Tod von Alain (21)

22. September 2015 05:34; Akt: 28.09.2015 14:38 Print

Suizid verschärft Strafe für Schläger wohl nicht

von Marco Lüssi - Drei Tage nachdem Alain Meier brutal verprügelt worden war, nahm der 21-Jährige sich das Leben. Werden die Schläger nun härter bestraft?

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Alain Meier (21) wurde auf der Schützenmattwiese in der Stadt Zug von einer Gruppe Jugendlichen niedergeschlagen und am Kopf mittelschwer verletzt. Kaum war er aus dem Spital entlassen worden, nahm er sich das Leben.

Alains Vater Beat sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem Suizid und der Gewalttat gegen seinen Sohn. Schon vorher hatte Alain mehrfach tätliche Angriffe von anderen Jugendlichen erlitten. Auch der Strafrechtsprofessor Martin Killias hält es für plausibel, dass diese körperliche Gewalt der Auslöser war. «Dass ein solches Gewalterlebnis zu einem Suizid führen kann – gerade bei einer Person, die schon früher ‹geplagt› worden ist und darunter litt – ist wissenschaftlich belegt», sagt Killias zu 20 Minuten. «Dieser erschütternde Fall entspricht einem typischen Muster.»

Polizei will den Fall «schnellstmöglich klären»

Ob die Täter, die Alain angegriffen haben, bereits identifiziert sind, ist unklar. Judith Aklin, Sprecherin der Zuger Polizei, sagt, die Ermittlungen seien im Gange. «Wir wollen diesen tragischen Fall schnellstmöglich klären.» Die Polizei sei gleich nach dem Vorfall in der Nacht auf den 5. September zur Schützenmattwiese ausgerückt. «Bereits in dieser Nacht wurde das Opfer befragt.»

Doch wird sich die Tatsache, dass die Attacke auf Alain letztlich tödliche Folgen hatte, auf die Strafe für die Schläger auswirken? Killias sagt dazu: «Dies wäre nur der Fall, wenn man den Tätern nachweisen könnte, dass sie es bewusst in Kauf genommen haben, dass das Opfer als Folge der Körperverletzung Suizid begeht.» Einen solchen Eventualvorsatz werde man aber kaum belegen können.

Bedingte Geldstrafe oder Massnahme

Welche Strafe die Täter erhalten würden, hänge davon ab, wie alt sie seien: «Wenn sie volljährig sind, werden sie wohl mit einer bedingten Geldstrafe davonkommen», so Killias. Minderjährige Täter über 15 Jahren würden wohl eine bedingte Freiheitsstrafe erhalten, aufgeschoben für eine Massnahme. «Konkret dürfte dies bedeuten, dass sie lediglich ein Anti-Gewalt-Training oder etwas Ähnliches besuchen müssen.»

Kein europäisches Land habe ein so mildes Jugendstrafrecht wie die Schweiz, sagt Killias. «Man muss sich fragen, ob solche Strafen gerecht sind – und was die Milde gegenüber jugendlichen Tätern in diesem konkreten Fall etwa bei den Hinterbliebenen auslöst.» Er plädiere zwar nicht für Härte wie in den USA. Aber: «Die Politik sollte dafür sorgen, dass die Strafen im Schweizer Jugendstrafrecht auf das Niveau der umliegenden Länder angehoben werden.» Zwar werde von Schweizer Experten immer wieder betont, die Schweiz habe das beste Jugendstrafrecht Europas. «Dafür, dass dies wirklich so ist, gibt es aber keinerlei Belege.»

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