Gefängnis überfüllt

14. Dezember 2012 16:16; Akt: 14.12.2012 17:19 Print

Drei Häftlinge in einem Einzelzimmer

Der desolateste Knast der Schweiz platzt aus allen Nähten. Zwar wurde das Genfer Champ-Dollon eben erst ausgebaut, dennoch sind alle Zimmer überbelegt. Denn in Genf greift die Polizei rigoros durch.

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Das Genfer Untersuchungsgefängnis Champ-Dollon ist berühmt-berüchtigt. In keinem anderen Schweizer Knast leben so viele Kriminelle auf so engem Raum. Letztes Jahr wurde darum ein neuer Flügel eröffnet mit 100 weiteren Plätzen. Doch bereits bei der Eröffnung standen in den Einzelzimmern Etagenbetten und viele Zimmer wurden sofort überbelegt.

Jetzt rollt eine riesige Welle an Neu-Häftlingen auf das Gefängnis zu. Denn Genf hat einen neuen FDP-Staatsrat. Und der hat der höchsten Kriminalitätsrate der Schweiz den Kampf angesagt. Pierre Maudet hat in den letzten Monaten die Genfer Polizei reformiert. Mit einem neuen Konzept und einem rigiden Einsatzplan bekämpft er das Verbrechen. Die Beamten gehen gezielt gegen Drogenhändler, Gewalt und Übergriffe vor. Resultat: 542 Personen wurden im Oktober festgenommen – das gab es noch nie in den letzten drei Jahren.

Rekord von 728 Insassen

Entsprechend voll ist Champ-Dollon mittlerweile. Im Oktober und November verzeichnete es 190 beziehungsweise 205 Neuzugänge. Das ist ein Drittel mehr als bisher. Fast täglich vermeldet das Gefängnis jetzt neue Rekordbelegungszahlen. Waren es vor einer Wochen noch 701 Insassen, sind es heute bereits 728. Dabei ist Champ-Dollon auf lediglich 376 Insassen ausgelegt.

Die «Tribune de Genève» hat eine Bilanz mit Ab- und Neuzugängen erstellt und kommt zum Schluss, dass täglich zwei Insassen mehr in Champ-Dollon wohnen. 93 Prozent davon sind Ausländer - auch diese Zahl ist einzigartig in der Schweiz.

Zu dritt auf 12 Quadratmetern

Die Schwemme an Verhafteten führt im Genfer Untersuchungsgefängnis bereits wieder zu prekären Zuständen: In manchen Einer-Zellen müssen drei Personen auf 12 Quadratmetern hausen – die Dritte auf einer Matratze am Boden. Dreier-Zellen mit einer Grösse von 25 Quadratmetern werden mit bis zu sechs Häftlingen belegt.

Gehen die Verhaftungen so weiter könnte innert einiger Monate die laut Direktion maximal mögliche Belegungsdichte von 969 Inhaftierten erreicht sein. Direktor Constantin Franziskakis sagt dazu gegenüber er Tribune de Genève: «Das Gefängnis wird jetzt und in Zukunft seine Aufgabe mit Entschlossenheit erfüllen. Aber die Zustände für die Angestellten und die Inhaftierten werden sich verschlechtern.». Eine Wahl hat er nicht. Als Untersuchungsgefängnis muss seine Institution jeden Häftling aufnehmen.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerhard B. am 14.12.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das Gefängnis soll eine

    Strafe sein und nicht eine Wohlfühloase mit Einzelzimmer, TV, Playstation, PC, Handy, Fitness, Auswahl an Menüs usw.! Und wenn es jemandem, z.B. den Menschenrechtlern, nicht in den Kram passt so muss man halt schauen dass die ausländischen Insassen die Strafe in ihrem Heimatland absitzen können. Hätte auch seine Vorteile denn dann sind die weg und wir haben Platz für die Schweizer Kriminellen!

  • Oli am 14.12.2012 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Endlich mal einer der unsere Schmusepolitik etwas aufwertet. Es braucht klare Richtlinien! Chapeau.

  • Mensch am 14.12.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Seriously?

    Oh, wie schlimm. Da müssen ein paar Verbrecher ein Zimmer teilen. In anderen Ländern sehen die Gefängnisse noch sehr viel schlimmer aus. Schaut mal in den USA: Knast soll kein Vergnügen sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • dh am 14.12.2012 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal ehrlich...

    ... gibt es bald gefängnisse in der abteilungen allgemein, halbprivat oder privat?!

  • Michael Palomino Ale am 14.12.2012 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbau in die Höhe?

    Ausbau in die Höhe - ist das nicht möglich? U-Häftlinge sind zudem noch nicht verurteilt und sollten noch nicht ein so strenges Regime bekommen, und viele kommen wieder frei, weil die Beamten oder Richter oder Dritte jemanden falsch beschuldigt haben. Wie wäre es mit einer Bibliothek?

  • C.J am 14.12.2012 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    93%#

    93 % Ausländer das gibt mir zu denken....

  • laurent t am 14.12.2012 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grenzen schliessen

    meine meinung damit nicht jeder drüber kann.

  • Michael Meienhofer am 14.12.2012 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst kriminell werden und

    dann noch die miserrablen Bedingungen kritisieren. Einsitzen im Gefängnis erfolgt meistens durch eigens verhalten - warum wohl sind diese Leute in Genf im Knast? dreimal raten - in Frankreich siehts noch schlimmer aus, keine feudalen Zellen etc