Bodensee

22. März 2018 05:51; Akt: 22.03.2018 05:51 Print

Taucher sollen Rätsel um uralte Siedlung lösen

Im See vor Güttingen TG befinden sich Überreste uralter Siedlungen. Forscher wollen nun deren Geheimnis auf die Spur kommen.

Das Amt für Archäologie Thurgau lud am Mittwoch zu einer Medienorientierung. (Video: lad)
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Die Taucharchäologen haben ihre Basis beim Hafen Güttingen eingerichtet: Sie führen über einen Zeitraum von rund acht Wochen Arbeiten weiter, die bereits 2008 begonnen haben. Damals erstellte die Hafenuniversität Hamburg ein exaktes Höhenmodell des Seegrunds von einer inselartigen Untiefe vor dem Schloss Güttingen, etwa 240 Meter vom Ufer entfernt. Denn dort liegt der sagenumworbene Mäuseturm (siehe Box).

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Pfahlbausiedlungen von vor 3000 Jahren

Die Arbeiten wurden durch Forschungstaucher des Amts für Archäologie Thurgau begleitet. Dabei wurden Proben von Pfählen entnommen. Die Resultate der dendrochronologischen Untersuchung ergaben, dass die in einem Quadrat von 15 mal 15 Meter stehenden Pfähle aus dem 12. Jh. n. Chr. stammen.

Zum grossen Erstaunen der Forscher stellte sich jedoch heraus, dass einige Pfähle in die Spätbronzezeit, also rund 1000 v. Chr., datiert wurden. Es wurden auch spätbronzezeitliche Gefässscherben vom Seegrund geborgen. Das bedeutet, dass hier vor über 3000 Jahren bereits Pfahlbausiedlungen bestanden haben.

Taucher sollen Rätsel um uralte Siedlung lösen

Mehr Fragen als Antworten

«Die Fundstelle war lange unbekannt, weil sie sehr weit draussen liegt», erklärt Simone Benguerel, Leiterin des Amts für Archäologie des Kantons Thurgau. Erst in den 80er-Jahren sei sie von Fischern entdeckt worden, weil die Untiefe bei niedrigem Wasserstand sporadisch aus dem Wasser auftauchte und eine Art quadratische Insel bildete. Auch Hölzer hätten aus dem Wasser geragt.

«Mit den jetzigen Arbeiten wollen wir herausfinden, wie gross die Fundstelle überhaupt ist», sagt Benguerel. War da bloss eine Pfahlbausiedlung oder gar mehrere? Sind die Pfähle allesamt aus der Spätbronzezeit oder steckt da noch anderes dahinter? Warum stand die Siedlung so weit vom Ufer entfernt? Viele Funde seien auch für das Team nicht erklärbar. «Im Moment stehen wir noch vor mehr Fragen als Antworten», so Benguerel weiter. Vielleicht habe die Lage mit der Untiefe vor Güttingen zu tun. Bisher wisse man nicht, wo damals der Wasserspiegel lag.

«Es ist enorm kalt und wir haben viel Material»

Wichtig für die Arbeiten sind vor allem auch die Forschungstaucher. Ein Team aus sechs Personen fährt jeweils auf dem Boot zur Fundstelle hinaus. «Sobald wir draussen sind, geht alles relativ zackig», erklärt Irene Homberger, Tauchinstruktorin des Global Underwater Explorer Teams.


Sehen Sie hier die Unterwasseraufnahmen der Taucher. (Video: Amt für Archäologie Thurgau)

Eine der grössten Herausforderungen sei sicherlich das Wetter: Es schaukle auf dem Boot und schlage das Equipment umher – dies unter wie auch über Wasser. Zudem könne man am Seegrund nicht kommunizieren, das Vorgehen müsse also vorab genau geklärt werden. Auch die Kälte stelle eine Herausforderung dar: «Es ist enorm kalt – im Wasser sind es circa 5 Grad. Glücklicherweise habe ich eine elektrische Heizung in meiner Kleidung», so Homberger. Damit könne sie solange unter Wasser bleiben wie sie wolle, im Schnitt seien dies so zwei bis drei Stunden am Stück.

Für Interessierte findet am 20. April ab 15 Uhr eine Informationsveranstaltung am Güttinger Hafen statt.

(lad)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 22.03.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Man darf gespannt sein

    Ich hoffe die Forscher finden die Antwort(en) auf die möglichen Siedlungen. Viel Glück :-)

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  • M.G. am 22.03.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sage ist abgkupfert

    und bezieht sich auf den Mäuseturm bei Bingen (D). Das Wort Mäuseturm entstand aus Mautturm = Zollturm. In der wasserseitigen Turmwand sieht man heute noch die Maueröffnung mit der Umlenkrolle über die einst eine lange Eisenkette lief. Die war am gegenüberliegenden Ufer an der Burg Ehrenfels befestigt. Näherte sich ein Schiff wurde die Kette mittels einer Winde gespannt sodass diese straff über dem Wasser hing und das Schiff blockierte. Dieser Zoll war eine wichtige Geldquelle des Mainzer Erzbischofs. Weil die Leute auch damals ungern Abgaben zahlten entstand die Sage vom tyrannischen Bischof.

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  • Maler50 am 22.03.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Es immer wieder Interessant die Geschichte neu zu entdecken ob es hier oder irgendwo auf der Welt geschieht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • E.T. am 22.03.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie in Zürich

    So werden Beamte beschäftigt. Was für eine Geld- und Zeitverschwendung, zumal die Menschen diese Überreste nicht persönlich anschauen können. Genau dasselbe wie bei der gefundenen Pfahlbausiedlung an der Promenade des Zürcher Bellevues. Ein Schild steht dort: Da unten in der Tiefe war mal ein Pfahlbauerdort. Wow und dafür bezahlen wir Steuerzahler.

  • fredi gurtner am 22.03.2018 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unterwasserfund

    Es ist gut ,das der Fund gut geschützt ausgewertet wird. Wer über die Vergangenheit viel weiss, versteht auch die Gegenwart besser.

  • Maler50 am 22.03.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Es immer wieder Interessant die Geschichte neu zu entdecken ob es hier oder irgendwo auf der Welt geschieht!

  • M.G. am 22.03.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sage ist abgkupfert

    und bezieht sich auf den Mäuseturm bei Bingen (D). Das Wort Mäuseturm entstand aus Mautturm = Zollturm. In der wasserseitigen Turmwand sieht man heute noch die Maueröffnung mit der Umlenkrolle über die einst eine lange Eisenkette lief. Die war am gegenüberliegenden Ufer an der Burg Ehrenfels befestigt. Näherte sich ein Schiff wurde die Kette mittels einer Winde gespannt sodass diese straff über dem Wasser hing und das Schiff blockierte. Dieser Zoll war eine wichtige Geldquelle des Mainzer Erzbischofs. Weil die Leute auch damals ungern Abgaben zahlten entstand die Sage vom tyrannischen Bischof.

    • M.G. am 22.03.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Der Weg in die Schweiz

      Wahrscheinlich ist die Geschchte vom Mäuseturm mit Schiffern und Händlern vom Mittelrhein in die Schweiz gelangt. Hier war man sehr an den Verhältnissen entlang des Flusses interessiert. Städte wie Zürich und die Talschaften am Gotthard waren reichsfrei und hatten Privilegien wie das Stapelrecht und ein Säumerstatut. Jeder Kaufmann der von Köln nach Mailand oder umgekehrt Waren transportierte musste diese von lokalen Fuhrleuten über den Gotthard bringen lassen und in Zürich bestimmte der Rat zu welchen Preisen solche Waren 3 Tage lang angeboten werden mussten. Das gab ordentlich Profit.

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  • Linus am 22.03.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Gehemnis

    Es gibt da kein Geheimnis. Es war eine von nicht zählbaren Siedlungen in dieser Zeit am Wasser und egal aus welcher Zeit, wir kennen es schon von anderen Orten.