Neue Regeln

31. August 2017 18:33; Akt: 31.08.2017 18:33 Print

Rheintaler Fasnächtler kommen an die Leine

Bürokratie passt eigentlich nicht zur Fasnacht. Doch nun haben die Organisatoren diverser Umzüge im Rheintal ein gemeinsames Reglement herausgegeben. Das stösst auf Kritik.

Zusammenschnitt vom Fasnachtsumzug 2017 in Altstätten SG. Video: Tamedia Webvideo
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Nur noch 93 Dezibel aus den Boxen, keine Anfahrten auf dem Wagen mehr, Alkoholverkauf nur mit entsprechender Bewilligung – so lauten einige der Vorschriften für Umzugsteilnehmer mit Wagen an Rheintaler Fasnachtsumzügen.

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Die Fasnächtler wurden am Dienstagabend über die gemeinsamen Richtlinien für die Umzüge in Altstätten, Rebstein, Oberriet, Diepoldsau und Kriessern informiert, wie der «Rheintaler» am Donnerstag berichtete.

Doch wieso wird die Fasnacht – ein Fest der Zügellosigkeit – bürokratisiert? «Es geht zum einen um die Sicherheit, zum andern um Bedürfnisse von Teilnehmern und des Publikums», sagt Alex Zenhäusern, OK-Präsident der Altstätter Fasnacht. «Zum Beispiel wurden die Wagen immer lauter.» Das habe zu Reklamationen geführt. Auch für die Guggenmusiken, die hinter einem lauten Wagen marschierten, sei die dröhende Musik störend gewesen. «In der Folge hielten sie grösserer Abstände zur Vorgruppe, was zu einem Lückenhaften Umzug führte», so Zenhäusern.

Keine Anfahrten im Anhänger

Weiter reagiere man auf Vorfälle wie den Unfall eines Traktors mit Anhänger einer Poltergesellschaft in Wohlen AG diesen Sommer. Der Chauffeur verlor dabei die Kontrolle über den Traktor, die Komposition kippte um und die 17 Personen der Poltergesellschaft samt Chauffeur wurden auf die Strasse geschleudert. Alle wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Neu ist deshalb im Reglement klar geregelt, dass sich auf der Fahrt zum Fasnachtsumzug keine Personen auf den Anhänger oder Ladebrücken befinden dürfen. Das werde von der Polizei auch überprüft werden, kündigten Dorfpolizisten an der Infoveranstaltung am Dienstag gleich selbst an.

Spass am Bauen verdorben

Das kam bei den Fasnächtlern nicht gut an. «Wir haben für das neue Reglement keine Blumensträusse bekommen», sagt Zenhäusern. Vor allem, dass die Fasnächtler nicht mehr auf den Wagen anreisen dürfen, sei auf wenig Gegenliebe gestossen.

Auch weitere Vorschriften im Bereich Brandschutz, Wagenbau und Bewilligungen würden den Spass am Wagenbau mildern. «Da muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich mir die Mühe überhaupt noch machen soll», sagte ein Wagenbauer dem «Rheintaler».

Auch auf Social Media lassen Fasnächtler ihren Frust ab: «Spassbremsen», «Wollt ihr alles verbieten?» oder «Geht es in der Fasnacht nicht darum, dass man laut und ausgelassen ist?», liesst man auf Facebook.

Die Regeln stossen aber auch auf Befürworter: «Als Chindergugge liefen wir an Umzügen Jahre lang hinter solchen Wagen her. Fazit: Man hat praktisch nichts mehr von der Gugge gehört. 93 Dezibel ist noch laut genug.»

Hoffnung auf besserer Mottos

Die Organisatoren der Umzüge erhoffen sich, dass die Qualität der Motive mit dem neuen Reglement verbessert wird: «Ziel der Veranstalter ist es, dass sich die Wagenbaugruppen wieder vermehrt auf den liebevollen Bau eines Motto-Wagens konzentrieren, statt einen mit Werbeblachen vollgehängten Barwagen mit einigen tausend Watt Musikleistung zu präsentieren», heisst es im Reglement.

Das erhofft man sich auch in der Region Werdenberg und Liechtenstein. Dort wird ebenfalls ein Regelwerk für die Teilnahme an Umzügen erstellt, wie das «Vaterland» Anfang August berichtete.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TommyM am 31.08.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Für die welche die Fasnacht schätzrn und mit Herzblut dabei sind ändert sich fast nichts mit diesen Regeln. Um die, die Die Fasnacht mit einem billigen lärm Apreski Saufumzug verwechseln ist es nicht schade.

  • loop am 31.08.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rheantaler fashing

    die anreise auf dem wagen war immer ein highlight. schade, dass es immer solche gibt die aus den reihen tanzen müssen und alle anderen in mitleidenschaft ziehen.

    einklappen einklappen
  • Thomassonmels am 31.08.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lang kein Fasnächtler mehr

    Ich fand früher waren die Umzüge noch interessant, da jeder Wagen ein Thema hatte und man sofort wusste um was es ging in den letzten paar Jahren nicht mehr. Dann kann man auch gleich aufhören mit dem Wagenbauen. Alkohol trinken kann man auch zuhause oder im Restaurant.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Romeo am 01.09.2017 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fasnacht??

    Ist Fasnacht nicht die Zeit, wo die Menschheit sich so verhält wie sie eigentlich ist? Mit den ganzen Irren auf der Strasse?

  • m.k. am 01.09.2017 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Früher hat man sich bei den Wagen was überlegt (Thema). In den letzten Jahren waren fast nur Holzbarracken unterwegs mit sinnlos lauter Musik. Ein 4eckiger Barwagen zum Saufen. Die Teenis haben lustlos vom Wagen geschaut ohne was zu verteilen zu winken oder gar darzustellen. Keine Spur von Kreativität oder Lust am Wagenbau. Schnell gemacht, billig und laut . Das hat mit Tradition nichts mehr zu tun!!

  • moon am 01.09.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    kreativität verschwindet

    thommyM, klar ändert sich ein grosser Aspekt, wenn die FAsnächtler nicht mehr auf den Wagen stehen dürfen! DAs mit den Dezibel verstehe ich natürlich auch. Zum einen stört es ja sogar die Guuggen. Hey, aber ein Unfall kann immer mal passieren, egal wie man alle in Watten packt. Wegen einem Unfall muss man doch nicht gleich alles verbieten! Ich bin übrigens keine Extrem Fasnächtlerin, aber ich finde die Kreativität immer wieder mega toll, und mit dieser Bürokratie wird die Kreativität unterbunden, wieder einmal. immer mehr verschwindet die Kreativität mit solchen Massnahmem, was schade ist.

  • da bu am 01.09.2017 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dabu

    Genau... Wagen auf 93dB begrenzen und die Gugge spielen mit 100-105dB.. macht nir bedingt sinn.

    • Nici am 01.09.2017 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @da bu

      was gehört denn an einem umzug dazu??? laute apres-ski- oder guggenmusik???

    einklappen einklappen
  • Eidgenoss am 01.09.2017 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartig

    Da dürfen hergelaufene tun u d lassen was sie wollen - und nichts passiert. Und wenn Unsere zwei Tage Fasnacht treiben werden diese von den im andern Fall faulen Behörden gemassregelt. Braucht es wirklich eine "EidgenössischecKraft" um uns von diesen 'auslandorientierten Insassen bei Aemtern' zu befreien! Braucht es wieder ein paar Tell's?