Radar-Fallen

06. Februar 2018 17:36; Akt: 15.02.2018 13:25 Print

Für diese Warnungen gibt es Post vom Staatsanwalt

Kranke Elefanten und Schlümpfe: Codierte Radar-Warnungen auf Facebook sind mitunter sehr kreativ – und dennoch illegal. Es gab sogar schon Verurteilungen.

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Wenn Schlümpfe ihre Beeren vergessen und Laserschwerter schwingen, passen Ostschweizer Autofahrer besonders auf: Es handelt sich nämlich um codierte Radar- und Kontrollmeldungen, gepostet auf den Facebook-Seiten Rennleitung SG und TG. Weil Warnungen vor Verkehrskontrollen illegal sind (siehe Box), greifen die User auf amüsante und absurde Codes zurück.

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«Wir haben Kenntnis von solchen Warnungen, die teils schon witzig sind. Andererseits ist es nicht sehr taktvoll, Polizisten als Schlümpfe zu bezeichnen», kommentiert Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, die Posts.

«Jeder weiss was gemeint ist»

Ob witzig oder respektlos – potentiell strafbar sind die Warnungen alle, auch codierte. Für den Eintrag «Abtwil nochem Mc D und Pneu Aple Richtig A1 hets Znünibuebe mitere orange Ovi-Fläsche i de Hand...» brummte die Staatsanwaltschaft St. Gallen dem 31-jährigen Urheber 500 Franken Busse auf. Der Mann erhob Einsprache, blitzte beim Kreisgericht St. Gallen jedoch ab.

«Ob eine Verklausulierung hilft, entscheidet schliesslich das Gericht», erklärte Roman Dobler, Sprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, im Vorfeld der Verhandlung. Und weiter: «Nur weil er die Warnung anders formuliert hat, weiss trotzdem jeder, was gemeint ist.» Es wisse ja auch jeder, was es bedeute, wenn jemand auf der Strasse Schnee verkaufen wolle.

Polizei ermittelt auf Facebook

Wie von den Betreibern von Rennleitung SG vermutet, ist die Polizei auf den Seiten aktiv und bringt immer wieder Warner zur Anzeige, wie Krüsi bestätigt. Auch die Kapo Thurgau beobachtet die Facebook-Seiten und führt laut Sprecher Mario Christen Ermittlungen durch. Ob es sich bei den Einträgen um Warnungen oder harmlose Prosa handelt, entscheide letztlich die Justiz. Priorität hätten diese Ermittlungen jedoch nicht, so Christen.

Währenddessen wird auf den Seiten munter weiter gewarnt: «Bi de Stephanshorn Klinik bauets gad en neue Selfie-Automat uf», hiess es am Montag.

(tso)