«Unschlagbar attraktiv»

12. Februar 2013 12:31; Akt: 12.02.2013 15:47 Print

Wer kauft dieses Schild?

Das Kontrollschild SG 1 kommt unter den Hammer. Der Kanton St. Gallen versteigert einstellige Autonummern - und will damit den Finanzhaushalt aufbessern.

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Satte 135'000 Franken hat das Kontrollschild «SG 1», das Regierungsrat Fredy Fässler hier den Medien präsentiert, dem Kanton St. Gallen in die Kassen gespült. Für diesen Betrag ersteigerte es ein Unbekannter mit dem Synonym «rh1915» am Mittwoch, 20. Februar 2013. Damit egalisierte das Schild einen Rekord, den «TI 10» am 30. November 2011 aufgestellt hatte. Francesco Magistra hatte die Autonummer bei einer öffentlichen Auktion des Tessiner Strassenverkehrsamts in einer Lastwagenhalle in Camarino. Die Nummer LU1 gehört dem Verkehrshaus der Schweiz. Direktor Daniel Suter erhielt sie im März 2003 von der Luzerner Regierung offiziell ausgeliehen und montierte sie umgehend an den Delage D.M.,1926. Eigentlich war die Nummer 1 dem Verkehrshaus schon 1983 geschenkt worden. Weil die Schenkung aber nirgends aktenkundig war und Kontrollschilder rechtlich immer Kantonseigentum bleiben, kam es zur «offiziellen Ausleihe». In Appenzell-Ausserrhoden wechselt diese Nummer 1 wohl öfters das Fahrzeug, aber nicht den Eigentümer, eine Garage. Auch die Baselbieter Nummer 1 gehört einem Garagisten. Ja drno! Beim Besitzer dieser 1 möchte man nicht immer freiwillig einsteigen. Da eignet sich diese Berner Nummer 1 schon besser, zum Beispiel für eine Stadtrundfahrt. Richtig exklusiv wird es in Nidwalden... ... Hier werden nur Regierungsräte und Gäste der Regierung unter der Nummer 1 umherchauffiert. Im Vergleich dazu ziert die Nummer 1 in der Waadt ein bescheideneres Vehikel. «Klein aber oho» scheint auch im Kanton Uri das Motto zu sein.

Wer die Nummer 1 in verschiedenen Kantonen fährt, zeigt unsere Bildstrecke.

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Mit der Internet-Auktion von Kontrollschildern angefangen hat der Kanton St. Gallen im Jahr 2009. Schon damals erhielten der Kanton und das Strassenverkehrsamt den Auftrag vom Kantonsrat – nicht als Massnahme eines Sparpakets, sondern weil die Nachbarkantone damit bereits Geld verdienten. St. Gallen sollte nicht hinten anstehen.

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In den Jahren 2009 bis 2012 wurde mit der Versteigerung von Kontrollschildern jeweils zwischen 806'000 und 990'000 Franken eingenommen, wie Regierungsrats Fredy Fässler, Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements, am Dienstag vor den Medien sagte.

Eine Million in die Staatskasse

Mit dem Sparpaket II erhielt der Regierungsrat vom Parlament den Auftrag, die Kontrollschilder der kommunalen Fahrzeuge seien einzuziehen und im Jahr 2013 zu versteigern. Dieser Ertrag fliesst nicht wie üblich bei der Kontrollschilder-Gant in den Strassenfonds, sondern wird dem allgemeinen Staatshaushalt des Kantons St. Gallen zugeschrieben.

Das Recht zur Nutzung der Kontrollschilder 1 bis 20 hatte bis vor kurzem die Berufsfeuerwehr der Stadt St. Gallen. Sie musste die Nummern abgeben, erhielt zum Trost Schilder, die mit der Zahl 118 beginnen. «Damit war die Berufsfeuerwehr zufrieden», sagte Fässler.

49'950 Franken für zwei Schilder

Das höchste Gebot für das Nutzungsrecht eines Nummernschilds machte im Kanton St. Gallen ein Autofahrer im Jahr 2009. Er zahlte 49'950 Franken, damit er zwei Blechstücke an sein Auto montieren konnte.

Morgen Abend um 19.30 Uhr wird SG 1 online gestellt. Die Auktion dauert eine Woche. Es sei denn, in den letzten Minuten bieten sich zwei, drei Tiefnummern-Liebhaber einen Steigerungslauf. «Dann wird die Gant zeitlich limitiert verlängert», erklärte Georges Burger, Leiter des st. gallischen Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts.

Mit der Versteigerung der Trouvaillen 1 bis 20 und den anderen 71 zwei- bis vierstelligen Nummern, die bisher von Gemeinden gehalten wurden, möchte der Kanton rund 350'000 Franken einnehmen; im laufenden Jahr insgesamt rund eine Million Franken mit der Nummernschilder-Auktion, wie Fredy Fässler vor den Medien erklärte.

Keine Bezahlung auf Raten

SG 1 wird im Communiqué des Kantons St. Gallen als «unschlagbar attraktiv» bezeichnet. Wer den Zuschlag erhält, muss den gebotenen Preis auf einmal bezahlen, eine Bezahlung auf Raten geht nicht.

Darum wird das Kontrollschild wohl eher einen Maserati denn einen Volkswagen schmücken. «Die Auktion ist eine nicht sehr sozialistische Form der Kontrollschilder-Verteilung», räumte Fässler ein. Am Rande der Pressekonferenz sagte der Sozialdemokrat, er selbst werde bei der Nummernschilder-Auktion nicht mitbieten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 12.02.2013 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    entweder ein stargate-fan oder...

    eine art penisvergrösserung...

    einklappen einklappen
  • N. s. am 12.02.2013 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pro komplizierte Nummer

    Soll jeder der will dafür zahlen. Ich sage mir: Je komplizierter die Nummer, desto schwieriger wird es die sich zu merken, wenn man mal einen Bock geschossen hat.

  • Bergsonne am 12.02.2013 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die 77

    Die 1 will ich nicht, aber die 77 zurück, die lange Jahre zu unserer Familie gehörte und dann vom Kanton St.Gallen eingezogen wurde! Nun wird man die 77 wohl für teures Geld irgendwann ersteigern können.....ersteigern, was einem mal gehörte, wie sinnlos ist das denn...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Egalo am 12.02.2013 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles nummernschild

    Das beste hab ich in deutschland gesehen: "V8" an einem ami-oldtimer *sabber*

  • Damon am 12.02.2013 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Idee

    Ganz schlechte Idee vom Kanton. Wenn Sie schon viel Geld machen wollen, mit diesen Nummern, sollten alle die Möglichkeit haben diese zubekommen. Wie wärs denn mit einer Lotterie gewesen? 1 Los für 5 Franken?

  • Nerd am 12.02.2013 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    SG-1

    Wie geil ist denn das? Für die Nummer würde ich sogar nach St. Gallen ziehen.

  • Beat am 12.02.2013 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    entweder ein stargate-fan oder...

    eine art penisvergrösserung...

    • Patrick am 12.02.2013 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      tja

      also für alle die Audi BMW und so fahren...

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  • Otto Enzler am 12.02.2013 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    SG - Sehr Geil

    Einfach bloss grotesk, für ein gestanztes Stück Blech, das einem nicht mal wirklich gehört, solche Beträge auszugeben. Aber wer hat, der hat. Vielleicht sollte sich jemand, der bereit ist, X-Tausend Franken für ein Kontrollschild zu bezahlen, mal überlegen, ober er mit dem Betrag nicht irgendwelche benachteiligten Individuen etwas glücklicher machen könnte als nur gerade sich selber. Aber das sieht halt niemand, ganz im Gegensatz zum Schild, das dann stolz spazieren gefahren werden kann. Einfach nur widerlich und erbärmlich, vermutlich reich an Geld und arm an Geist.