Streit eskaliert

15. November 2012 19:04; Akt: 15.11.2012 19:05 Print

Zwei Jahre Haft für Messer-Attacke

Ein Streit zwischen einer 18-jährigen Frau und ihrer 38-jährigen Kontrahentin endete blutig. Das Bezirksgericht Arbon verurteilte die Täterin zu zwei Jahren Gefängnis.

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Weil sie vor vier Jahren einer Frau bei einem Streit in Kesswil TG ein Messer in den Rücken gerammt hatte, wird eine junge Türkin mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren bestraft. Das Bezirksgericht Arbon sprach sie am Donnerstag der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung schuldig.

Die Mutter der Angeklagten und das spätere Opfer waren seit zehn Jahren befreundet. Einen Monat vor der Tat begann ein Streit zwischen den zwei türkischen Familien. Die Mütter beschimpften ihre Töchter gegenseitig als Huren. Nach einer missglückten Aussprache der beiden Frauen erlitt die behinderte Mutter der Angeklagten einen Schwächeanfall.

Die damals 18-jährige Angeklagte, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, wollte darauf die Freundin der Mutter zur Rede stellen. Sie liess sich am Nachmittag des 2. November 2008 von einem Kollegen nach Kesswil zur Wohnung der 37-jährigen Frau fahren. Weil sie Angst gehabt habe vor der älteren und viel grösseren Frau, habe sie von zu Hause ein Fleischmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge mitgenommen, sagte die junge Frau am Donnerstag vor Gericht.

«Nur drohen, nicht töten»

«Ich wollte ihr damit nur drohen», sagte die Angeklagte unter Tränen. Die Freundin der Mutter habe sie in die Wohnung gelassen, ihr aber nicht zuhören und sie aus der Wohnung weisen wollen. Sie sei rasend geworden vor Wut. Als die Ältere ihr den Rücken zuwandte, habe sie das Messer aus der Hose genommen und der Frau in den Rücken gestossen.

«Ich wollte der Frau nur weh tun, ich wollte sie nicht töten», sagte die Angeklagte. Als sie das Blut gesehen habe, sei ihr schwarz geworden. Sie könne heute noch kaum glauben, dass sie wirklich zugestochen habe, sagte die Angeklagte. Ihr Kollege, der draussen gewartet hatte, habe sie geohrfeigt und nach Hause gefahren. Kurz darauf stellte sich die junge Frau der Polizei.

Tod in Kauf genommen

Laut dem Gerichtsurteil nahm die Angeklagte den Tod der Älteren in Kauf, als sie ihr das Messer in den Oberkörper stiess. Nur durch unglaubliches Glück sei die Klinge des riesigen Messers im Muskelgewebe des Opfers stecken geblieben und habe keine lebensgefährlichen Verletzungen oder bleibenden Schäden verursacht, sagte der vorsitzende Richter bei der Urteilseröffnung.

Die bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren sei sehr mild. Das Gericht habe die besondere Situation der Angeklagten berücksichtigt. Sie sei zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt gewesen und habe in der Ausnahmesituation völlig falsch reagiert. «Die Ältere wollte ihr nicht zuhören und als sie sich umdrehte, stiess ihr die Angeklagte das Messer in den Rücken», sagte der Richter.

Da sich die junge Frau vor und nach der Tat tadellos verhalten habe, verdiene sie eine zweite Chance. Damit die Strafe bedingt ausgesprochen werden könne, sei das Gericht unter dem üblichen Strafrahmen geblieben, sagte der Richter. Die heute 22-Jährige habe ihre Lehre als Detailhandelsangestellte abgeschlossen und bewähre sich nun im Berufsleben. Positiv wertete das Gericht ausserdem, dass die Angeklagte sich mit dem Opfer auf die Zahlung von Genugtuung und Schadenersatz geeinigt hat.

Grösster Fehler des Lebens

Der Staatsanwalt hatte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine dreijährige Freiheitsstrafe gefordert. Davon sollten eineinhalb Jahre vollzogen werden. Eventuell sei die Angeklagte wegen versuchter schwerer Körperverletzung mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu bestrafen.

Nach Ansicht des Verteidigers gibt es keine Beweise dafür, dass die sehr junge Täterin ihre Widersacherin töten wollte. Er hatte wegen Körperverletzung eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 60 Franken verlangt. Die junge Frau habe den grössten Fehler ihres Lebens gemacht. Sie bereue die Tat zutiefst.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helmut Kiesalter am 16.11.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wollte nur weh tun.

    Einem Menschen ein Messer in den Rücken stossen mit dem Argument, ich will ihr nur weh tun, grenzt an unglaubliche Naivität und das schlimmste an allem, dies wird vom Gericht noch geglaubt.

  • anonymous am 15.11.2012 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hallo?

    hallo mr. staatsanwalt nur 14 monat sitzen für ein messer im rücken? wasn loos hiaa??!!

    einklappen einklappen
  • Marc C. am 15.11.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte was?

    Da wird jemand absichtlich resp. vorsätzlich verletzt und dafür gibts bisschen was. Und bei Rasern redet man von 5 Jahren? Ist doch ein Verhältnisblödsinn, dass Vorsatz weniger bestraft wird als Eventualvorsatz. Da müssen die Strafen angepasst werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walker Johnny am 16.11.2012 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch

    Solange sie sich gegenseitig abstechen haben wir Ruhe.

  • iphone ahoj am 16.11.2012 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    kennt ihr sie?

    an alle nörgler hier... man bedenke: die lage des damalig jungen mädchen, wie sie sich in den 3 jahren entwickelt hat weiss niemand von euch, familien situation (niemand handelt so bei einem kleinen streit wenn nicht was anderes noch die familie belastet), sie hat sich selber gestellt, sie hat sich mit dem opfer geeinigt (genugtuung und Schadensersatz), sie sich in den drei jahren besser angepasst als alle andere

    • a.p am 16.11.2012 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      diese kommentatoren kennen sie nicht und die richtige geschichte auch nicht..es ist einfach zu urteilen wenn man keine ahnung hat!

    einklappen einklappen
  • Helmut Kiesalter am 16.11.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wollte nur weh tun.

    Einem Menschen ein Messer in den Rücken stossen mit dem Argument, ich will ihr nur weh tun, grenzt an unglaubliche Naivität und das schlimmste an allem, dies wird vom Gericht noch geglaubt.

  • Reto Ganter am 16.11.2012 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Wie bitte sollen gewisse leute mit solch einer praxis begreifen das man zum diskutieren kein werkzeug ausser ein bisschen verstand und den eigenen mund mitbringen muss. Wenn ich als handwerker werkzeug mitnehme ist es vermutlich auch zum brauchen da. Also was soll bitte dieses urteil?

  • Ben bern am 16.11.2012 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die lieben Netten

    Und da wundert man sich, dass die Schweiz immer mehr nach rechts driftet. Zur Erinnerung: wenn Einer nächstes Jahr mit 200kmh auf leerer Autobahn geblitzt wird gibts die doppelte Strafe!! Wer ein Messer einsetzt soll mindestens 3Jahre unbedingt sitzen.

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