Fall Ulrich K.

09. August 2017 10:55; Akt: 09.08.2017 15:06 Print

Tierschützer Kessler zeigt Kantonstierarzt Witzig an

Tierschützer Erwin Kessler reicht eine Strafanzeige gegen den für Ulrich K. zuständigen Kantonstierarzt Paul Witzig ein. Er wirft ihm vor, den Tieren geschadet zu haben.

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«Der beschuldigte Kantonstierarzt Paul Witzig ist ganz direkt und persönlich verantwortlich für das unglaubliche Tierelend, das nun – über ein halbes Jahr umfassend dokumentiert – bekannt geworden ist.» Dies schreibt Tierschützer Erwin Kessler in seiner Strafanzeige gegen Witzig, die er heute eingeschrieben an die Staatsanwaltschaft Frauenfeld geschickt hat. Ulrich K. aus Hefenhofen TG sei den Behörden, auch der Thurgauer Staatsanwaltschaft seit vielen Jahren als «ein notorischer, uneinsichtiger, unverbesserlicher und mehrfach vorbestrafter Tierquäler» bekannt. «Paul Witzig weigerte sich auch nach den strafrechtlichen Verurteilungen wegen Tierquälerei, ein Tierhalteverbot zu erlassen», schreibt Kessler in der Anzeige.

«Ulrich K. wissentlich und bewusst geschützt»

Anlässlich der Urteilsbegründung habe der Präsident des Bezirksgerichts Arbon am 24. November 2009 erklärt, er könne nur bestrafen, jedoch das nötige Tierhalteverbot nicht erlassen, das könne nur das Veterinäramt. «Der Beschuldigte Paul Witzig jedoch liess den Tierquäler weiter gewähren», heisst es in der Strafanzeige weiter.

«Warum ist Kantonstierarzt Paul Witzig persönlich verantwortlich für dieses Tierelend?», fragt Kessler rhetorisch. Die Antwort liefert er gleich selber nach: Witzig habe mit schweren Amtspflichtverletzungen den «Tierquäler» Ulrich K. wissentlich und bewusst davor geschützt, dass die Tierquälereien amtlich festgestellt werden konnten. «Er liess die Tierschutzkontrollen auf dem Hof dem Tierquäler immer so lange vorankündigen, dass K. alles in Ordnung bringen konnte», schreibt Kessler.

«K. hatte genug Zeit, tote Tiere zu beseitigen»

An der Medienkonferenz vom 7. August habe Witzig die Vorankündigung der Kontrollen selber zugegeben, habe jedoch sofort behauptet, dies sei kurzfristig geschehen. «Darauf
stellte ein nicht namentlich bekannter Mitarbeiter des Veterinäramtes vor versammelten Medien klar, dass unter ‹kurzfristig› zu verstehen sei, dass K. genug Zeit hatte, tote Tiere zu beseitigen», heisst es in der Strafanzeige. Es sei anzunehmen, dass er dann auch die schon schwer erkrankten und sterbenden Tiere erschossen und zusammen mit den toten beseitigt habe, so Kessler.

«Jeder Mensch, der noch klar im Kopf ist, stellt sich hier die Frage: Warum war K. gewalttätig bei unangemeldeten Kontrollen und lammfromm bei vorangemeldeten?», schreibt Kessler. Der Hof sei dann aufgeräumt, der Tatort gesäubert und die Spuren verwischt worden. Doch den Beamten wäre das nicht aufgefallen.

Das auf der Hand liegende, pflichtgemässe Verhalten des Beschuldigten hätte es sein müssen, Polizeischutz anzufordern. «Präsident des Verbandes der Kantonstierärzte hat am 8. August in einem Interview auf Radio SRF bestätigt, dass sehr häufig Polizeischutz angefordert werde, weil im Umgang mit Tierquälern oft Gewaltbereitschaft auch gegen Menschen bestehe», schreibt Kessler.

(air)