Bruder des Mordopfers

06. September 2017 20:15; Akt: 06.09.2017 20:19 Print

«Ich wusste, dass Bashkim L. ausbrechen wird»

Der wegen Mordes verurteilte Bashkim L. ist in Freiburg aus dem Gefängnis getürmt. Der Bruder von L.s Opfer sagt, er habe die Polizei vor dem bevorstehenden Ausbruch gewarnt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Polizei bezeichnet ihn als gefährlich. Bashkim L., der 2013 an einer Schiesserei beteiligt gewesen sein soll, ist am Samstag aus dem Zentralgefängnis in Freiburg geflohen. Zusammen mit einem Komplizen soll der heute 35-jährige Kosovare 2013 in Frasses FR einen Familienvater mit 15 Schüssen getötet haben. Beide bestreiten die Tat bis heute.

Doch schon damals zeigten Recherchen, dass Bashkim L. und sein Komplize zu einem Clan gehören, der im Kosovo in eine Familienfehde verstrickt ist. Dieser soll bereits über 20 Todesopfer gefordert haben. Auch das damalige Opfer von Frasses soll in diesem Zusammenhang gestorben sein.

Polizei konfiszierte L.s Handy im Gefängnis

Und nun ist Bashkim L. wieder auf freiem Fuss. Für den Bruder des Opfers von Frasses ist das unverständlich. «Von aussen wurde alles dafür vorbereitet, dass er ausbrechen kann. Da ich das wusste, habe ich die Freiburger Polizei informiert. Das war vor vier Monaten», sagt er. Generalstaatsanwalt Fabien Gasser und Polizeisprecher Martial Pugin dementieren jedoch, von einer solchen Warnung gewusst zu haben.

Trotzdem beharrt der Bruder des toten Familienvaters darauf: Er habe den Ermittlern L.s Handynummer mitgeteilt, mit der der Häftling mit seinen Helfern kommuniziert habe. Gasser bestätigt, dass im August bei L. ein Handy konfisziert wurde. Laut dem Angehörigen des Opfers hatte L. jedoch bereits einen Tag später ein neues Mobiltelefon.

«Meine Tage sind gezählt»

Die Fehde zwischen den Clans dauert bereits seit 1999 an, erzählt der Bruder. «Seither hat es auf beiden Seiten viele Tote gegeben. Ich habe meinen Vater und zwei Brüder verloren. Der einzige Bruder, der mir bleibt, wurde von Kugeln getroffen und ist jetzt behindert.» Auch ihn hätten sie schon rund 20-mal zu töten versucht. «Unsere Feinde sind sehr mächtig und sehr reich. Der Beweis dafür ist, dass sie am Samstag einem Häftling in der Schweiz zur Flucht verhelfen konnten.» Nach seinen Brüdern sei nun auch auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt. «Meine Tage sind gezählt. Aber ich habe keine Angst.»

Wo sich L. befindet, ist unklar. Die Polizei ging erst vier Tage nach dem Ausbruch mit der Meldung an die Öffentlichkeit. Sie glaubt, dass sich L. nicht mehr auf Schweizer Boden befindet.

(apn/vro)