Zuger Sex-Affäre

24. September 2015 16:13; Akt: 24.09.2015 16:39 Print

«Vor mir ist Hürlimann mit entblösstem Glied»

Neue pikante Details in der Zuger Sex-Affäre: Auszüge aus dem Untersuchungsprotokoll der Polizei sind an die Öffentlichkeit gelangt.

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Nachdem ein Hacker ein Video der Geschehnisse der Zuger Sex-Affäre gefunden haben will, kommen noch mehr Details ans Licht. Die «Weltwoche» hat Ausschnitte – samt Zeugenaussagen – des Polizeiprotokolls veröffentlicht. Demnach hat sich der verhängnisvolle Abend wie folgt abgespielt:

20. Dezember, abends:

Die Landammann-Feier auf der MS Rigi ist in vollem Gang. Jolanda Spiess-Hegglin und Markus Hürlimann verbringen offenbar auffällig viel Zeit miteinander. Sie sind «auf sich selbst fokussiert», lassen sogar das Essen aus.

23.15 Uhr:
Das Fest auf der MS Rigi ist zu Ende. Alle gehen von Bord des Schiffes – ausser Hürlimann und Hegglin.

24 Uhr:
Ein Mitglied des Organisationskomitees trifft die beiden im vorderen Teil des Schiffes an. Die Person fragt, ob die beiden noch weiterkommen. Die Feier findet im Restaurant Schiff seine Fortsetzung. Laut Hürlimanns späteren Aussagen wird «recht gebechert». In Spiess-Hegglins Worten: ein halbes Bier, drei Gläser Wein und ein Gin Tonic.

Hürlimann und Spiess-Hegglin kommen sich näher. Laut Aussagen eines anwesenden CVP-Politikers legt die Grüne ihre Hand auf das Bein und unter den Blazer auf den Bauch des SVP-Manns. Sie machen einen «sehr vertrauten, glücklichen und zufriedenen Eindruck», so die Einschätzung des Zeugen. Die Annäherung der beiden wird unter den Anwesenden zum Thema, sagt eine CVP-Kantonsrätin aus.

1 Uhr:
Spiess-Hegglin und Hürlimann gehen in den oberen Stock. Auf dem Zwischenboden küssen sie sich laut Zeugenaussagen. «Ich habe dann den beiden eine Moralpredigt gehalten», so die CVP-Politikerin.

Die beiden ziehen sich in die «Captains Lounge» zurück. Ratskollegen folgen und öffnen die Tür. «Ich sah die Kleider am Boden liegen und schloss die Tür sofort wieder», gibt eine CVP-Frau der Polizei zu Protokoll. Ein weiterer Politiker, der ebenfalls einen Blick ins Zimmer erhaschte, gibt an: «Ich sah ganz sicher mehrere Schuhe, Jacken. Ich habe das Gefühl, es hatte auch kleinere Wäscheteile. Ich habe zu diesem Zeitpunkt keine der beiden Personen gesehen.»

Spiess-Hegglin kann sich an das Geschehen in der «Captains Lounge» angeblich nicht mehr erinnern. Sie spricht von einem «Filmriss». «Mir kam ein einziges Bild in den Sinn, es gab einen Knall (...) Ich bin davon erwacht, sah Neonröhren über mir und zwei Männer. Zwischendurch hatte ich wie einen Blitz, dass es krachte, ein Tisch ist umgefallen, umgekippt. Ich bin heruntergefallen, vielleicht von diesem Tisch. Vor mir ist Markus Hürlimann mit entblösstem, erigiertem Penis. Ich glaube auch, dass er unten die Hosen anhatte. Ich sah noch einen Mann (ein weiterer Politiker) und er grinste, er stand rechts von ihm.»

Auch Hürlimann erinnert sich an einen kleinen Unfall. «Ich habe eine Erinnerung, dass ich über helle Tische oder eine Kante gefallen bin.»

1.30 Uhr:
Die Gäste verlassen das Lokal. «10 bis 20 Minuten später» folgen Spiess-Hegglin und Hürlimann – sie geht voraus, Hürlimann wenige Schritte hinterher. Dabei hat Spiess-Hegglin keine Probleme die Treppe hinunterzugehen, braucht keine Hilfe, heisst es später in einer Aussage des Barkeepers. Die beiden Hauptakteure der Zuger Sexaffäre sitzen in ein Taxi und fahren heim.

2 Uhr:
Gemäss Ergänzungsgutachten hat Spiess-Hegglin möglicherweise «einen Blutalkoholspiegel von bis zu 2,53 Promille im Blut».

3.30 Uhr

Spiess-Hegglins Ehemann erwacht. Er bemerkt, dass seine Frau nicht neben ihm liegt. Er findet sie im Bett des jüngsten Sohnes. «Ich schaute meine Frau an und sah rein vom Blick her, dass da etwas nicht stimmte. Ich fragte sie, was passiert sei und was sie getrunken habe», gibt der Ehemann später zu Protokoll. «Ich merkte, dass es keinen Sinn machte, weiterzufragen, und beschloss die Fragen auf den nächsten Morgen zu verschieben.»

Am Morgen ist Jolanda Spiess-Hegglin «eher distanziert». Erstmals sind K.-o.-Tropfen ein Thema. Gemäss Spiess-Hegglin hat der Ehemann diesen Verdacht geschöpft.

11 Uhr:
Hürlimann ruft Spiess-Hegglin an. Er will über die vergangene Nacht sprechen. Beide sagen, dass sie sich nicht an alles erinnern können. Sie erklärt Hürlimann seinen Angaben zufolge: «Sie könne so nicht weiterleben. Sie habe Flecken am Körper und ihr Mann frage sie, warum.» Laut Hürlimann ist alles, «was auch immer es war, einvernehmlich passiert».

22. Dezember:
Die Polizei erhält eine Meldung einer Assistenzärztin über einen möglichen Fall von K.-o.-Tropfen. Gemäss Recherchen der «Weltwoche» ist es aber Spiess-Hegglin, die gegen Hürlimann Anzeige erstattet.

23. Dezember, 6.45 Uhr:
Ermittler fahren zu Hürlimanns Wohnort, durchsuchen sein Haus und nehmen ihn fest.

24. Dezember:
Markus Hürlimann ist wieder auf freiem Fuss.

Vor mehr als zwei Wochen wurde die Strafuntersuchung gegen Hürlimann eingestellt. Laut dem neusten «Weltwoche»-Bericht gaben alle Zeugen an, dass sie nie das Gefühl gehabt hätten, dass Spiess-Hegglin in Gefahr war.

(woz)