Amoklauf im Wallis

03. Januar 2013 16:59; Akt: 04.01.2013 10:21 Print

«Er hat sich selbst ausgegrenzt»

von J. Espi - In Daillon tötete der 33-jährige F. drei Frauen und verletzte zwei Männer schwer. Während der Schütze im Spital liegt, kommen immer mehr Details über seine Tat und ihn selber ans Tageslicht.

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F.* ist am Mittwochabend durchgedreht und richtete mit einem Karabiner und einer Schrotflinte auf offener Strasse ein Blutbad an. Eine 32-Jährige, eine 54-Jährige und eine 79-Jährige hat der Schütze von Daillon dabei erschossen. Zudem wurde beim Amoklauf ein 63-Jähriger an der Schulter verletzt sowie der 33-jährige Partner der 32-Jährigen am Becken. Der Mann ist inzwischen aus dem Koma erwacht, liegt aber immer noch auf der Intensivstation. Die Frau hinterlässt zwei kleine Kinder. Dies ist die schreckliche Bilanz, die das Dörfchen in einen Schockzustand versetzt hat.

Nathalie Frizzi war an diesem Abend mit einem Freund und ihrem Hund unterwegs als sie es knallen hörte. «Ich dachte, das seien Feuerwerkskörper, Kinder, die damit spielen.» Weil der Lärm nicht aufhörte, gingen sie bei der Dorf-Kapelle nachschauen und erlebten das Drama aus nächster Nähe. «Sechs maskierte Polizisten mit Gewehren schrien», dann hätten sie eingegriffen. Eine ältere Frau, die in Daillon wohnt, hörte die Schüsse ebenfalls. «Jemand rief ‚‹Hilfe, ich blute›», sie habe gedacht, es seien spielende Kinder – wie letztes Jahr.

Was war das Motiv?

Wie es zur Tat kam und was das Motiv von F. war, ist immer noch unklar. Der Schütze, der mit zwei Waffen rund 20 Schüsse abfeuerte, liegt auf der Intensivstation und konnte noch nicht vernommen werden. «Le Matin» schreibt, dass das Drama laut mehreren Dorfbewohnern die Folge eines Streits zwischen F. und dem 63-Jährigen, der an der Schulter getroffen wurde, gewesen sein könnte. Die beiden seien schon länger verfeindet gewesen. Beim 63-Jährigen handelt es sich offenbar um den Onkel von F. Dieser habe versucht, F. zur Vernunft zu bringen.

Gemäss «Le Matin» trennten sich die Eltern von F. im Alter von 18 Jahren und liessen den jungen Erwachsenen im Familienhaus in Daillon zurück, wo er auch aufgewachsen war. Er wollte laut «Blick» nach der Rekrutenschule die Ausbildung zum Instruktor machen, wurde aber ausgemustert. Danach sei er mehrere Jahre arbeitslos gewesen, stand unter Vormundschaft und zog sich mehr und mehr zurück. Laut Nachbarn habe er die Tage mit Trinken und Kiffen verbracht. 2005 wurde er in die Psychiatrie eingeliefert. Die Begründung: Er sei zu impulsiv. «Er hat sich selbst ausgegrenzt», sagt ein Bewohner von Daillon zu «Le Matin».

Gemäss einer weiteren Quelle, deren Familie in Daillon wohnt, hat jeder im Dorf gewusst, dass F. psychische Probleme hat. Des Weiteren sei bekannt gewesen, dass der 33-Jährige Waffen im Haus lagere. Ein Dorfbewohner sei zudem vor fünf Jahren von F. angegriffen worden. «Als wir am Donnerstagmorgen in der Presse die Nachricht über die Schiesserei lasen, wussten wir sofort, um wen es sich beim Schützen handelt», so die Quelle.

*Name der Redaktion bekannt

Bewohner von Daillon erzählen, was sie in jener Nacht erlebt haben:

Weitere Filmaufnahmen aus Daillon:

Mitarbeit: Frédéric Nejad, feb, dwi

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lorenz Stäuble am 03.01.2013 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Paradebeispiel

    Ein Paradebeispiel von einem Fall, in dem selbst strenge Waffengesetze nichts bringen. Laut Gesetz durfte dieser Typ keine Waffen besitzen, er hat sie sich trotzdem ilegal beschafft. Das kann man immer und überall, selbst in Ländern mit absolutem Waffenverbot. Die Antiwaffennarren sind aber beratungsresistent und ignorieren diese Tatsache. Mein Beileid an die Angehörigen der Opfer.

  • G. Bleuler am 03.01.2013 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unüberlegt

    Wozu hier eine Karte veröffentlicht werden muss, ist mir schleierhaft. Sollen so möglichst viele Gaffer in dieses Dorf finden. Ganz schlechter Journalismus. Schon eher Voyeurismusförderung.

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  • Angel Heart am 03.01.2013 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegschauen

    Alle haben gewusst, dass er spinnt und Waffen hat - aber alle haben weggeschaut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter meier am 04.01.2013 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Scharfes Waffengesetz

    Jetzt ist es aber an der Zeit, ein absolut scharfes Waffengesetz zu verabschieden. Nicht nur die Tragödie in den USA zeigen es, NEIN auch hierzulande haben wir immer wieder solche Fälle. Die Sturmgewehre der Armeeangehörigen gehören einfach nicht nach Hause. Da heisst es immer von der Armeeführung aus, wir müssen allzeit "bereit" sein. So ein Schwachsinn! Und wer eine Waffe braucht, soll das aber bitte mit sehr guten Argumenten vertreten. Aber auch die Polizei muss mehr auf Notrufe reagieren und diese Ernst nehmen, nicht einfach denken, ja soo schlimm wirds ja wohl nicht sein!

  • Stefan Eggimann am 04.01.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Waffendichte ist zu hoch

    Bei dieser hohen Waffendichte ist es auch relativ einfach an eine Waffe zu kommen, auch wenn man keine haben darf. Einen Karabiner finde ich auch im Dachstock meines Grossvaters. Es ist unnötig dass sich so viele Waffen im Umlauf befinden. Schusswaffendelikte haben bei uns seit der Reduzierung der Waffendichte mittels strengerer Gesetzgebung jeweils abgenommen. Hoffe die Politik wiedersetzt sich zukünftig der Waffenlobby.

  • Lorenz Stäuble am 03.01.2013 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Paradebeispiel

    Ein Paradebeispiel von einem Fall, in dem selbst strenge Waffengesetze nichts bringen. Laut Gesetz durfte dieser Typ keine Waffen besitzen, er hat sie sich trotzdem ilegal beschafft. Das kann man immer und überall, selbst in Ländern mit absolutem Waffenverbot. Die Antiwaffennarren sind aber beratungsresistent und ignorieren diese Tatsache. Mein Beileid an die Angehörigen der Opfer.

  • Angel Heart am 03.01.2013 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegschauen

    Alle haben gewusst, dass er spinnt und Waffen hat - aber alle haben weggeschaut.

  • Housi Knecht am 03.01.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Waffen sind das Problem

    Nicht die Waffen sind das Problem sondern die unter dem Einfluss von Psychopharmaka handelnden Personen was in allen Untersuchungen zu diesen Amokläufen nachgelesen werden kann. Es steht sogar auf den Packungsbeilagen, dass diese depressiv ( Selbstmord ist dann die Folge) aggressiv oder gewalttätig machen können , jedenfalls in den USA ist es so. Aber unsere Psychiater verschreiben da munter drauf los und ignorieren diese Umstände einfach.