Luzerner Polizei

13. September 2017 15:39; Akt: 13.09.2017 16:18 Print

«Die Situation ist für die Polizei nicht angenehm»

Dass die Polizei mangels Ressourcen teils Einsätze nicht mehr unmittelbar leisten kann, erregt die Gemüter. Kommandant Adi Achermann erklärt, wie die Polizei damit umgeht.

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Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann. (Bild: Keystone/Urs Flueeler)

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505 Mal konnte die Luzerner Polizei zwischen dem 1. Juli und dem 8. September mangels Ressourcen nicht reagieren, wie gestern bekannt wurde. Unter den 20-Minuten-Lesern sorgte dies für Diskussionen: Rund 380 Kommentare gingen zum Thema ein.

«Wir haben ein Recht auf Sicherheit»

Viele Leser haben wenig Verständnis für die Situation: «Frage mich, ob ich in einen anderen Kanton ziehen soll», schreibt Linalu. «Wir (Bürger) zahlen immer mehr und wo geht das Geld hin? Scheinbar nicht dahin, wo es gebraucht wird», meint Martin. Noch kritischer sieht es Leser Aaron: «Wir haben ein Recht auf Sicherheit. Ich überlege mir, die Regierung in Luzern zu verklagen, da sie die Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann.»

Einige zeigen auch Verständnis – etwa Leser Dani beim Thema Ruhestörungen: «Da ist auch meist nichts los, das ist wirklich Geldverschwendung, da hinzufahren. In diesem Punkt: alles richtig gemacht!» Auch Tommy findet, dass die Polizei sich nicht um alles kümmern soll: «Es waren nur Bagatellen. Dinge, die man früher problemlos ohne Polizei regeln konnte.» Und Vanessa schreibt: «Luzern hat genügend Geld, man muss es nur sinnvoll einsetzen. Das Volk hat schon richtig entschieden, den Geldhahn zuzudrehen.»

20 Minuten bat Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, zum Interview.

Herr Achermann, wie geht die Luzerner Polizei mit dem Abbau der Überstunden um?
Die Luzerner Polizei setzt den Auftrag der Regierung um. Dieser hat unweigerlich eine Leistungsreduktion gegenüber gewissen Anspruchsgruppen zur Folge. Diese Situation ist für die Mitarbeitenden der Polizei nicht angenehm, aber aufgrund der Vorgaben unumgänglich.

In 505 Fällen konnte mangels Ressourcen nicht reagiert werden. Wie reagieren die Bürger in solchen Fällen? Haben Sie Verständnis?
Das ist ganz unterschiedlich. Die einen reagieren mit Verständnis, andere wiederum sind nicht sehr erfreut und äussern sich auch dementsprechend. Im Grossen und Ganzen aber wird aber eher mit Verständnis für die schwierige Situation der Polizei reagiert. Allerdings konnte die Polizei schon früher nicht alle gemeldeten Begehren oder Meldungen bearbeiten und musste notwendigerweise eine Triage vornehmen.

Wie wird diese Triage vorgenommen?
Die Anrufe werden bei der Einsatzleitzentrale entgegengenommen und dort priorisiert. Handelt es sich um einen dringlichen Tatbestand, der vor Ort entgegengenommen werden muss, wird eine Einsatzpatrouille vor Ort beordert. Ähnlich ist es auch bei Unfällen mit verletzten Personen. Anders hingegen ist es beispielsweise, wenn jemand eine nicht dringliche Anzeige aufgeben will: Diesen Personen raten wir, auf dem Polizeiposten vorbeizukommen. Das ist beispielsweise auch der Fall, wenn ein Parkschaden gemeldet wird, dessen Verursacher unbekannt ist.

Was sagt die Luzerner Polizei jenen Anrufern, auf deren Anliegen nicht reagiert werden kann?
Wir klären die Anrufer auf, dass wir den Auftrag der Regierung und des Volkes umsetzen. Dass diese Massnahmen unweigerlich eine Leistungsreduktion für gewisse Anspruchsgruppen bedeutet, sind wir uns bewusst.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralf am 13.09.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon lange so

    War vor 10 Jahren in Bülach auch so. Ein Vandale beschädigt 7-10 Autos. Security hält man fest. Polizei informiert, diese hat jedoch "keine Kapazitäten" Nach 2h fuhr ich nach hause (Polizei kahm nicht) und geriet nach 5min in eine Grosskontrolle. Ein dutzend Polizisten am abkassieren, aber die Personalien eines Vandalen aufnehmen? Nein, kein Interesse.

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  • Maler50 am 13.09.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei unschuldig!

    Ganz klar die Polizei selbst trifft keine Schuld an diesem Skandal! Aber die Luzerner Regierung dagegen eindeutig. Sollte abgewählt werden, komplett.(was leider ein Wunschtraum bleibt)! Befragt lieber Mal die Regierung hart zu diesem Skandal.

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  • BernR am 13.09.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    LU im Tiefflug

    Der Kanton Luzern wird mehr und mehr zur USA der Schweiz. Sich selber immer und überall mit einem Stolz über den Kanton und die Stadt profilieren. Dabei ist der Kanton bald dritte Welt. Die Schere zwischen dem Durchschnitt und den Besseren ist wohl nur noch in ZH, ZG und SZ grösser. Mit der Regierung (und auch mit jeder anderen) verlumpt der Kanton nur noch mehr. Und das solche Dienstleistungen nicht mehr angeboten werden können, ist einfach nur eine Schande.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Molkimami am 17.09.2017 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir sind keine Engel

    Was wird hier eigentlich immer über die Polizei gemekert,Wenn alle Bürger Heilige wären brauchte es die Polizei nicht nehmt doch euch einmal selber an der Nase anstelle immer über die Polizei hin weg ziehen.

  • Franzl am 15.09.2017 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mich wundert nichts mehr.

    Die Polizei hat schon längst verlernt, Schwerpunkte zu setzen. Alles was Arbeit gibt wird sowieso ausgelagert.

  • Sylvia F. am 14.09.2017 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Recht ja, aber...

    Recht auf Sicherheit ja, aber wie soll das funktionieren, wenn man, wie besonders in Luzern üblich, alles und allem voran die Polizei kaputt-spart, personell und materiell ? Als in Luzern lebende Zürcherin weiss ich, wovon ich rede. Ich sehe ein: Die Polizei kann nicht immer mit zehn Fingern zwölf Löcher zuhalten !

  • Tilo am 14.09.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrücken wegen Nachtruhestörung oft unnötig

    Einsätze wegen Nachtruhestörung sind wohl am überflüssigsten. Es gibt immer Leute die bereits um 22.05 die Polizei anrufen! Besonders wenn der verhasste Nachbar einmal etwss länger macht. Leider gibt es viele intolerante unzufriedene Leute die nie jung waren und keinem etwas Vergnügen gönnen. Traurig traurig. Ich rede nicht von Kravwall-Nächten, einfach ein gemütliches Beisammensein und Gelächter. Da ist die Polizei sicher für wichtigere Einsätze frei zu halten.

  • Josef am 14.09.2017 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Polizei macht es gut

    Man muss die Gesetze anpassen, um die Polizei zu entlasten. Zum Beispiel Nachtruhe ab Mitternacht, störendes Licht, wenn wirklich Begründet, sonst Busse für den Melder. Es gibt noch viele andere so Klagen, wo eigentich der Psychiater zuständig wäre und nicht die Polizei.

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