Medizinisches Wunder

01. Januar 2017 11:43; Akt: 01.01.2017 11:43 Print

Tessinerin überlebt 6,5 cm grossen Gehirntumor

Während zehn Jahren wuchs er unbemerkt in ihrem Kopf. Als die Ärzte den Tumor von Nicole M. entdeckten, war er bereits einer der grössten in der Schweizer Medizingeschichte.

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Als Nicole M.* (32) aus Biasca TI die Diagnose Gehirntumor erhielt, wusste sie nicht, wie aussergewöhnlich sie als Patientin sein würde. Beim Krebs handelte es sich um einen Hypophysentumor – eine Neubildung der Hirnanhangdrüse (siehe Box). Doch es war nicht irgendein Tumor. «Er war während zehn Jahren unbemerkt in meinem Kopf gewachsen – er war gigantisch», sagt M.

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Das Gewächs erreichte eine Länge von 6,5 Zentimetern. «Bei dieser Grösse sollte die Patientin eigentlich viel früher Symptome bekommen», sagt Michael Reinert, Chefarzt Neurochirurgie am Tessiner Neurocentro. Es sei aussergewöhnlich, dass er sich während all dieser Zeit entwickeln konnte, ohne dass M. etwas davon mitbekam.

Einer der grössten Tumore in der Medizingeschichte

Es war 2014, im April, als die 32-Jährige erstmals wirklich stutzig wurde. «Ich hatte innert weniger Jahre 20 Kilo zugenommen. Ich ass und ass und ass – und hatte trotzdem immer Hunger», so M. Danach habe sie sich übergeben, weil sie nicht noch mehr Gewicht zulegen wollte. «Ich war aggressiv und nervös. Lustlos.» So sehr, dass sie schliesslich entlassen wurde.

Zunächst wurde darüber spekuliert, ob die Tessinerin unter psychischen Problemen leide. «Ich glaubte nicht daran, ich spürte irgendwie, dass es etwas anderes sein musste», so M. Nach verschiedensten Untersuchungen fanden die Ärzte schliesslich den gutartigen Hypophysentumor. Es war einer der grössten in der Schweizer Medizingeschichte. Aufgrund seines enormen Ausmasses konnte man ihn nicht mit nur einer Operation entfernen. «Deswegen musste ich mich dreimal unters Messer legen.»

4000 registrierte Fälle von Gehirntumoren pro Jahr

Danach folgten sechs Wochen Protonentherapie. Derzeit bekommt sie noch jeden Monat eine Spritze. «Damit er nicht zurückkehrt. Das ist alles extrem ermüdend», sagt Nicole M. Sie hat aber wieder zu arbeiten begonnen, einige Stunden am Tag. Mehr mag sie nicht. «Ich bin mir bewusst, dass diese Geschichte mich den Rest meines Lebens begleiten wird. Das muss ich akzeptieren.»

Die Wissenschaft hat es noch nicht geschafft, alle Fragen im Zusammenhang mit Gehirnkrebs zu beantworten. «In der Schweiz registrieren wir etwa 4000 Fälle pro Jahr», sagt Reinert. Zweihundert davon im Tessin. Es gibt rund dreissig verschiedene Arten von Gehirntumoren. Die Genetik trägt sicher zur Entstehung bei. «Doch es gibt noch viel mehr zu erfahren auf diesem Gebiet.»

Bösartige Tumore verringern Lebenserwartung drastisch

Nicole M. hatte Glück im Unglück. Denn im Falle eines bösartigen Tumors sinkt die Lebenserwartung des Patienten drastisch. «Die Sterblichkeitsrate hängt stark von der spezifischen Art des Krebs ab», erklärt Reinert. In einigen Fällen lebt der Patient nach der Diagnose noch zwei Jahre. In anderen sogar noch viel länger.

Das Problem sei, dass der Krebs oftmals nicht als solcher erkannt werde. «Es können viele Jahre zwischen der Geburt der Mutterzelle und den ersten Symptomen vergehen – wie das Beispiel von Nicole zeigt.»

*Name der Redaktion bekannt

(PM/tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mandala am 01.01.2017 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ein super Ärtzteteam hatte sie!

    Viel Glück an Nicole! und ein gesundes und glückliches neues Jahr!

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  • F..... am 01.01.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie aufgeben!!

    Wünsche nicole viel glück im neuen Jahr! Mein Vater hatte das selbe Problem jedoch 8,4 cm auch im kopf! Ist alles gut gekommen! Wünsche solchen Menschen immer alles gute und gibt nie auf!!

  • Peter Notfallpfleger am 01.01.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück der jungen Frau!

    Es handelte sich offenbar um einen gutartigen Hypophysentumor - nix von Krebs und Todesrate! Sie hat einfach viel Glück gehabt, dass der Tumor gefunden wurde und sie keine Einschränkungen wegen Kompression von Hirngewebe erlitten hat! Ein bösartiger Hirntumor dieser Grösse wäre wohl längst das Todesurteil gewesen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • The prayers am 03.01.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Believe

    Nicole, ich werde an Dich denken. Viel Kraft und Genesung!

  • K.W. am 02.01.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zuversicht und Lebensfreude

    Ich hatte im 2000/2006/2010 3 OP und 1x Gamma-Knife Strahlentherapie. (Tumorgrösse 6.0cm) Seit dem Jahr 2000 lebe ich mit Hormonersatz. Ich bin im Arbeitsleben und leite ein grosses Team. Wichtig ist, man muss die Krankheit akzeptieren auch wenn es manchmal schwer fällt. Ich wünsche allen Betroffenen viel Mut, Zuversicht und Lebensfreude.

  • g90 am 02.01.2017 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittleidender

    Wünsche der Frau viel Kraft um diese Krankheit durchzustehen. Ich weiss genau was es heisst, hatte/habe die gleiche Krankheit, nur war er bei mir nicht so gross.

    • Flo2002 am 03.01.2017 03:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ^^

      Wow sowas Kling alles verrückt trotzdem wünsche ich der Dame alles gute so das sie es überlebt.

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  • herro daniela am 01.01.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    operation 2011

    ich hatte auch ein tumor an der hypophyse und heute muss ich leben ohne hypophyse ich hatte 3 operation in 3 wochen plus hirnhautendzüdung war nicht einfach für mich ich wünsche allen eine gute gesundheit

  • Kayleigh am 01.01.2017 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ein gutartiger Hypophysentumor....

    ....auch Gehirnkrebs? Wusste ich nicht. Dachte, nur bösartige Tumore werden als Krebs bezeichnet. Viel Glück der Dame!