Gutachten

06. Februar 2014 09:28; Akt: 07.02.2014 16:46 Print

Maries Killer Claude D. ist ein Psychopath

Der mutmassliche Mörder von Marie ist laut einem psychiatrischen Gutachten stark rückfallgefährdet. Zudem wird er als für Therapien unzugänglicher Psychopath beschrieben.

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Der Mann, der im Mai 2013 die junge Marie getötet haben soll, gilt laut einem ersten psychiatrischen Gutachten als unheilbarer Psychopath.

Ein unabhängiger Experte beurteilt ihn als untherapierbar auf Lebenszeit und sieht eine hohe Rückfallgefahr. Es stellt sich die Frage einer lebenslangen Verwahrung.

Erstellt wurde das Gutachten von einem ausserkantonalen Experten, dem Neuenburger Psychiater und Psychotherapeuten Philippe Vuille, wie die Waadtländer Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Vuille kommt zum Schluss, dass der mutmassliche Mörder der 19-jährigen Marie ein Mensch mit mehrfach gestörter Persönlichkeit mit sexuellen Vorlieben ist.

Es handle sich um einen unheilbaren und unrettbaren Psychopathen mit einem hohen Rückfallrisiko. Sein Charakter wird als unabänderlich beurteilt. Daraus folgt laut dem Gutachten die Tatsache, dass er auf Lebenszeit unzugänglich für eine Therapie sein wird.

Zweites Gutachten angekündigt

Strafrechtlich attestiert der Experte dem Mann eine volle Zurechnungsfähigkeit. Dies bedeutet, dass er das Urteilsvermögen besass, den gesetzwidrigen Charakter seiner Handlungen zu ermessen.

Aufgrund all dieser Schlussfolgerungen ist es sehr wahrscheinlich, dass die Waadtländer Justiz für den heute 37-jährigen Täter eine lebenslange Verwahrung beantragen wird.

Der Waadtländer Staatsanwalt Eric Cottier kündigte am Donnerstag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda an, dass er ein zweites psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben werde. Dafür müsste allerdings ein zweites, unabhängiges Gutachten erstellt werden und zu einem ähnlichen Schluss kommen.

In einem ähnlichen Fall, dem Tötungsdelikt am Freiburger Au-pair-Mädchen Lucie, hatte das Bundesgericht im Dezember die von der Aargauer Justiz ausgesprochene lebenslange Verwahrung für den Täter aufgehoben. Die Psychiater waren laut Bundesgericht nicht in der Lage, zu beweisen, dass der Mann, der zum Zeitpunkt des Tötungsdelikts im Jahr 2009 29-jährig war, bis ans Ende seiner Tage nicht geheilt werden kann.

Ex-Freundin vergewaltigt und getötet

Der mutmassliche Mörder von Marie hatte bereits 1998 als 22-jähriger Mann seine damalige Ex-Freundin entführt, vergewaltigt und getötet. Für dieses Verbrechen, das in einem Chalet in La Lécherette VD begangen wurde, wurde er 2000 zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt.

Nachdem er zwei Drittel der Haftstrafe verbüsst hatte, lehnte das Straf- und Massnahmenvollzugsgericht des Kantons Waadt eine bedingte Entlassung des Mannes zweimal ab. Im August 2012 entschied die Strafvollzugsbehörde dann aber, dass er vom Gefängnis in den Hausarrest wechseln dürfe. Er trug eine elektronische Fussfessel. Trotzdem gelang es ihm, aus dem Hausarrest auszubrechen.

Am 13. Mai 2013 entführte er bei einem Restaurant in Payerne VD die 19-jährige Marie, die er über das Internet kennengelernt hatte. Am nächsten Tag wurde der Verdächtige verhaftet. Er führte die Polizei selber zur Leiche der jungen Frau in einem Wald bei Châtonnaye FR . Gemäss Autopsiebericht wurde Marie mit einem Gürtel erdrosselt, aber nicht vergewaltigt.

Familie von Marie erleichtert

Der Anwalt der Familie der Getöteten, Jacques Barillon, sagte auf Anfrage der sda, die Eltern und die Schwester des Opfers seien erleichtert und zufrieden mit dem psychiatrischen Gutachten.

Demgegenüber hielt der Anwalt des Tatverdächtigen, Loïc Parein, fest, dass die Voraussage, sein Klient sei für alle Zeit untherapierbar, im Widerspruch zu allem stehe, was Experten zu diesem Thema bisher hätten sagen können.

(sda)