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12. September 2017 16:10; Akt: 12.09.2017 16:41 Print

Wollte Schweizer Hells Angel Türsteher töten?

Ein Mitglied der Hells Angels aus der Schweiz muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Er soll den Türsteher eines Clubs attackiert haben.

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Fest steht, dass der 47-jährige Türsteher im März 2016 von mehreren Männern brutal angegriffen wurde. Ihm wurden unter anderem mehrere Gesichtsknochen gebrochen. Deswegen standen vergangene Woche fünf Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung vor Gericht – und wurden freigesprochen. Dies, weil die Richter nicht feststellen konnten, wer das Opfer geschlagen und getreten hatte. Drei der Männer kommen aus der Schweiz.

Im Zuge der Auseinandersetzung soll der Angeklagte – ebenfalls ein Hells Angel, der in der Schweiz lebt – dem Türsteher mit einem Klappmesser mit acht Zentimeter langer Klinge vier wuchtige Stiche in den Oberkörper versetzt haben. Obwohl einer der Stiche zehn Zentimeter tief ging, wurden keine Organe verletzt. Für den Mann bestand keine Lebensgefahr.

Nur zwei DNA-Spuren

Seinen eigenen Angaben zufolge will der 31-jährige Kosovare damit nichts zu tun haben. Als er bemerkt habe, dass eine Schlägerei im Gang sei, habe er seinen Freunden zu Hilfe eilen wollen. Da sei der Türsteher aber schon blutend auf dem Boden gelegen.

Damit seine Freunde nicht in Schwierigkeiten geraten, habe er das neben dem Verletzten liegende Messer aufgehoben und wenig später auf dem Parkplatz der Diskothek weggeworfen. Dass sich auf dem Messer lediglich DNA-Spuren von ihm und dem Türsteher befanden, sahen der Angeklagte und sein Verteidiger nicht als Widerspruch: Der Täter müsse offenbar Handschuhe getragen haben, so ihre Argumentation.

«Mann mit dem Messer»

In ihrem Eingangsplädoyer verwies die Staatsanwältin darauf, dass etliche Zeugen den Angeklagten als «Mann mit dem Messer» wiedererkannt hätten, einer habe sogar gesehen, wie er zugestochen habe. Einige Zeugen hätten wahrgenommen, wie der Angeklagte gezielt nach dem Opfer gesucht habe.

Der Verteidiger hielt dem entgegen, dass «es sich um eine Verwechslung handeln muss. Die Typen sind alle sehr kräftig und sehen einander auch ähnlich». Zudem erinnerte er die Geschworenen daran, dass sie seinen Mandanten nur verurteilen könnten, wenn sie sich hundertprozentig sicher seien, dass er zugestochen habe.

Der Prozess ist auf drei Tage anberaumt. Geladen sind 15 Zeugen sowie drei gerichtsmedizinische Sachverständige. Im Falle eines Schuldspruchs sieht der Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von mindestens zehn Jahren vor.

(sda)