Knochen im Aletsch

22. November 2012 15:38; Akt: 22.11.2012 21:03 Print

Rätsel um Gletschertote nach 86 Jahren gelöst

Im Juni gab der Aletschgletscher Skelette, Kleidungsstücke und Bergsteigerutensilien frei. Jetzt hat die Walliser Gerichtsmedizin einen Vermisstenfall in bester CSI-Manier nach 86 Jahren gelöst.

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Die sterblichen Überreste lagen weit voneinander verstreut, als sie zwei englische Alpinisten am Fuss des Dreieckhorns auf dem Grossen Altschgletscher erspähten. Auf der Fläche von 7 auf 20 Meter lagen dazu auch Fetzen von Kleidung und Bergsteigerutensilien wie Ferngläser oder Bergstöcke.

Drama um die Brüder Ebener und ihren Begleiter

Die Lötschentaler hatten schnell eine Erklärung zur Hand: Das mussten die Gebrüder Johann, Cletus und Fidelis Ebener sowie ihr Begleiter Max Rieder sein, die seit dem März 1926 verschollen waren. Doch mit Vermutungen allein geben sich weder Polizei noch Wissenschaft zufrieden und so wurden die Überreste den Gerichtsmedizinern in Sitten übergeben.

Diese haben in monatelanger Zusammenarbeit mit der Walliser Kantonspolizei herausgefunden: Ausser der Ebener-Rieder-Seilschaft wurde in dem Gebiet seither keine andere Seilschaft vermisst. Die gefundene Kleidung stammt aus der Zeit um 1920. Und die gefundenen Knochen konnten allesamt Männern zugeordnet werden.

Mit Bestimmtheit konnten die Forensiker auch sagen, dass es sich um die Gebeine der Brüder Johann, Cletus und Fidelis Ebener handelt – und dass sich darunter keine Überreste ihres Begleiteres Rieder Max befanden.

Dies liess sich in bester CSI-Manier feststellen. Die DNA der vorliegenden Knochen wurde miteinander verglichen und dabei festgestellt, dass sie ein identisches mtDNA-Profil – ein mitochondriales DNA-Profil – aufwiesen. Will heissen: Sie stammen alle aus der gleichen mütterlichen Abstammungslinie. Folglich mussten die Knochen alle den verschollenen Brüdern zugewiesen werden.

DNA lebender Verwandter stimmte nicht überein

Polizeisprecher Markus Rieder, der mit dem Begleiter der Ebener-Brüder verwandt ist – «er war der Bruder meiner Grossmutter» – sagte zudem: «Mein Verwandter Max Rieder konnte den gefundenen Knochen nicht zugewiesen werden. Dies ergab sich auch dadurch, dass Max Rieders Nichte noch lebt. Ihre DNA stimmte aber mit keiner der gefundenen Überreste überein.»

Somit hat die Geschichte von den drei wohl bei einem Bergunglück getöteten Brüder und ihrem Begleiter nach 86 Jahren vorerst ein Ende gefunden. Das letzte Kapital des Bergdramas wird aber erst geschrieben, wenn auch die Gebeine von Max Rieder aus dem ewigen Eis des Alteschgletschers auftauchen. «Wenn das mit der Erderwärmung so weitergeht», mutmasst Polizeisprecher Rieder, «wird das sicher noch passieren.»

(gux)

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