Diskriminierendes Inserat

17. Oktober 2013 13:15; Akt: 17.10.2013 14:43 Print

Arbeitgeber will nur «Eidgenossen» anstellen

Den Job bekommen nur «Eidgenossen»: So steht es im Stelleninserat einer Luzerner Firma. Laut der Schweizer Kommission gegen Rassismus ist dies nicht zulässig.

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Im Inserat, in dem die Firma Wirz aus St. Urban LU eine Stelle als Landmaschinen-Mechaniker ausschreibt, findet sich eine klare Bedingung: Bewerben sollen sich nur «Eidgenossen».

Firmenchef Thomas Wirz sagt auf Anfrage, dass er nur Schweizer anstellen wolle, liege an seiner Kundschaft: «Bei den Leuten aus der Landwirtschaft, mit denen wir zu tun haben, käme es nicht gut an, wenn wir Ausländer beschäftigen würden.» Ein Konkurrent von ihm, der polnische Angestellte habe, erhalte immer wieder negative Kundenreaktionen. «Ausländer können noch so gut arbeiten, die Landwirte, mit denen wir zu tun haben, sehen sie einfach nicht gerne.» Er persönlich habe zwar nichts gegen Ausländer: «Aber aus Rücksicht auf meine Kunden möchte ich nur Schweizer Mitarbeiter.»

Den Präsidenten des Bauernverbands Luzern, Jakob Lütolf, befremdet diese Begründung: «Ich habe nicht den Eindruck, dass wir Bauern Rassisten sind – es gibt unter den Landwirten nicht mehr Personen, die Mühe mit Fremden haben, als in anderen Berufsständen.»

«Nicht zulässig»

Dass Ausländer in einer Stellenausschreibung explizit ausgeschlossen werden, hält Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, für «problematisch»: In den Bilateralen Verträgen mit der EU über die Personenfreizügigkeit sei festgelegt, dass europäische Ausländer auf dem Arbeitsmarkt nicht diskriminiert werden dürfen. «Insofern ist es grundsätzlich nicht zulässig, jemanden deshalb nicht anzustellen, weil er nicht Schweizer ist.»

Auch Kathrin Buchmann, Juristin bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, sagt, das Inserat verletze das Freizügigkeitsabkommen: «EU-Ausländer, deren Bewerbung nicht berücksichtigt wird, könnten klagen.» Anders sehe es für in der Schweiz lebende Ausländer aus, die nicht aus einem EU-Staat stammen würden. Sie hätten keine Möglichkeit, juristisch dagegen vorzugehen: «In dieser Hinsicht ist der Rechtsschutz in der Schweiz lückenhaft.»

Heikler Begriff «Eidgenosse»

Besonders heikel findet Arbeitsrechtler Geiser, dass die Firma nicht einfach einen Schweizer, sondern ausdrücklich einen «Eidgenossen» sucht. Dies sei rechtlich zwar nicht problematisch, weil es hier keinen speziellen Diskriminierungsschutz gebe, wohl aber politisch bedenklich: «Der Begriff wird in rechtsextremen Kreisen für Personen verwendet, die von Geburt her das Schweizer Bürgerrecht besitzen.» Es könne sich sogar um einen Code für eine gewisse geistige Gesinnung handeln.

Wirz bestreitet dies. Dass er im Inserat nicht von einem Schweizer, sondern von einem «Eidgenossen» rede, habe keine tiefere Bedeutung: «Ich habe dieses Wort einfach kürzlich mal gehört, und es hat mir gefallen.»

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jo Klein am 17.10.2013 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal halblang

    Ich kenne ein ausländisches Restaurant in der Schweiz, da werden nur Mitarbeiter aus ihrem Lande eingestellt. Bitte lasst es sein, immer mit eurer Kritik an der Schweiz. Wenn ich in meinem Lokal nur Schweizer einstelle, dann stelle ich nur Schweizer ein! Ist es mein Betrieb, oder seit ihr mitbeteiligt?

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  • Roland Kämpe am 17.10.2013 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    "Rassismus"?

    Klar, in der "Schweizerischen Eidgenossenschaft" (amtliche Bezeichnung für die Schweiz) ist die Benutzung des Wortes "Eidgenosse" rassistisch. Ha-ha. Auf welchem Planeten lebt Geiser eigentlich? Und wenn ich Leute einstell, dann entscheide ICH, nicht die EU, mit wem ich arbeiten möchte. Vielleicht hätte Wirz das nur nicht so offen kommunizieren sollen.

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  • Küsche am 17.10.2013 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sein gutes Recht

    Es soll mir mal jemand erklären was dieses Inserat mit Rassismus zu tun hat?Der Bertrieb steht in der Schweiz und er will einen Schweizer anstellen, dass ist sein gutes Recht!Oder dürfen wir nicht mehr unsere eigenen Landsleute bevorzugen?Jeder Ausländer der eingebürgert wurde ist ja auch ein Schweizer und kann sich für die Stelle ebenfalls bewerben!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 21.10.2013 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz

    Letzthin war ein Wohnungsinserat in den Medien, wo Schweizer als Mieter ausgeschlossen wurden. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich da irgendein Professor oder eine Rassismus-Kommission zu Wort gemeldet hat! In der Schweiz ist jeder vor uns bösen Schweizern geschützt, nur für unseren eigenen Schutz interessiert sich scheinbar niemand. Da wundert man sich noch, wenn gewisse extreme politische Gesinnungen leider immer mehr Anhänger finden.

  • Tanja am 20.10.2013 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Habe auch schon gelesen,

    nur Italienische Staatsbürger und er gleichen,also lassen wir das Thema Rassismus sonst müssen wir bei den Ausländer anfangen .

  • Pete am 20.10.2013 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lustige Kommentare

    Die meisten in der Landwirtschaft sind nunmal Bauern, also Einheimische-Schweizer, und die sehen es nicht gerne wenn da ein nicht Schweizer steht. Ich finde das Inserat völlig in ordnung, wird in anderen Ländern auch so praktiziert. Lustig daran finde ich das zum Wohnungsinserat nichts gesagt wird,da wird nicht an Schweizer/Eidgenosse vermietet und das IN der Schweiz. Das ist ganz klar feindlich gegenüber Schweizern, also drehen wir es mal um und sagen rassismus pur. Iergendwann werden auch die letzten Toleranten aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben,das nur weil sie Schweizer sind

  • Pauline am 19.10.2013 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Idee...

    Viele hier finden es in Ordnung, dass man in Stelleninseraten nur "Eidgenossen" als Bewerber will, weil dies offen und ehrlich sei. Wenn das so ist, finde ich, dass die Firmen die nur "Eidgenossen" wollen, öffentlich dazu stehen sollen und eine Liste dieser Firmen veröffentlicht wird. Es kann sich dann jeder überlegen, ob er weiterhin einer dieser Firmen als Kunde Aufträge geben will oder bei ihnen einkauft. Denn das ist ja auch offen und ehrlich!

  • Ur-Schweizer am 19.10.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eidgenossen?

    Was meint dieser Mann? Oberschwäbische Eidgenossen? Burgundische Eidgenossen? Gibt es übrigens alles. Wenn dieser Mann hingegen die Alte Eidgenossenschaft der Schweiz meint, dann hätte er sich lieber vorher in Schweizer Geschichte schlau gemacht. Die Alte Eidgenossenschaft bezieht sich nämlich nur auf die "Acht alten Orte". Da fühle ich mich bereits als Thurgauer diskiminiert! In der Schweiz bedeutet der Ausdruck "Eidgenosse" übrigens nichts anderes als "Schweizer Staatsbürger". Wie man weiss, soll es hingegen ja auch Schweizer Staatsbürger mit Migrationshintergrund geben....

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