Rentner in Genf

12. November 2012 23:42; Akt: 12.11.2012 23:42 Print

Luden sie ihren Mörder zu sich nach Hause ein?

Das Deutschschweizer Rentnerpaar Hildegard und Thomas N., das am Samstag tot aufgefunden wurde, lebte unauffällig und war beliebt. Am Donnerstag hatten sie zuletzt Kontakt mit Nachbarn.

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Die versiegelte Wohnung von Hildegard und Thomas N. Die Tür war beim Eintreffen der Polizei zugezogen, aber nicht verriegelt. (Bild: 20 minutes)

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Hildegard und Thomas N. galten in ihrem Block als unauffällige Nachbarn, mit denen es nie Probleme gab. Doch jetzt sind die 64-Jährige und ihr 66-jähriger Ehemann tot. Die beiden wurden am Samstagnachmittag gefunden, sie lagen in ihrer Wohnung im 2. Stock an der Rue Jean-Simonet 2 im Genfer Vorort Châtelaine.

Die Tochter hatte die Polizei alarmiert, nachdem die Eltern am Samstagmorgen nicht zur Taufe der beiden Kinder gekommen waren. «Wir haben sie angerufen, aber sie haben nicht reagiert», erzählt der Schwiegersohn der «Tribune de Genève». In Begleitung eines Freundes, der bei der Polizei arbeitet, sei er zur Wohnung der Schwiegereltern gefahren. Eine Patrouille sei ebenfalls vor Ort gewesen. «Ich bin nicht in die Wohnung gegangen», erzählt der Genfer. So blieb ihm der Anblick seines in einen Teppich eingewickelten Schwiegervaters erspart. In einem weiteren Raum lag seine Schwiegermutter – erwürgt.

Seit Donnerstag kein Lebenszeichen

Die beiden wurden Opfer eines Verbrechens. Eine heisse Spur gibt es aber nicht. Denn die beiden Pensionäre schienen keine Feinde zu haben, waren nicht reich und niemand weiss von etwaigen Problemen. Das Ehepaar, das ursprünglich aus der Deutschschweiz stammt, wohnte seit über dreissig Jahren im Mehrfamilienhaus. Ihre zwei Töchter, heute beide verheiratet, waren dort aufgewachsen. Nun sah man die Rentner oft auf ihre Enkel aufpassen.

Eine Nachbarin aus dem 3. Stock sprach am Donnerstag zuletzt mit Hildegard N. am Telefon. Es ging um den Freitagseinkauf, den die beiden seit Jahren gemeinsam erledigen. «Normalerweise gehen wir um neun Uhr morgens», erzählte die 80-Jährige Frau der «Tribune de Genève». An jenem Morgen habe Hildegard aber früher gehen wollen. «Weil sie, soweit ich mich erinnere, jemanden vom Bahnhof abholen wollte.»

Hildegard N. kommt nicht

Doch Hildegard N. klingelte nicht wie abgemacht um 8.30 Uhr an der Tür ihrer Nachbarin. Und als diese eine Viertelstunde später runter in den zweiten Stock ging, machte dort auch niemand auf. «Das war sehr ungewöhnlich», sagt die Nachbarin, «Hildegard hätte mich informiert, wenn etwas dazwischen gekommen wäre», glaubt die 80-Jährige.

Waren die beiden zu diesem Zeitpunkt schon tot? Wer war die unbekannte Person, die Hildegard N. vom Bahnhof abholen wollte? Klar ist: Als die Polizei in die Wohnung eindringt, steckte der Schlüssel im Schloss. Die Tür sei aber nicht verriegelt gewesen, schreibt «Le Matin».

Wurden die beiden Opfer eines Einbrechers oder Psychopathen? Oder luden die Rentner gar ihren Mörder zu sich nach Hause ein? In der Schweiz kennen bei fast allen Tötungsdelikten die Opfer ihre Täter bereits. Die Polizei will sich zu diesen Fragen nicht äussern. Man ermittle derzeit aber in alle Richtungen, heisst es.

Im Mehrfamilienhaus an der Rue Jean-Simonet 2 geht derweil die Angst um. «Wer», fragt sich ein Nachbar, «tötet schon ein unauffälliges Rentnerehepaar?»

(ann/20 Minuten/sda)

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