Schiesserei in Rehetobel AR

03. Januar 2017 21:33; Akt: 04.01.2017 06:51 Print

Plötzlich hatte Roger S. eine Waffe in der Hand

Hausdurchsuchung eskaliert: Ein vorbestrafter 33-Jähriger hat in Rehetobel AR zwei Polizisten angeschossen. Nach stundenlangen Verhandlungen richtete er sich selbst.

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Der 33-jährige Schweizer, der am Dienstagmorgen während einer Hausdurchsuchung zwei Polizisten anschoss, ist tot. Der Mann richtete bei der Festnahme in Rehetobel eine Waffe gegen sich selbst. Einer der beiden angeschossenen Polizisten befindet sich in Lebensgefahr.

Der mutmassliche Täter stand im Verdacht, in Rehetobel eine Indoor-Hanfplantage zu betreiben. Der Mann sei am Morgen im Vorfeld einer Hausdurchsuchung auf dem Polizeiposten Heiden auf gefährliche Gegenstände untersucht worden, sagte Graziosa Gairing, Chefin der Ausserrhoder Kriminalpolizei, am Dienstagabend vor den Medien. Der Mann sei kooperativ und geständig gewesen.

In die Hausdurchsuchung sei auch ein Schuppen in Heiden miteinbezogen worden. Zwei Beamte im Alter von 29 und 37 Jahren begleiteten den Mann dorthin. «Beim Schuppen konnte der Mann eine Waffe behändigen und es kam kurz nach 9 Uhr zu einem Schusswechsel zwischen ihm und der Polizei», sagte Gairing.

29-jähriger Polizist in Lebensgefahr

Dabei wurden die beiden Polizisten schwer verletzt. Sie mussten mit der Rega ins Spital überführt werden. Beide wurden notoperiert. Der Zustand des 29-Jährigen sei äussert kritisch, sagte der Ausserrhoder Polizeikommandant Reto Cavelti. Er erlitt einen Herzsteckschuss. Der zweite Beamte wurde im Bereich der Beine getroffen. Er sei ausser Lebensgefahr. Die Beamten hätten korrekt gehandelt, sagte Cavelti. Der Täter sei äusserst skrupellos vorgegangen.

Der 33-Jährige flüchtete zu Fuss. Nach kurzer Fahndung konnte der Mann von der Polizei bei seinem Wohnhaus in Rehetobel lokalisiert und umstellt werden. «Der Täter trug einen Rucksack bei sich und drohte der Polizei damit, Sprengstoff zu zünden», sagte Cavelti.

Verhandlungen mit dem Mann führten zu keinem Resultat. Kurz vor 17 Uhr wurde ein Diensthund gegen den Schützen eingesetzt. Der Mann ergriff eine Handfeuerwaffe und verletzte sich tödlich. Beim Täter sei eine weitere Waffe und Munition gefunden worden, aber kein Sprengstoff.

Wegen versuchter Tötung verurteilt

Beim Schützen handelt sich um einen 33-jährigen Schweizer. Er ist vorbestraft. 2003 habe er versucht, zwei Personen zu erschiessen, sagte der Ausserrhoder Staatsanwalt Bruno Werlen. 2004 wurde der Mann vom Ausserrhoder Kantonsgericht wegen mehrfacher versuchter Tötung, mehrfacher schwerer Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz verurteilt. Es wurde eine Massnahme angeordnet.

Der Mann kam bis 2009 in eine Arbeitserziehungsanstalt, wie Werlen sagte. 2012 endete die Probezeit. Er sei aber wieder auffällig geworden. Es bestand der Verdacht auf Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Staatsanwaltschaft vermutete, dass der Mann in seinem Wohnhaus eine Indoor-Hanfanlage betreibt.

«Ich hatte Angst um mein Leben»

Ein Augenzeuge hat die ersten Schüsse am Morgen mitverfolgt. «Ich kenne den Täter und habe ihn genau erkannt.» Es handle sich um Roger S.*, einen Einheimischen, der die Polizisten wenige Meter von ihm entfernt angeschossen hat. «Ich hatte Angst um mein Leben», so der Augenzeuge weiter.

«Als mein Mann heute Morgen unsere Kleintiere füttern wollte, hörten wir es vier- oder fünfmal knallen», erzählt eine Rehetoblerin. Von Schüssen seien sie allerdings nicht ausgegangen. «Wir dachten, dass es einen Autounfall gegeben habe.»

Der Vermieter von S. beschreibt ihn als unauffällig. «Seit rund zwei Jahren wohnt er nun alleine hier.» Er wisse nicht, was in den 33-Jährigen gefahren sei. Nach der Schiesserei habe sich der Täter an seinen Wohnort zurückgezogen. «Wir wurden daraufhin von der Polizei in Sicherheit gebracht.»

* Namen der Redaktion bekannt

(jdr/nab/sda)