Tessin

14. März 2017 15:10; Akt: 14.03.2017 15:14 Print

Dieses Haus ist den Behörden zu bunt

Mit einer leuchtenden Farbe wollte ein Liegenschaftbesitzer sein Haus zu neuem Leben erwecken. Jetzt soll die violette Fassade das Landschaftsbild ruinieren.

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Der 75-jährige ehemalige Hausarzt Pietro Brentini liess das Haus seiner Eltern in Biasca, in dem er heute mit seiner Schwester wohnt, letzten Sommer neu streichen: in leuchtendem Violett. Seither liegt er im Clinch mit der kantonalen Baubehörde.

Dabei wollte Brentini alles richtig machen. Der Entscheid, das Haus in dem er aufgewachsen war, mit so einer speziellen Farbe anzumalen, sei spontan gefallen. «Als mir der Maler die verschiedenen Optionen zeigte, war das leuchtende Violett für mich wie ein Geistesblitz.»

«Das Haus erwachte mit der Farbe zum Leben»

Brentini geht damit zur Gemeinde, um die Farbwahl zu melden. Aber dort wird er überraschend abgewiesen. «Sie sagten mir, diese Bauzone falle nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. Weil das Grundstück direkt an den Gleisen liege, müsse ich mich an die SBB wenden.»

Bei den SBB kommt dann die Information, dass alles in Ordnung sei und es für sie kein Problem gebe. Aufgrund dieses Bescheids liess Brentini die Arbeiten ausführen. «Ich war glücklich. Das Haus schien mit der Farbe wieder zum Leben zu erwachen.»

Haus liegt ausserhalb der Bauzone

Nach einigen Wochen erhält er dann aber ein Schreiben vom Amt für Baubewilligungen des Kantons. Das Gebäude befinde sich ausserhalb der Bauzone, heisst es darin. Es sei daher notwendig, für jegliche Veränderungen eine spezielle Baueingabe zu machen. «Das Problem war, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon gemalt hatte. Nun sollte ich für eine bereits ausgeführte Arbeit eine Baueingabe einreichen.»

Und es gibt ein weiteres wichtiges Detail. «Zum Zeitpunkt, als ich auf die Gemeinde ging, wusste ich nicht, dass sich das Haus seit ein paar Jahren ausserhalb der Bauzone befand – nicht einmal die Verantwortlichen auf der Gemeinde wussten es.»

Kanton: «Die Farbe ruiniert das Landschaftsbild»

Der 75-Jährige handelt aber wie befohlen und reicht bei der Baubehörde in Bellinzona den Antrag ein, die Streichung der Fassade nachträglich zu bewilligen. Erst jetzt erhält Brentini die Antwort eines Bauexperten, dass diese Fassadenfarbe nicht bewilligt werde. «In der Antwort steht, die gewählte Farbe ruiniere das Landschaftsbild.»

Für Brentini ist der Entscheid absurd. «In dieser mysteriösen Nicht-Bauzone, die vor allem an die Einöde der Eisenbahn grenzt, leben nur ich, meine Schwester und eine weitere Person.»

«Das Haus steht an einem tristen Ort»

Unklar ist auch, was Brentini jetzt tun muss. Muss er das Haus neu streichen lassen? In den vielen Papieren, die er vom Kanton erhalten hat, ist immer nur von der Ablehnung seines Antrags die Rede. «Seit Monaten geht das jetzt so – es ist nervtötend.»

Brentini fragt sich, wer sich überhaupt an seiner violetten Fassade stören könnte. Das Haus befinde sich an einem tristen Ort, direkt bei einer Abfall-Deponie. «Ich verstehe wirklich nicht, wen ich damit belästige.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MelanieSt am 14.03.2017 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Liebe Behörde, bitte kümmert euch um WIRKLICHE Probleme bei uns in der Schweiz. Danke

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  • T.W. am 14.03.2017 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamte

    Gut, blühen in der CH keine Lavendelfelder, die müssten glatt umgespritzt werden. Aber eben: es ist ja sooo schön, hier zu leben.

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  • Mary J. am 14.03.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Keine anderen Probleme?

    Oh Mann!!! Diese Tüpflischiisserei nervt, das Violett ist total schön, das Haus ein Eye-Catcher! Mit etwas mehr Farbe wären vielleicht gewisse Schweizer auch etwas aufgestellter!!! Mir gefällt's!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • C.R. am 17.03.2017 01:48 Report Diesen Beitrag melden

    Braver Bürger veräppelt

    Da geht man sogar von sich aus aufs Amt. Keiner weiss wirklich Bescheid & gibt Anweisungen. Man folgt brav den Anweisungen & streicht sein Haus im besten Glauben. Nur damit dann wieder ein Amt mit erhobenem Finger darauf hinweist das man das nicht dürfe. Der Herr wird jetzt nochmals auf eigene Kosten neu streichen müssen. Hoffe für ihn kommen nicht noch sonstige Kosten dazu. Aber die Ämter kommen natürlich wieder Mal ohne Konsequenz davon. So manches darf dann sogar die Hand aufhalten. Frechheit sowas.

  • b. glaser am 16.03.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Behörden

    Ich würde sagen die Behörden treibens zu bunt! Das stört nicht, das sieht toll aus. Also liebe Behörden, Ball flach halten und ruhig werden.

    • Rudi am 16.03.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      Unsinnige Einmischung

      Was geht es überhaupt eine Behörde an, wie der Eigentümer sein Haus streicht? Meintewegen soll er es mit Graffiti vollmalen, wenn ihm danach ist. In Rosa oder meinetwegen auch in Schwarz oder Grau.

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  • Tanja O. am 16.03.2017 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Wir leben in einer tristen grau-schwarzen Welt. In vielen Ländern ist es normal, dass alle Häuser in den verschiedenen Farben angemalt sind. Und siehe da, dort leben meist arme Leute aber diese sind fröhlicher und geniessen ihr Leben mehr als wir. Frechheit das wir eine "Bewilligung" benötigen um unser Eigentum anzumalen wie wir es gerne möchten. Wenn es nach mir ginge, würde ich ein Gesetz erlassen, dass ALLE Fassaden bunt angemalt werden können - dann gäbe es eventuell mehr fröhliche Leute in der Schweiz und das kalte Grau würde endlich verschwinden...

  • zucchina am 15.03.2017 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    das wundert mich dort unten nicht - die gemeinden (biasca, olivone, malvaglia, semione, acquarossa, etc.) haben wirklich keine ahnung - bei unserem fall sind im grundbuch dinge nicht eingetragen worden, da leider vergessen gegangen (!!) - anscheinend geht es den entscheidern vom kanton sowieso primär um sympathie - es herrscht vetterliwirtschaft und vitamin b - bist du deutschsprechend, hast du sowieso verloren.. mit den ordnungshütern übrigens dasselbe.. ich wünsche ihnen viel kraft, viele nerven und viel glück herr brentini

  • janoccio am 15.03.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wehren wir uns endlich. Uns geht's viel

    In diesem Quartier wo das orange Haus in Biel steht stehen gleichzeitig Abbruchreife Barracken, aber da stört sich niemand daran. Streicht weiter und lasst Euch nicht überall reinreden. Schliesslich müssen wir auch Billag bezahlen und kein Mensch weiss warum. Fangt an Euch zu wehren.

    • Sepp am 15.03.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      ja wehrt Euch

      Ja wehrt Euch. Ich bin auch dagegen dass man die Billag bezahlen muss, kann aber alleine auch nichts anrichten. wehren wir uns gemeinsam

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