Kreisgericht St. Gallen

08. November 2016 17:02; Akt: 08.11.2016 17:02 Print

Zigarette auf Stirn der Ex-Freundin ausgedrückt

Ein Serbe ist vom Kreisgericht St. Gallen unter anderem wegen Nötigung, Erpressung und Kokainhandels zu einer Freiheitsstrafe von 8,5 Jahren verurteilt worden.

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Das Kreisgericht in St. Gallen. (Bild: 20 Minuten)

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An der Gerichtsverhandlung hatte er die meisten Vorwürfe bestritten. Diese fielen happig aus: Der Beschuldigte stiftete laut Anklageschrift einen Mann dazu an, nach Amsterdam zu fahren und zwei Kilo Kokain in die Schweiz zu bringen. Auch soll er mehrmals selber nach Holland gereist sein, dort mindestens 1,5 Kilo Kokain erworben und 1,35 Kilo in der Schweiz verkauft haben.

Seine Ex-Freundin beschuldigte ihn, er habe sie und ihren Bruder mit einer Waffe und einem Teppichmesser bedroht. Damit habe er von ihr 100'000 Franken erpressen wollen.

Todesdrohungen gegen Enkelin

Der Beschuldigte sei nicht davor zurückgeschreckt, Todesdrohungen gegen die Enkelin, eine schwangere Verwandte und andere Familienmitglieder auszustossen, erklärte der Staatsanwalt.

Ausserdem habe er der Ex-Freundin die Pistole an den Kopf geschlagen, sie mit dem Messer an der Stirn verletzt und ihr eine Zigarette auf der Stirne ausgedrückt. Danach sei die Frau bereit gewesen, ihre Wohnung in Serbien zu überschreiben und ihm weitere 30'000 Franken in Bar zu übergeben.

Vorwürfe bestritten

Der Angeklagte bestritt an der Gerichtsverhandlung den Grossteil der Vorwürfe. Er gab zu, nach Amsterdam gereist zu sein, um für den Eigenkonsum Drogen zu kaufen. Auch habe er zweimal 300 Gramm Kokain an Bekannte verkauft. Der Rest entspreche aber nicht der Wahrheit.

Die Vorwürfe seiner Ex-Freundin wies er vehement zurück. Sie sei von vier Männern überfallen worden, denen sie Geld geschuldet habe. Die Frau sei kokain- und spielsüchtig gewesen. Mit den falschen Anschuldigungen habe sie sich gerächt, da er sie habe verlassen wollen.

Seine Verteidigerin hatte eine ganze Palette an Beweisanträgen gestellt und Verfahrensmängel geltend gemacht. Es sei nicht verwunderlich, dass die Aussagen ihres Mandanten nicht immer stimmig seien. Der Beschuldigte sei lange Zeit im Unklaren gelassen worden, wie schwerwiegend die Vorwürfe gegen ihn wirklich seien.

8,5 Jahre Freiheitsstrafe

Der 39-jährige Mann stand am 27. Oktober vor dem Kreisgericht St. Gallen. Am Dienstag wurde das Urteil veröffentlicht. Das Gericht sprach ihn unter anderem wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Erpressung sowie Nötigung schuldig.

Zur Freiheitsstrafe von 8,5 Jahren kommt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken sowie eine Busse von 300 Franken. Dem Staat muss er eine Ersatzforderung von 40'000 Franken zahlen, dem Opfer eine Genugtuung von 12'000 Franken. Die Kosten des Verfahrens, die zu seinen Lasten gehen, betragen rund 130'000 Franken.

Freisprüche gefordert

Die Anklage hatte eine Freiheitsstrafe von elf Jahren, dazu Geldstrafe, Busse und eine Ersatzforderung von 100'000 Franken beantragt. Die Verteidigung forderte mehrere Freisprüche sowie eine Freiheitsstrafe von höchstens 33 Monaten.
Das nun veröffentlichte Urteil des Kreisgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

(20 Minuten/sda)