedrigt. Deshalb kommt es am Donnerstag zur Verhandlung vor dem Kreisgericht Rorschach. In der Anklageschrift heisst es, die Polizisten hätten die Frau überfallmässig aus dem Schlaf gerissen und seien unnötigerweise im Schlafzimmer anwesend gewesen, als sich die Frau anzog. Ausserdem seien ihr Unterwäsche, Brille und dritte Zähne vorenthalten worden.

Zudem sei die Frau grob behandelt worden und man habe sie angeschrien. Die Polizisten hätten sie gestossen sowie in die Beine getreten. Die ausgebildete Medizinerin habe mehrere schmerzhafte Hämatome und Quetschungen erlitten. Schliesslich sei sie unfrisiert, verängstigt, am Sessel fixiert und durch den Polizeieinsatz verstört dem Amtsarzt präsentiert worden. Nach erfolgter Anordnung der fürsorgerischen Unterbringung sei sie sichtbar für alle Nachbarn und wie eine Verbrecherin durchs Treppenhaus abgeführt worden, so der Vorwurf.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung der beiden Polizeibeamten wegen Amtsmissbrauch und mehrfacher einfacher Körperverletzung. Die Polizisten sollen zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 140 Franken sowie einer Busse von 1000 Franken verurteilt werden.

«Weder getreten noch geschlagen»

Die Verteidiger der beiden Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. «Die Äusserungen der Klägerin sind weitestgehend falsch und widerlegt», sagt Anwalt Armin Eugster. «Es wurde keine körperliche Gewalt angewendet. Die Frau wurde weder getreten noch geschlagen.» Die Darstellung in der Anklageschrift sei übertrieben. Vor Gericht werde er einen Freispruch mangels Tatbestand fordern.

Auch Benno Lindegger, der Verteidiger der Polizistin, wird einen Freispruch fordern. «Meiner Mandantin kann nicht im Geringsten ein Fehlverhalten vorgeworfen werden.»

Die die Kantonspolizei St. Gallen äusserte sich auf Anfrage nicht zum Fall. «Aufgrund des laufendes Verfahrens kann die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen», sagt Sprecher Gian Andrea Rezzoli

(jeb)