Luzern

17. Juli 2017 19:42; Akt: 17.07.2017 19:42 Print

Protest gegen angedrohte Schliessung von Museen

von Daniela Gigor - Dem Natur- und dem Historischen Museum könnten wegen der Sparmassnahmen des Kantons schon bald die Lichter ausgehen. Nun regt sich Widerstand.

Marcus Wüest argumentiert für die Erhaltung der Museen. (Video: Nicole Agostini)
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Geht es nach dem Luzerner Regierungsrat könnten das Natur- und das Historische Museum per 1. Januar 2018 geschlossen werden: Dadurch könnten pro Jahr 1,6 Millionen Franken eingespart werden. Nun regt sich aber Widerstand aus der Bevölkerung. Seit Montag werden auf der Website SOS-Museen Unterschriften gegen das Lichterlöschen gesammelt. Prominente Unterstützung erhalten die Initianten etwa von den alt Stadträten Ursula Stämmer und Ruedi Meier sowie von Kabarettist Emil Steinberger. Bis am frühen Montagabend hatten bereits über 1000 Personen die Aktion mit ihren Unterschriften unterstützt.

Museen glänzten 2016 mit Besucherrekord

Gestartet wurde der Protest von Marcus Wüest, Präsident der Freunde Historisches Museum Luzern und Hans R. Boesch, Präsident der Freunde des Natur Museums Luzern. «Wir müssen eine Schliessung der Museen verhindern», sagt Boesch. Die Museen seien wichtig für die Bevölkerung des Kantons. Es könne nicht nur immer gespart werden – vielmehr brauche es nun Visionen von Seiten der Politik. Boesch verweist auch auf die Zahlen: «Im Jahr 2016 gab es einen Besucherrekord in den beiden Museen. Registriert wurden rund 95'000 Besucher.» Auch im laufenden Jahr könnten sich die Zahlen sehen lassen.

«Regierung will Schuldenbremse durchboxen»

Für Wüest wäre eine Schliessung der Museen in erster Linie ein Kultur- und Identitätsverlust. «Wir könnten uns nicht mehr mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen und es würde viel Wissen verloren gehen.» Er ärgert sich auch darüber, dass der Kanton den beiden Museen eine Prüfung zur Fusion mit dem Gletschergarten in Auftrag gab und das Ergebnis der Studie nicht abgewartet wurde. Wüest hat zwar Verständnis für die Sparbemühungen, er erwarte aber jetzt vom Regierungsrat, dass mit den Museums-Verantwortlichen das Gespräch für Lösungen gesucht wird. «Jetzt sieht das nach einem Druckversuch der Regierung aus, damit sie im Kantonsrat die Lockerung der Schuldenbremse durchboxen können», sagt Wüest weiter.

Für Schliessung wäre Gesetzesänderung nötig

Dass die Schliessung der Museen nur dann zur Debatte stehe, wenn der Kantonsrat die Schuldenbremse im September nicht lockern würde, bestätigt Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschuldbildung und Kultur beim Kanton Luzern, auf Anfrage: «Würde die Schuldenbremse nicht gelockert, müsste der Kanton als drastische Massnahme weitere 25 Millionen Franken einsparen.» Laut Pauleweit wäre für die Schliessung der Museen eine Gesetzesänderung nötig. Dies wäre nicht wie ursprünglich angekündigt per 1. Januar 2018 umsetzbar. Falls die Museen geschlossen würden, wären insgesamt knapp 19 Vollzeitstellen betroffen. Was danach mit den Sammlungen, Objekten und Liegenschaften passieren würde, sei noch offen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.M. am 17.07.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich aber wahr

    Für Schweizer Kultur, Geschichte und Bildung fehlt Geld. Für fremde Kulturen und verfehlte Zuwanderungs- und Flüchtlings Politik fliessen aber Milliarden von Steuergeldern.

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  • Ein Verwirrter am 17.07.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Füfi ond s Weggli

    Das ist die "Geiz ist Geil" Mentalität der luzerner Bürger. Tiefsteuerstrategie gut heissen aber alles haben wollen.

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  • Kessler Patrick am 17.07.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen! FirmenSteuern hoch!

    Pauschalbesteuerung des reichen Herrn in Vitznau und aller anderen beenden. Tiefsteuerstrategie für Unternehmen beenden! Nur schon die Anhebung auf durchschnittliches Schweizerniveau würde dem Kanton ca. 100 Millionen einbringen! Steuern für Reiche erhöhen, Mittelstand und Arme verschonen. Teure, nicht finanzierbare Bauprojekte beenden (wie zum Beispiel die Zentrale Verwaltung Seetalplatz), keine überteuerten Strassenprojekte und Kreisel mehr!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • anneliese hofer am 20.07.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    sparen am falschen ort

    für firmen steuern senken, für die kultur beiträge streichen . gehts noch . wieviele firmen profitieren von dieser senkung? wieviele leute gehen ins museum? kultur darf etwas kosten. leider wird nur geld für den tourismus augegeben

    • Michi am 20.07.2017 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Frau Hofer

      Wenn es etwas kosten darf, dann können ja die Eintritte erhöhte werden. "Kultur darf etwas kosten?" Dieser Spruch kommt doch mir von der Seite, die es von den anderen bezahlt haben wollen.

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  • Marcel Duck am 19.07.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Regierungsrat gegen Volkswille

    Es erscheint mir schon fraglich, dass der Kanton Luzern nicht in der Lage ist, bei einem Umsatz von Ca. 2.7 Milliarden 0.8% einzusparen, ohne Museen zu schliessen. Bei einem Umsatz von einer Million entspricht dies 8'000. Oder anders ausgedrückt: Für einen Privathaushalt mit 100'000 Jahres-Einkommen entspricht der Betrag rund CHF 800.-, im Monat also 66.- - zweimal auswärts essen. Mag etwas banal klingen - aber nicht minder banal als Museumsschliessungen als Sparmassnahme. Dies widerspricht dem Auftrag des Volkes. Auch wenn die Zinsen derzeit rekordtief sind. Weshalb nicht offen Kommunizieren?

  • arwed am 18.07.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    handarbeit-benzinmotor-roboter

    Schon komisch. Zuerst kamen uns die maschinen zur hilfe, dann die digitalisierung, jetzt die roboter. Und dennoch haben wir zu wenig geld. Wo fliesst wohl der ganze reichtum hin?

  • Stadtluzerner am 18.07.2017 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kanton ist ausgeblutet

    Aufgrund vieler Kommentare hier, fünf simple Feststellungen: 1. Der Kanton hat die Tiefsteuerstrategie beschlossen, nicht die Stadt Luzern. Demnach geht es hier auch nicht um die Stadt, sondern den Kanton Luzern. Auch wenn die Museen in der Stadt stehen. 2. Kantonsangestellte müssen 44 Stunden pro Woche arbeiten und erhalten vier Wochen bezahlten Urlaub. Leistungen werden seit Jahren reduziert, das Personal ausgedünnt und in vielen Abteilungen ist mehr Arbeit als Personal vorhanden. Im Gegensatz zu anderen Kantonen ist der Kanton Luzern bereits ausgeblutet. 3. Hat das Schicksal von Flüchtlingen nichts mit dem blinden Geiz einer Mehrheit der Stimmbürger zu tun, die nur bis zu ihrem Portemonnaie denken können und die Folgen ihres Sparwahns nicht berücksichtigen. 4. Staatstragende Institutionen können NIE zum Selbstkostenpreis betrieben werden. Weil dies alle Geringverdiener und viele Familien von Kultur und vielen Freizeitangeboten ausschliessen würde. Reichen kann das natürlich Banane sein. Aber in einer Gemeinschaft innerhalb eines Staates muss ein von finanziellen Möglichkeiten unabhängiger Zugang zu Bildung und Kultur gewährleistet werden. Ansonsten herrscht die dumpe Anarchie des Kapitals. 4. Gutes Deutsch sollte gerade für alle Kommentatoren Pflicht sein, die gerne pauschal verunglimpfen und alles besser wissen.

  • 6003 am 18.07.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wäre zu einfach

    und warum starten die Damen und Herren nicht bei ihrem Gehalt?

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