Obertoggenburg

08. Dezember 2017 18:54; Akt: 08.12.2017 18:54 Print

Verhärtetet Fronten im Bergbahnen-Streit

Die Bergbahnen Wildhaus wehren sich gegen eine feindliche Übernahme durch die benachbarten Toggenburg-Bergbahnen. Diese zeigen sich wenig beeindruckt.

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Gleich acht Mitglieder der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats der Bergbahnen Wildhaus (BBW) nahmen am Freitag an einer Medienkonferenz am Schwendisee oberhalb von Wildhaus teil. Sie forderten eine Deblockierung im Bergbahnenstreit, der seit Mitte 2015 im oberen Toggenburg tobt.

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5 Millionen öffentliche Gelder für das Projekt Wildhaus 2.0 sind durch die Regierung blockiert. Ist das in Ordnung?

Im Sommer boten die Toggenburg-Bergbahnen (TBB) per Zeitungsinserat 25 Franken pro Aktie der Nachbarsbergbahnen. Der Preis war für die Wildhauser ein Affront.

Fusion nur auf Augenhöhe

Man sei offen für «eine Fusion auf Augenhöhe» mit den Toggenburg-Bergbahnen, sagte VR-Präsident Jakob Rhyner am Freitag. Das im vergangenen Mai lancierte und bis September 2019 gültige feindliche Übernahmeangebot der TBB – eine Chäserrugg- für zehn Wildhauser Aktien – sei aber ökonomisch nicht zu rechtfertigen.

Die BBW präsentierten dazu ein Gutachten der Hochschule Luzern. Darin werden die Aktien der BBW weit höher bewertet. Ein Verhältnis von anderthalb bis zwei Wildhauser pro TBB-Aktie wäre angemessen.

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg-Bergbahnen, sagte am Freitagnachmittag zu 20 Minuten, sie könne zu den Ergebnissen der Studie und dem vorgeschlagenen Umtauschverhältnis nichts sagen, da sie diese schlicht nicht kenne. «Grundsätzlich bestimmt der Markt den Aktienpreis.»

Wildhauser Projekt blockiert

Unmut äusserten Rhyner und Geschäftsleiter Urs Gantenbein über das Verhalten der St. Galler Regierung. Diese hat öffentliche Gelder von fünf Millionen Franken für das Ausbauprojekt «Wildhaus 2.0» blockiert. Der Kanton fordert, dass die rivalisierenden Bergbahnen sich zuerst auf die künftige Weiterführung ihres gemeinsamen Wintertickets einigen. Dieses ist nur bis und mit Winter 2018/2019 gesichert.

Rhyner warf der Kantonsregierung vor, die touristische Weiterentwicklung im Obertoggenburg zu verhindern. Mit dem 15-Millionen-Projekt «Wildhaus 2.0» würde eine indirekte Wertschöpfung von 30 bis 40 Millionen angestossen. «Für uns ist nur sehr schwer nachvollziehbar, dass der Regierungsrat dies nicht als Chance erkennt und die Gelder dementsprechend freigibt.»

Rhyner bat die Regierung, die Gelder für das Projekt an ihrere Sitzung kommenden Dienstag freizugeben. Ob die Bitte erhört wird, ist unklar. Der zuständige Regierungsrat war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Teure Chäserruggbahnen sind schlecht ausgelastet

An der Medienkonferenz äusserten sich die Wildhauser auch zum Tarifverbund und der umstrittenen Aufteilung der Einnahmen zwischen Wildhaus und Chäserrugg. Das Problem sei, dass die Anlagen der Toggenburg-Bergbahnen zwar einen mehr als doppelt so hohen Wert hätten wie jene in Wildhaus. Die Frequenzen seien aber in Wildhaus höher. Daraus lässt sich laut Gantenbein ein Pool-Anteil von 52 Prozent für die TBB und 48 Prozent für die BBW errechnen. Die TBB wollten aber mehr.

Für Eppenberger ist dieser Verteilmechanismus nicht tragbar. «Der derzeitige Verteilschlüssel führt zu einer Quersubventionierung zugusten von Wildhaus. Das wollen und können wir nicht weiter mittragen», sagt Eppenberger. Das sei auch der Grund, weshalb man dem Tarifverbund nicht weiterführen wolle. Der Vorwurf Rhyners, dass die TBB den Verbund ablehnen, um das Projekt «Wildhaus 2.0» zu verzögern, lässt Eppenberger nicht gelten. Sie weist zudem darauf hin, dass die TBB ihre Ausbauprojekte der letzten Jahre ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand finanziert habe.

(jeb/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ursa52 am 08.12.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bergbahnen Toggenburg und Wildhaus

    Beide Seiten benehmen sich schlimmer als Kleinkinder. Kinder streiten Mal, aber sie vertragen sich auch wieder. Ich wäre dafür, die ganzen Führungsspitzen beider Bahnen auszuwechseln, dann wäre vielleicht auch wieder eine normale Diskussion möglich. Was im Moment passiert ist eine schlechte Posse, die auf dem Buckel der Bevölkerung und der Aktionäre ausgetragen wird.

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  • Maler50 am 08.12.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten?!

    Das die öffentliche Gelder gesperrt sind bis sich die Bahnen im Tarifvertrag geeinigt haben ist ganz klar richtig!

  • Toggenberger am 08.12.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so...

    Eine neuen Lift zu bauen, bei welchem die Bergstation unter 1'500Meter liegt, macht für mich keinen Sinn und sollte nun wirklich nicht mit öffentlichen Geldern unterstützt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MitchMa am 09.12.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenschluss

    Schliesst doch einfach alles zusammen und ihr könntet somit auch Einsparungen machen. Es braucht doch nicht die Doppelte Verwaltung für so ein Skigebiet.

  • MaBr am 09.12.2017 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Was kostet eine Tageskarte?

    CHF 62.-- ist viel zu teuer für dieses Skigebiet mit den angegebenen Pistenkm. Fahre nicht beiden Seiten, also Preise bitte für Einseitenfahrer entsptechend reduzieren!

  • Dorfkind am 09.12.2017 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    pro Aktie

    Die Toggenburg Bergbahnen wollen Aktien der 25 Franken bietet die Toggenburg Bergbahnen pro Aktie der Bergbahnen Wildhaus Bergbahnen Wildhaus erwerben zu einem Spottpreis. Bezahlt haben die Leute aber 200 Franken. « Ich würde meine Aktien nie hergeben; vor allem so lange sie am Ruder ist. »

  • Dorfkind am 09.12.2017 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    6er-Sessellift

    6er-Sessellift wird den Wildhauser viel Geld bringen, die etwas anderes behaupten die denken nicht weiter. 6er-Sessellift kann jeder benützen bei jeder Jahreszeit.

  • Clüdi am 09.12.2017 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauft euch zusammen

    Diese Streitigkeiten halten mich ab um hier Spass am Skifahren zu haben. Schlechte Werbung für euch. Rauft euch zusammen!

    • 20min Leser am 09.12.2017 20:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Clüdi

      Spass kann man auch haben mit dem Streit. Was soll besser sein wenn die sich zusammen tun?

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