Kampfstiefel verweigert

26. Januar 2016 15:09; Akt: 26.01.2016 15:09 Print

Veganer klagt, weil er nicht ins Militär darf

Ein 19-jähriger Walliser ist strikter Veganer – und möchte unbedingt Militärdienst leisten. Weil ihm dies verwehrt wird, rekurriert er.

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Antoni Da Campo (19) kämpft dafür, dass er auch als Veganer Miliärdienst leisten darf. (Bild: 24 heures/Odile Meylan)

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Der Walliser Antoni Da Campo (19) gehört nicht zu denjenigen, die sich vom Militärdienst drücken wollen. Er ist sehr motiviert für die Rekrutenschule: «Ich betrachte das als eine Erfahrung, die mir sehr viel bringen kann», sagt er zur Zeitung «24 heures».

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Doch es gibt ein Problem: Da Campo ist überzeugter Veganer, jede Form von tierischen Produkten ist für ihn tabu. Das hatte zur Folge, dass die Militärärzte ihn für untauglich erklärten. Den Ausschlag dafür gab offenbar seine Weigerung, im Dienst Kampfstiefel aus Leder zu tragen – ebenfalls ein tierisches Produkt.

Leichte Anpassungen möglich

Da Campo findet dies ungerecht. Gegen den Entscheid, ihn nicht in die Armee aufzunehmen, hat er nun Rekurs eingereicht. «Die Zahl der Veganer in der Schweiz steigt kontinuierlich», sagt Da Campo. «Es stört mich, dass das Militär dieser gesellschaftlichen Entwicklung keine Rechnung trägt.»

Gabriela Zimmer, Sprecherin der Logistikbasis der Armee, sagt zu «24 heures», Spezialbehandlungen in Bezug auf die Ernährung oder Kleidung könnten nicht gewährt werden. Zwar seien leichte Anpassungen möglich, wenn es um etwa Dinge wie Laktose-Intoleranz oder den Verzicht auf Schweinefleisch aus religiösen Gründen gehe. «Wie die Veganer können die Betroffenen einen Teil des Menüs weglassen und durch etwas anderes ersetzen.» Die Betroffenen müssten jedoch bereit sein, Kompromisse einzugehen.

«Kampf für die Rechte der Tiere»

Im Fall von Da Campo schien seiner Aufnahme in die Armee anfänglich nichts im Wege zu stehen – obwohl er betont hatte, seine Ernährungsform auch im Dienst beibehalten zu wollen. Man habe ihm gesagt, Veganer seien in der Armee willkommen, wenn sie bei guter Gesundheit seien, berichtet Da Campo. Doch als er sich daraufhin auch geweigert habe, lederne Kampfstiefel entgegenzunehmen, habe man ihn erneut zum Militärarzt geschickt. «Dieser erklärte mir dann nach Rücksprache mit seinen Vorgesetzten, ich sei untauglich.»

Zu seinem Rekurs sagt Da Campo, er wolle nicht nur für sich selbst kämpfen, sondern auch für die Sache der Veganer. «Wenn ich Erfolg habe, ist dies ein Sieg für alle, die sich für die Rechte der Tiere einsetzen.»

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter P. am 26.01.2016 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Humbug

    Zu dienen heisst auch Opfer zu bringen. Er soll die Stiefel tragen wie alle anderen auch. Wegen Fussprobleme eine Dispens zu bekommen ist das eine, wegen einer trendy Modeerscheinung keine Lederstiefel tragen zu wollen was ganz anderes ;)

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  • Mischa9 am 26.01.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rechte der Tiere? 

    Der Kampf um die rechte der Tiere ist absolut legitim, aber nach meiner Meinung geht es dem jungen Mann vielmehr um sein Geltungsbedürfnis. Bin selber Tierfreund aber muss ab dem einfach nur den Kopf schütteln...

  • Big Bang am 26.01.2016 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Filz?

    Ja was denn, etwa Kampstiefel aus Filz? Die Schuhe sind ja nicht das einzige was aus Leder besteht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wargas am 26.01.2016 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber...

    Ich weiss zwar was er meint und ich verstehe seinen Konflikt. Das Militär funktioniert aber nach eigenen Regeln. Er redet davon das, diese Erfahrung in weiter bringen kann, nun Militärdienst zu leisten, bedeutet auch, dass man sich unterordnen kann.

  • Scientist am 26.01.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voraussetzungen

    Soll jeder Essen und Tragen was er will. Aber für gewisse Positionen gibts es einfach Voraussetzungen die man erfüllen muss. Als nächstes will er Metzger werden ohne Tiere zu töten?

  • ChrisV am 26.01.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was es so gibt?

    Was es nicht alles gibt, diese Probleme möchte ich haben, klar, dass sie ihn nicht nehmen, mit gelismeten Finken kann man natürlich keinen Krieg gewinnen, ha und ich denke, gewisse Vorschriften muss man halt annehmen, wenn man Militärdienst leisten will. Meine Hintergedanken, auch so kann man sich vom Militärdienst drücken:

  • Z'Güetzi am 26.01.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht klug.

    Wenn in einer Brigade von 300 Leuten nur einer Vegan ist und der Fourier extra gucken muss, dass nur für einen einzigen zusätzlich gekocht wird, macht man sich keine Freunde oder hat zumindest von Beginn an schon ein schwerer Stand.

  • Scheuert B. am 26.01.2016 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mann stelle sich vor

    Ja genau dann kann ja eigentlich jeder in die RS und sagen "also ich hab nicht gerne Kartoffeln!" der nächste "ich mag keine Fertigsaucen" eine anderer "Ich esse nur Koberindfleisch " usw. ....