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08. November 2017 16:16; Akt: 08.11.2017 16:50 Print

Handy am Steuer – 14 Monate bedingt für Fahrer

Weil er einen tödlichen Unfall verursachte, wurde einem Autofahrer in Neuenburg der Prozess gemacht. Das Urteil: Eine bedingte Gefängnisstrafe.

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Das gibt es nicht oft: Ein Autofahrer wird wegen eventualvorsätzlicher Tötung angeklagt. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Monika Skolimowska/DPA)

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Die Neuenburger Justiz hat einen Autofahrer, der vor einem tödlichen Unfall durch sein Handy abgelenkt war, zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Er wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen.

Die technischen Belege der Untersuchung seien erdrückend, sagte Alain Rufener, der Präsident des Gerichtes für den Neuenburger Jura und das Val-de-Ruz, am Mittwoch in La Chaux-de-Fonds bei der Urteilseröffnung. Gemäss der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte vor dem Unfall am 1. September 2016 kurz nach 7 Uhr am Steuer sein Smartphone benutzt. Zunächst versandte er zwei Textmitteilungen, danach öffnete er die Seite eines Webshops.

Dabei schnitt er einem korrekt entgegenkommenden Rollerfahrer den Weg ab. Der über 50 Jahre alte Lenker des Rollers leitete eine Vollbremsung ein. Dennoch wurde er vom rechten Vorderrad des Autos erfasst und verstarb an den Folgen des Unfalls.

«Er widmete alle Aufmerksamkeit seinem Smartphone»

Der Unfallhergang wurde von einer Kamera des Unternehmens, zu dem sich der Angeklagte begeben wollte, gefilmt. Das Urteil ist deutlich milder als die Anträge der Neuenburger Staatsanwaltschaft. Diese hatte einen Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher Tötung und eine Strafe von fünfeinhalb Jahren Gefängnis gefordert.

Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung befand sich als Unterantrag in der Anklageschrift. Nach Ansicht der Staatsanwalt nahm der Autofahrer den Tod von anderen Verkehrsteilnehmern in Kauf, indem er ihnen keine Aufmerksamkeit schenkte. «Er widmete alle Aufmerksamkeit seinem Smartphone», sagte der Staatsanwalt Nicolas Aubert im eintägigen Prozess.

Angeklagter wies Vorwürfe zurück

Diese Argumentation wurde vom Gericht nicht berücksichtigt. Der Angeklagte sei sich nicht bewusst gewesen, dass sein Verhalten tödliche Folgen habe, sagte Gerichtspräsident Rufener. Der 26-Jährige wurde auch wegen des Verstosses gegen das Strassenverkehrsgesetz verurteilt.

Die bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten gilt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Verteidigung auf eine milde Strafe. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe im Prozess bestritten. Das Urteil kann noch angefochten werden. «Die Wahrheit ist, dass ich den Roller nicht gesehen habe», sagte der Autolenker. Er sprach den Angehörigen des Opfers im Gerichtssaal sein Beileid aus und zeigte Reue.

Er bekräftigte, die beiden Textnachrichten abgeschickt zu haben, bevor er losgefahren sie. Die Bestellung in einem Webshop konnte er sich nicht erklären. Der Staatsanwalt Nicolas Aubert führte aus, das der Angeklagte es sich einfach nicht eingestehen wolle, ein Menschenleben für eine so belanglose Sache geopfert zu haben.

(oli/kaf/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Cäsar am 08.11.2017 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im ernst!?

    Ist das euer ernst!? leute die steuern hinterziehen kommen sogar schlimmer dran.... traurig dieses system!!!

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  • Ben am 08.11.2017 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig

    Finde ich noch zu wenig! Falls bei mir ein Fanilienangehöriger stirbt durch ein Autounfall und ich erfahre das der andere Fahrer am Handy war oder besoffen, dann kann ich für nichts mehr garantieren.

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  • Jess J am 08.11.2017 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Können wir diese bedingten Strafen bitte mal abschaffen? In diesem Fall wären mindestens 5 Jahre unbedingt angebracht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz am 10.11.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy verbot

    Weitet das Handygesetz auch auf die Fussgänger weiter wenn man sieht wie diese ihr Leben riskieren

  • maja naef am 10.11.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrnehmungsstörung

    Wer beim Fahren telefoniert etc. hat kein Selbstbewusstsein, sonst würde er nämlich merken, dass seine Aufmerksamkeit von der Strasse abgelenkt wird.

  • Lorenz Fischer am 10.11.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    ungemut

    Ich habe den Militärdienst nach 2 WK'2 verweigert. Fazit 5 1/2 Monate unbedingt. Das hier ist keine Strafe sondern ein Freispruch. Ist denn da wirklich kein Verschulden zu erkennen? War dieser Rollerfahrer ein Richter, so dass er nicht mehr über sich selbst urteilen konnte oder aber....???

  • Stöffu am 10.11.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Aber doch nicht im Ernst?

    14 Monate für eine Tod, der mit einem Minimum an Intelligenz hätte vermieden werden können? Ich schäme mich auch für diesen Richter!

  • solexli am 10.11.2017 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Für ich ist da Totschlag und gehört somit ins Gefängnis.