Kantonsgericht AR

24. Februar 2009 10:49; Akt: 24.02.2009 11:10 Print

Süchtig nach Sex mit Kindern

Der ausnehmend höfliche und sensible Jugendliche war der Kinderhüter einer kleinen Ausserrhoder Dorfgemeinschaft. Aber das war nur die halbe Wahrheit.

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Der Fall schlug in dem Dorf wie eine Bombe ein, als jemand im Juli 2007 der Kantonspolizei meldete, der damals 18-jährige Täter habe sexuelle Kontakte zu Kindern. Als eines der Opfer befragt wurde, nannte der 13-Jährige Namen weiterer Knaben. Er erzählte, sie hätten als Gegenleistung Geschenke, wie Gameboys, Softguns, iPods und Geld erhalten.

Der Angeklagte war sofort geständig. Erste homoerotische Erlebnisse habe er in der Primarschule nach einer Schwimmlektion in der Dusche gehabt, als es zu Übergriffen unter Schulkameraden gekommen sei. Als er neun Jahre alt war, begann er eine Beziehung zu einem damals Fünfjährigen.

Verschwiegen

Der ausnehmend höfliche und sensible Jugendliche war der Kinderhüter des Quartiers. Er spielte auch völlig normal mit den Kids; die Leute vertrauten ihm. Die Kinder verschwiegen ihren Eltern jahrelang ihre sexuellen Erlebnisse mit dem Jugendlichen.

Auf dem Computer des Mannes fanden die Untersuchungsbehörden 65 kinderpornografische Videos und Texte. Es habe sich eine regelrechte Sucht nach Sex mit Kindern entwickelt, gestand der Mann vor Gericht. Er sei therapiewillig und wolle nach dem Strafvollzug ein normales Leben führen.

Taten teilweise verjährt

Das Ausserrhoder Kantonsgericht hat den 20-jährigen Mann nun zu einer stationären therapeutischen Massnahme und einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Der Mann beging vor allem als Jugendlicher mit zehn Knaben sexuelle Handlungen.

Wegen Verjährung wurde er für sexuelle Handlungen mit Kindern vor dem 20. Februar 2004 freigesprochen. Verurteilt wurde er wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zwischen Februar 2004 und seiner Verhaftung im Juli 2007. Schuldig befand ihn das Gericht auch mehrfacher Pornografie, wie das Gericht am Dienstag mitteilte.

Will seine Taten wieder gutmachen

Eine stationäre Massnahme kann bis zu fünf Jahren dauern und dann eventuell verlängert werden, wenn das Gericht so entscheidet. Die Zivilforderungen der Geschädigten zwischen 4000 und 20 000 Franken wurden anerkannt.

Der Mann beging seine Taten lediglich drei Monate lang als Erwachsener. Er wolle seine Taten wieder gutmachen, sagte er vor Gericht: «Ich würde alles tun, um sie ungeschehen zu machen; es tut mir von Herzen leid.»

(sda)