Festnetz abbestellt

29. April 2017 21:20; Akt: 29.04.2017 21:20 Print

Swisscom hält Kundin wegen Kündigung für tot

Eine 89-jährige Waadtländerin hat ihr Festnetz-Abo bei der Swisscom gekündigt. Die Reaktion des Telecomkonzerns schockierte die Seniorin.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Weil sie im Dezember mit ihren 89 Jahren ins Pflegeheim zog, hat die Waadtländerin Verena Neyroud aus La Tour-de-Peilz ihr Festnetz-Abo bei der Swisscom gekündigt. Kurz darauf kam Post vom Telecomunternehmen, adressiert an die «Erben», wie «Le Matin» schreibt. «Wir wurden über den Tod von Verena Neyroud informiert und möchten Ihnen unser Beileid ausdrücken», heisst es im Schreiben, das ins Pflegeheim umgeleitet worden war. Dabei war ausserdem die Schlussrechnung.

«Ich musste diesen Brief zwei- oder dreimal lesen, bevor ich mir sagte: ‹Wie kommt es, dass ich tot bin?›», sagt Neyroud zur Zeitung. «Es hat mich schockiert, ich fragte mich, wer ihnen so etwas gesagt haben könnte. Wenn ich Herz- oder psychische Probleme hätte, hätte mir das zusetzen können. Ich war jedenfalls froh, dass meine einzige Tochter mich gerade an diesem Tag besuchen kam.»

«Einfach, dem Computer die Schuld zu geben»

Diese war ob der Nachricht hin- und hergerissen. «Erst musste ich lachen, aber dann habe ich mich genervt, als ich sah, wie angeschlagen meine Mutter war. Ich erklärte ihr, dass ich den Betrag mit ihrem Geld bezahlen und die Swisscom anrufen werde, um eine Erklärung zu bekommen», erzählt die 62-Jährige.

Offenbar werden die Briefe automatisch erstellt. «Es ist einfach zu sagen, dass es der Fehler des Computers war. Es gibt sehr wohl jemanden, der ‹Erben von Verena Neyroud› in die Oberzeile geschrieben hat», findet jedoch die 89-jährige Neyroud.

Nicht das erste Mal

«Wir möchten uns entschuldigen, es handelt sich um einen menschlichen Fehler», sagt Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus zur Zeitung. «Einer unserer Mitarbeiter hat den falschen Kündigungsgrund angekreuzt, dann ging alles automatisch.» Es sei nicht das erste Mal, dass das vorkomme. «Aber das darf nicht passieren», so Neuhaus. Man wolle sich nun mit Neyroud in Verbindung setzen und die Sache klären.

(vro)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicky86 am 30.04.2017 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschlicher Fehler

    Ich verstehe nicht, dass man heutzutage wegen jedem Fehler gleich zu den Medien rennen muss. Solange Menschen den Computer/die Systeme bedienen, passieren auch Fehler, es geht jedoch keine Welt unter. Sie sagt ja selber, dass jemand die Zeilen "An die Erben" eingefügt haben muss. Briefe/Mails werden heutzutage über ein CRM-System ausgelöst und verschickt, da reicht ein falscher Klick und ein Fehler ist passiert. Ich hoffe die beiden Damen sind bis jetzt Fehlerfrei durch ihr Leben gegangen, wenn sie einen menschlichen Fehler bei den Medien gleich an den Pranger stellen.

    einklappen einklappen
  • Hooky am 30.04.2017 05:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umgekehrte Geschichte

    Bei uns lief es mit Cablecom gerade umgekehrt. Die Mutter verstarb und Cablecom verschickte trotz Kündigung, monatelang noch Rechnungen bis zur Betreibungsandrohung. "Wollen sie wirklich abgehängt werden?" stand da zu lesen. Sehr pietätslos...

  • Pralinchen am 30.04.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte

    Fehler passieren.. Was ist so schlimm daran? immer alles aufbauschen und dramatisieren..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • WilhelmTell41150 am 02.05.2017 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gut zu wiessen!

    Da lohnt es sich, bereits in jungen Jahren bei Swisscom zu kündigen und zu einem menschlicheren Anbieter zu wechseln! Bei mir hiess es, das Internet käme nicht bis zu mir, weil ich am Ende der Leitung sei!

  • Tobias M am 01.05.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Der tägliche Irrsinn

    Es gibt unzählige Beispiele für den grenzenlosen Irrsinn, mit dem man heute in der Schweiz Tag für Tag konfrontiert ist. Nicht nur die Swisscom Kriegt praktisch nichts mehr auf die Reihe. Auch die Mitarbeiter aller anderen Anbieter, von den Banken über die Versicherungen bis zur öffentlichen Verwaltung schwimmen nur noch. Die Schweiz ist eine Servicewüste geworden. Swiss Quality ist vorbei. Weil heute alle, die auf zwei zählen können studieren, sind die Leute in den nicht akademischen Jobs überfordert. Das geht bis weit hinauf in der Hierarchie.

    • Davis Delfari am 03.05.2017 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tobias M

      nana der kunde mag wohl könig sein ABER der firmen eigentümer bestimmt ob und wer er einstellen will dösel lasst mann lieber stehen und probezeit sollte reichen den wahren inteligenzgrad zu sehen. braucht nur mut solche zu "spicken" wenn sie der firmen anforderung nicht nachkommen können nur mut das lebenist euer und nicht amderen

    einklappen einklappen
  • Bibi am 01.05.2017 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Post Scrictum

    Nächstes mal kündigen mit... PS: wir leben noch wir kündigen nur!

  • Volker am 01.05.2017 01:07 Report Diesen Beitrag melden

    Heute zählt leider nur Money.

    Fehler passieren, klar. Nur: "Unser Beileid"... und im gleichen Atemzug "hier noch unsere Schlussrechnung"?:-) Obwohl: Vom Steueramt kommt zuerst die Schlussrechnung und erst nach dem Bezahlen kommt ein Beileidsschreiben.

  • Nayape am 01.05.2017 01:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler passieren

    Den selben Fehler wurde auch bei uns gemacht. Der Kunde retournierte den Brief und schrieb von Hand zurück: "Ich lebe noch!!"