Diagnose am Telefon

20. September 2016 21:23; Akt: 21.09.2016 16:11 Print

Zweifel an Herzinfarkt – Air-Glaciers flog nicht

Ein Amateursportler verspürte in den Bergen eindeutige Schmerzen in der Brust. Doch Air-Glaciers half nicht, der Biker musste selbst ins Spital fahren.

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Ein Missverständnis hätte beinahe tragische Folgen für einen Waadtländer Mountainbiker gehabt. Beim Auskundschaften der Grand-Raid-Mountainbike-Strecke zwischen Evolène und Grimentz im Wallis spürte Jean-Daniel plötzlich stark einengende Schmerzen in der Brust. «Ich fühlte sofort, dass dies das Herz war», erinnert er sich.

Darum griff das Rega-Mitglied an jenem 8. August zum Handy und wählte die Nummer 1414. «In der Zentrale der Rega sagte man mir, dass im Wallis die Air-Glaciers zuständig sei und verband mich mit der Zentrale von 144 und von dort zu einem Arzt.» Diesem habe er seine Symptome beschrieben. «Er sagte mir, er würde die Diagnose Herzinfarkt nicht stellen, ohne mich abgehorcht zu haben.»

Diagnose im Spital: Herzinfarkt

Trotz seines kritischen Zustands begab sich Jean-Daniel darauf selbst nach Sitten ins Krankenhaus. Eine Strecke von 10 Kilometern pedalte er noch mit seinem Bike, traf dann seine Frau, die ihn den Rest des Weges mit dem Auto fuhr.

Im Spital diagnostizierte ein Arzt einen Herzinfarkt. Jean-Daniel: «Ich wurde sofort behandelt, sonst wäre ich jetzt nicht mehr hier.»

«Wegen dieser Sichtweise wäre ich beinahe gestorben»

Bei Air Glaciers heisst es auf Nachfrage zum Fall von Jean-Daniel, man untersuche, warum kein Helikopter geschickt wurde. Chefarzt Gregory Zen-Ruffinen verteidigt aber die Haltung des Arztes: «Es ist schwierig, sich eine klare Vorstellung darüber zu machen, wie kritisch der Zustand eines Patienten ist, ohne ihn zu untersuchen.»

Eine Erklärung, die Jean-Daniel erneut empört: «Es ist offenbar einfacher, sein Geld zu überweisen, als Hilfe zu erhalten – wegen dieser engstirnigen Sichtweise bin ich beinahe gestorben.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Langjähriger Rettungssanitäter am 20.09.2016 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selten ein richtiger Notfall

    Wer im Rettungsdienst arbeitet,kennt all diese Anrufe,die eindeutige Taxitransporte sind. Wäre nicht die Schweigepflicht,würde die Bevölkerung ihren Ohren nicht trauen!

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  • J@Si am 20.09.2016 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Job nicht gemacht

    Einen Notruf ist immer ernst zunehmen. Ferndiagnosen können nie gestellt werden aber auf Verdacht muss man reagieren. Lieber Einmal zuviel als zuwenig. Dieser Arzt hat falsch gehandelt.

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  • Marc am 20.09.2016 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Kann beide Seiten verstehen. Der Biker wird wohl gespürt haben wie ernst die Situation ist, der Arzt hat den Patienten aber nicht vor sich und vermutlich schon viele falsche Alarme erlebt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • emf949 am 21.09.2016 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte

    Die EU hat einen einheitlichen Rufnummer für solche Fälle : 112. Ortungssysteme sind auch mit dem 112 gekoppelt. Warum macht die Schweiz nicht mit?

  • Vater am 21.09.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaciers

    Ich weis von von Rega das sie auf den Männlichen auch nicht geflogen sind. Im Spital hat er ein Hirn Blutung gehabt. Im Winter.Er hatte Erbrochen und lag im Schnee es ist nur gefragt ob er gestürzt ist wir sagten Nein. Wir mussten den Schlitten nehmen.Und dann hätten wir im Grindelwald Kranken wagen genommen . Interlaken Spital haben sie ihn dann mit dem Helikopter nach Bern geflogen.

  • Shaka freak am 21.09.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Es ist einfach schade das es so viele Leute gibt die wegen kleinigkeiten die Ambulanz herbeirufen.... Folgen: -wichtige Fälle werden nicht mehr ernst genommen -und wieder einmal steigung der KK Prämien Man sollte endlich mal empfindlich diese Leute zur Kasse behten die denken 1414, 144, 117 u.s.w seien ein Taxi unternehmen

  • lacoruna74 am 21.09.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopflose Ärzte

    «Es ist schwierig, sich eine klare Vorstellung darüber zu machen, wie kritisch der Zustand eines Patienten ist, ohne ihn zu untersuchen.» Ach nein, wirklich? Und warum flogen Sie nicht um ihn zu untersuchen? Ihr seid Ärzte, das wissen wir. Aber so blöd kann nur einer sein!

  • m.m am 21.09.2016 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich richtig?

    der patient muss zuerst von einem arzt untersucht werden damit ein helikopter ihm notfallmässig ins spital bringt? wo ist hier der sinn?