Wil SG

08. März 2018 11:55; Akt: 08.03.2018 12:11 Print

SBB lässt behindertes Paar im Stich

Ein sehbehindertes Paar bat die SBB um Hilfe beim Umsteigen am Bahnhof Wil. Diese wurde ihn jedoch nicht gewährt. Die SBB beruft sich auf das Behindertengleichstellungsgesetz.

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Claudia und Adrian Bürge wollten am Sonntag mit dem Zug von Wohlen nach Wattwil SG fahren. Was sich einfach anhört, ist für die beiden eine grosse Herausforderung – sie haben nämlich eine starke Sehbehinderung. Doch nicht nur darum gestaltete sich die Reise schwierig: Als sie im Vorfeld beim SBB Call Center Handicap eine Umsteigehilfe für den Bahnhof Wil beantragten, wurde ihnen diese verwehrt.

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Man habe ihnen mitgeteilt, dass das am Wiler Bahnhof nicht möglich sei und sie für eine Umsteigehilfe via St. Gallen fahren müssten. Das kam für das Paar nicht infrage: «Die Fahrt über St.Gallen bedeutet für uns nicht nur eine längere Reisezeit, sondern auch höhere Kosten», erklärt Adrian Bürge gegenüber den «Wiler-Nachrichten».

Reisende müssen selber zurecht finden

Für die SBB ist der Fall klar: «Entspricht ein Bahnhof den gesetzlichen Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes, dann gilt dieser Standort als autonom zugänglich. Dies ist beim Bahnhof Wil der Fall», wird der Entscheid gegenüber den «Wiler Nachrichten» begründet. Zu den Vorgaben gehören etwa taktile Elemente am Boden, Perronanschriften auf den Handläufen in Braille und akustische Kundeninformation.

Wegen des negativen Bescheids der SBB wendete sich Bürge ans Info Center der Stadt Wil und gelangte an Sachbearbeiter Ruedi Schär. Auch er erhielt von der SBB die gleiche Antwort und bot deshalb an, das Paar selbst auf das richtige Gleis zu begleiten.

Leider war das gar nicht so einfach. «Mir fiel plötzlich auf, wie viele Hindernisse es am Bahnhof gibt, wenn man nichts sieht», wird Schär von der Zeitung zitiert. Und so kam es, wie es kommen musste: Das Paar verpasste den Zug. Schär fuhr die beiden deshalb kurzerhand selbst nach Wattwil SG. Für ihn ist nach diesem Vorfall klar, dass nun das Thema Bahnhofpatenschaft wieder aufgegriffen werden muss.


(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jane77 am 08.03.2018 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht gut

    es wäre doch keine grosse Sache die beiden auf das Gleis zu begleiten. schwache Leistung liebe SBB

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  • Benzin am 08.03.2018 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Für die SBB kommt auch jede Hilfe zu spät. Sich auf Gesetze berufen wenn bedürftige Menschen Hilfe benötigen. Dort arbeiten anscheinend Maschinen.

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  • Radiesli am 08.03.2018 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sehbehinderte haben es schwer!

    Ich sehe oft am Bahnhof Winterthur, dass die sehenden Passagiere sich keinen Deut um die Bedürfnisse von Blinden oder Sehbehinderten kümmern und denen höchstens noch im Weg rumstehen oder die Markierungen am Boden blockieren! Typisch Egoisten-Gesellschaft. Ich helfe regelmässig und gerne, wenn ich kann und wo es nötig ist. Leider haben in der heutigen abgehetzten Gesellschaft nur noch wenige Leute Zeit, jemanden zu helfen. Den eigenen Anschluss nicht zu verpassen ist wichtiger!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jannickh am 08.03.2018 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich SBB schuld

    Und natürlich ist jetzt wieder die SBB schuld... Obwohl ja offenbar der Bahnhof dem BehiG entspricht.

  • patrick h. am 08.03.2018 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Absolut verständlich. Die SBB kann diesen Service nicht an allen Bahnhöfen anbieten. Ich kann mein Flug-Reise-Gepäck auch nicht an jedem Bahnhof aufgeben. Klar ist es unschön, aber soll die SBB nun an jedem einzelnen Bahnhof Personal abstellen für jedes Handicap? Die Kommentarschreiber die sich hier wieder enervieren wären die ersten die Sturm laufen wenn sich deswegen die Preise erhöhen. Plus, gem. SBB Fahrplan verlängert sich die 2h10m Fahrt auf 2h40m und der Preis steigt von 22.00.- auf 23.50.-. So schlimm ist das nun auch nicht.

  • Ostschweiz84 am 08.03.2018 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Japan als Vorreiter

    Liebe SBB Reist mal nach Japan und lasst euch inspirieren. Jeder MA der Japan Railways kann man nach Hilfe fragen und wird mit oder ohne Einschränkung ans Perron oder wo man wünscht begleitet. Dann Züge mit reservierten Sitzen für kleinen Aufpreis Einfach spitze. Egal wo der Bahnhof ist. Ob gross oder klein. Ob Bus oder Zug. Einfach nicht verwunderlich wenn immer mehr Passagiere mit dem Auto oder privaten Busanbietern reisen. Lernt endlich dazu, anstatt immer die Preise zu erhöhen! Hauptsächlich neue Züge aus Kanada! Apps die nicht richtig laufen, versteckt Zusatzkosten wie z.B. Nachtzuschlag

  • Cavi33 am 08.03.2018 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realistisch bleiben

    Verstehe zwar die SBB, aber war denn keine andere Person die dem Paar hätte helfen können. In Wil steigen ja nicht nur diese zwei Leute aus. Schwache Leistung von allen Anwesenden.

  • Ruth Mayer am 08.03.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handycap

    Ich selbst kenne das problem. Und jedes mal diese rechtfertigungen. Sls ob wir nicht schon genug gestraft sind so zu leben. Dan hat der eine anschluss verspätung und huiii da muss man warten und und und. Od denkt jemand das wir im rollstuhl in das sbb wc passen???? Ernsthaft. Reisen mit handycap ist nicht nur anstrengend, mühsam, nervenaufreibend, sondern auch entwürdigend und herablassend.