Waadtland

15. Januar 2017 20:12; Akt: 16.01.2017 06:59 Print

Babysitterin soll zwei Buben missbraucht haben

Im November wurde eine 36-Jährige verhaftet, weil sie sich an zwei fünfjährigen Buben vergriffen haben soll. Die Tagesmutter sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

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Zwei Buben sollen von ihrer Tagesmutter missbraucht worden sein. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Eine Südamerikanerin, die im Waadtland lebt und als Tagesmutter arbeitet, ist am 9. November bei sich zu Hause verhaftet worden. Sie wird verdächtigt, zwei fünfjährige Knaben missbraucht zu haben, schreibt «Le Matin Dimanche».

Vier Jahre blieb der Fall unentdeckt. Erst im Oktober 2016, als sich einer der mittlerweile 9-jährigen Jungen nach dem Sexualunterricht an eine Betreuerin wandte, kam er ins Rollen. Der Bub erzählte ihr, dass seine Babysitterin ihn gebeten habe, mit ihr Sex zu haben. Vor seiner Lehrerin wiederholte er die Aussage.

Beschuldigte lud Opferfamilie an Hochzeit ein

Ein Monat später wurde der Knabe einvernommen. Dabei gab er an, dass er als Fünfjähriger mehrmals von seiner Tagesmutter an intimen Stellen berührt worden sei. Sie seien beide nackt gewesen. Als er auf ihr gelegen habe, sei es zudem zu sexuellen Handlungen gekommen.

Einen Tag später wurde die Beschuldigte verhaftet. Sie war bisher nicht vorbestraft. Die Frau weist die Anschuldigungen von sich. Sie sei eine Freundin der Mutter des Buben. Zwei Jahre habe sie bei der Familie gelebt. Nur zwei Wochen vor der Verhaftung hat die 36-Jährige geheiratet – und hat die Familie des mutmasslichen Opfers zur Feier eingeladen.

Gutachten sollen helfen

Doch einige Tage nach ihrer Verhaftung kamen neue Anschuldigungen ans Licht. Beim Ehemann der Südamerikanerin meldete sich eine Frau, die ihre beiden Kinder (2 und 5) von der Tagesmutter betreuen liess. Als sie ihren älteren Sohn fragte, ob die Babysitterin mit ihm gekuschelt habe, bejahte er. Auch auf die Frage, ob sie ihn am Penis gekitzelt hat, antwortete er mit Ja. Von einer Anzeige will die Mutter des Buben jedoch absehen.

Die Beschuldigte wies die Vorwürfe wiederum zurück. Ihre Aussagen werden von zwei Frauen unterstützt, die ihr ihre Kinder ebenfalls anvertraut hatten. Diese seien nie von der Tagesmutter berührt worden, sagten sie aus. Ein psychologisches Gutachten der Frau soll nun etwas Licht ins Dunkel bringen.

Ihr Anwalt erklärt gegenüber «Le Matin Dimanche», dass beim Buben, der sich nach dem Sexualkundeunterricht gemeldet hatte, zudem ein Glaubwürdigkeits-Gutachten erstellt werde. Dieses sei nötig, weil es Unklarheiten gebe. So habe der Knabe angegeben, die Frau sei behaart gewesen. Mehrere Zeugen sagten jedoch aus, dass sie enthaart sei.

Nur acht von 399 Verurteilten waren Frauen

Pascale Forni, assistierende Psychologin im für familieninterne Misshandlungen zuständigen Beratungszentrum Les Boréales, hat dafür eine Erklärung: «Es gibt oft viele Unstimmigkeiten bei Aussagen von sexuell missbrauchten Kindern. Der Missbrauch versetzt sie in einen Schockzustand. Diese Widersprüche können sie weniger glaubwürdig erscheinen lassen, als sie es sind.» Dass er sich erst vier Jahre nach der Tat jemandem anvertraute, liege an der engen Beziehung zur Tagesmutter. Forni ergänzt jedoch: «Es kommt häufig vor, dass Kinder unsittliche Berührungen nach dem Sexualunterricht zur Sprache bringen. Es ist der Moment, in dem sie begreifen, dass sie sexuell missbraucht worden sind.»

Dass eine Frau ein Kind sexuell missbraucht, kommt sehr selten vor. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 399 Personen wegen sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt, lediglich 8 davon waren Frauen. Laut Pascal Roman, Professor am psychologischen Institut der Uni Lausanne, haben solche Frauen oft selbst in ihrer Kindheit eine Form von Missbrauch erlebt.

(vro)