Suizid nach Jugendgewalt

27. September 2016 20:19; Akt: 27.09.2016 20:19 Print

Alains Vater darf doch am Prozess teilnehmen

von Marco Lüssi - Das Zuger Strafgericht verwehrte dem Vater von Alain Meier (21) erst die Teilnahme am Prozess gegen die Peiniger seines Sohnes. Jetzt wurde dieser Entscheid korrigiert.

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Jugendliche schlugen Alain Meier (21) im September 2015 spitalreif, wenige Tage später nahm sich der schwer traumatisierte junge Mann das Leben. Anfang der nächsten Woche kommen die 16- und 17-jährigen mutmasslichen Täter in Zug vor Jugendgericht.

Alains Vater Beat Meier hatte beantragt, den Prozess mitverfolgen zu können, obwohl das Gesetz vorschreibt, dass Jugendgerichtsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Unter «besonderen Umständen» erlaubt das Gesetz jedoch eine Ausnahme. Eine solche wollte das Strafgericht Meier erst nicht gewähren – es lehnte sein Gesuch ab und wollte ihn lediglich als Zeugen anhören. Ein Entscheid, der auf grosses Unverständnis stiess: Bei einer Online-Umfrage von 20 Minuten mit über 6000 Teilnehmern gaben 95 Prozent an, sie könnten den Ausschluss des Vaters vom Prozess nicht nachvollziehen.

«Sich endgültig vom Sohn verabschieden»

Jetzt ist das Strafgericht des Kantons Zug noch einmal über die Bücher gegangen – und lässt Alains Vater doch zu. Am Montag wurde Beat Meier mitgeteilt, man habe seinem Wiedererwägungsgesuch stattgegeben, er könne an der ganzen Gerichtsverhandlung teilnehmen.

Meier habe in seinem Gesuch in «eindrücklicher Weise» vorgetragen, dass ihm die Teilnahme an der Verhandlung vielleicht die Möglichkeit gebe, seelisch endgültig zur Ruhe zu kommen und sich endgültig von seinem Sohn verabschieden zu können, heisst es in dem Schreiben des Gerichts.

«Ich wünsche mir, dass sie Reue zeigen»

Meier sagt zu 20 Minuten: «Die Beschuldigten sollen eine gerechte Strafe bekommen – doch die Bestrafung ist für uns Hinterbliebene zweitrangig, sie bringt Alain nicht zurück.» Sein Wunsch sei ein anderer: Im Rahmen der Ermittlungen hätten die Beschuldigten alles getan, um sich herauszureden. «Ich wünsche mir, dass sie vor Gericht endlich die Wahrheit sagen, zu ihrer Tat stehen und Reue zeigen.»

Zu hundert Prozent sicher ist aber noch immer nicht, dass Beat Meier am Prozess teilnehmen können wird: Die Beschuldigten und ihre Verteidiger haben noch die Möglichkeit, Vorbehalte gegen seine Anwesenheit vorzubringen.

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