Tödliche Unfälle

17. Mai 2017 21:10; Akt: 18.05.2017 07:41 Print

«An dieser Stelle besteht kein Handlungsbedarf»

Vor dem Gotthardtunnel wurde ein Lastwagen-Fahrer in einem Unfall getötet. Es ist der siebte Tote vor der «Ampel des Todes», innerhalb von nur zwölf Monaten.

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Bei einem Auffahrunfall zweier Lastwagen auf der A2 vor dem Gotthard-Südportal ist einer der beiden Lastwagenfahrer am Mittwoch ums Leben gekommen. Bereits letztes Jahr gab es in diesem Abschnitt tödliche Unfälle. Insgesamt drei im letzten Jahr. Genau vor einem Jahr, am 17. Mai 2016, waren zwei Frauen aus Israel bei einem Auffahrunfall auf der A2 bei Quinto TI ums Leben gekommen.

Beim ersten Vorfall fuhr ein 55-jähriger Autolenker auf den letzten Wagen in einer Kolonne auf. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Auto der Frauen aus Israel mit grosser Gewalt in einen davor stehenden Lastwagen geschoben.

Nur zwei Monate später, im Juli 2016, wurde eine vierköpfige Familie aus Deutschland ebenfalls bei Quinto getötet. Ihr Fahrzeug wurde zwischen zwei Lastwagen zerdrückt.

Signalisierung entspreche den geltenden Normen

Die Rettungskräfte konnten beim jüngsten Vorfall nur noch den Tod des 49-jährigen Fahrers im Aargauer Lastwagen feststellen. Für die Bergungsarbeiten musste die Autobahn zwischen Quinto und Airolo mehrere Stunden lang gesperrt werden. Der Verkehr staute sich bis Biasca.

«Wir bedauern diesen Unfall und sind in Gedanken bei den Opfern. Wir warten die Resultate der Untersuchung ab, bis wir uns zum Fall äussern», so Astra-Sprecher Eugenio Sapia zum jüngsten Unfall zu Tio.ch. Allerdings äusserte er sich zum betroffenen Streckenabschnitt.

«Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass von Seiten des Astra zurzeit kein Handlungsbedarf an dieser Stelle besteht», erklärt Sapia. «Die Signalisierung und die Sichtbarkeit an diesem Punkt der Autobahn entsprechen vollständig den geltenden Normen.»

Warntafel stellte Sicherheitsrisiko dar

Nach den tödlichen Unfällen wurde Kritik an der Sicherheit des Streckenabschnitts laut. Namentlich an den durch die sogenannte «Ampel des Todes» verursachten Rückstaus. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hatte nach dem ersten Vorfall eine mobile Warntafel aufgestellt, um auf solche Staus aufmerksam zu machen. Mit dieser «Vorsichtsmassnahme» sollten alle Verkehrsteilnehmer über die genaue Staulänge auf dem Autobahnabschnitt informiert werden. Diese wurde in der Zwischenzeit jedoch wieder entfernt. «Im Herbst haben wir entschieden, es [das Auto mit dem Warnschild, Anm. d. R.] zu entfernen, weil es ein Sicherheitsrisiko für die Autofahrer darstellte», bestätigt der Astra-Sprecher der Zeitung.

Auch für Renato Gazzola, Sprecher des TCS Tessin, ist der Streckenabschnitt genügend gesichert. «Die Signalisierung an diesem Punkt ist sehr gut und wurde nach dem ersten Unfall verbessert. Ich vermute, dass der Fahrer abgelenkt war und nicht darauf geachtet hat.» Gazzola teilt die Meinung des Astra, dass kein Handlungsbedarf bestehe. «Ich weiss nicht, wie man diese Stelle noch besser signalisieren könnte. Das Warn-Auto wurde aus Sicherheitsgründen entfernt.»

Ende März seien auf dem Abschnitt acht fixe Warntafeln auf einer Länge von fünf Kilometern aufgestellt worden, informiert das Astra. «Diese Tafeln sind mit einem sehr auffälligen gelben Warnlicht ausgerüstet, das bei gefährlichen Situationen die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich richtet.»

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • erelpowerline am 18.05.2017 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    überrascht

    ich fahre im jahr ca 80 000km und bin überrascht, dass es nicht noch mehr unfälle gibt, da wird telephoniert, sms geschrieben, zeitung gelesen, beim lkw die füsse auf die armaturentafel , kinder auf dem schoss die lenken, etc. etc. !

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  • Tessin Urner am 17.05.2017 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Anzeigen

    Ich fahre sehr oft durch den Gotthard, und meistens zeigen die Anzeigen Stau, vor allem am Nordportal, obwohl kein einziges Fahrzeug steht. Künstlich durch die Ampel (Astra) provozierter Stau wo mangels Fahrzeuge nicht entsteht. Eine Stausignalisation ohne Stau wird beim 2., spätestens 3.Mal nicht mehr beachtet.

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  • Rudolf Meier am 17.05.2017 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    nicht sehr sinnvoll

    Das blöde System mit den Rotsignalen vor dem Tunnel (was ja eigentlich die Sicherheit erhöhen soll) hat also nebst viel längeren Staus als wir sie früher hatten, viel mehr Tote gebracht als wir sie früher in gleichen Zeiträumen bei Unfällen im Tunnel hatten. Sehr sinnvoll... doch, muss schon sagen. Wieso schaffen wir das Zeug nicht einfach wieder ab? Das kostet nur, zerstört die Strasse übermässig und bringt ganz offenbar gar nichts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.W. am 18.05.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Handlungsbedarf

    Seit der neuen Vortrittsregelung am Fussgängerstreifen haben die Unfälle und Toten dort auch stark zugenommen. Es herrscht natürlich auch kein Handlungsbedarf. Obwohl man sonst ja extrem viel unternimmt für Vision-0.

  • Nachdenker am 18.05.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Stau-Ampeln auf der Autobahn...

    eine wirklich gefährliche und sinnlose Sache. Beispiel Dübendorf und Dietlikon da wechseln die Ampeln im Sekundentakt von rot auf grün und umgekehrt. Ein Durchfahren bei grün ist unmöglich. Heftige Bremsmanöver und Beinahekollisionen kann man da fast immer beobachten.

  • Amadies am 18.05.2017 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an Daumen runter

    die ewigen Daumen runter Drücker: Begründet das doch bitte, damit ich nachvollziehen kann weshalb !!! Der LKW Fahrer transportiert nicht nur Lebensmittel. Wenn er nicht fahren täte, könntet Ihr eure Karre auch bald stehen lassen ausser wer liebt der schiebt....das scheint sehr vielen nicht bewusst zu sein....und zur Arbeit?? Da braucht's euch auch nicht mehr. Könnt also getrost zu Hause bleiben und über das System schimpfen. LKW Fahrer stehen dann ja nicht mehr zur Verfügung um den Frust loszuwerden.....

  • Reto Helfenstein am 18.05.2017 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweite Tunnel

    Dann sollen endlich den 2 Tunnel bauen und ohne Tote-Ampel. Es wäre ja nicht mehr solche Situation mit Unfälle...

  • Baron1291 am 18.05.2017 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4 spuren!

    wenn der 2 tunnel fertig ist müssen alle spuren offen sein damit das ein ende hat !

    • Futurist am 18.05.2017 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      Auf dieses werden wir wohl

      bis auf den St.Nimmerleinstag warten müssen. Und ewig lockt der Stau, Zeit um sich kennenzulernen oder auf dem Mittelstreifen zu grillieren und ein Bierchen zu trinken etc.

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