Schläger vor Gericht

19. September 2016 09:35; Akt: 19.09.2016 10:54 Print

Vater von Alain darf nicht am Prozess teilnehmen

von Marco Lüssi - Nachdem er brutal verprügelt worden war, beging Alain Meier (21) Suizid. Nun kommen die Schläger vor Gericht – doch Alains Vater darf nicht an den Prozess.

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Weil Alain Meier (21) sich weigerte, ihnen Bier abzugeben, schlugen ihn Jugendliche in der Stadt Zug spitalreif. Der Angriff machte dem jungen Mann psychisch so schwer zu schaffen, dass er sich nach seiner Entlassung aus der Spitalpflege das Leben nahm.

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Die Täter versuchten laut der Anklage nicht nur, ihrem Opfer die Schuld am Geschehenen zuzuschieben, sondern bedrohten auch Augenzeugen. Alains Peiniger, die mittlerweile 16- beziehungsweise 17-jährig sind, kommen im Oktober vor Gericht. Wie üblich bei Jugendgerichtsfällen ist die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen.

«Ich will Alains Stimme sein»

Alains Vater Beat Meier sagt, er habe Alains Mutter und dessen Geschwistern nach dessen Freitod versprochen, alles dafür zu tun, damit die Wahrheit über den Vorfall ans Licht komme. Es war Meier deshalb sehr wichtig, dass er den Prozess gegen die Schläger als Privatkläger vor Ort mitverfolgen und sich äussern kann. «Alain hat sich gleich nach dem Angriff bei mir gemeldet und mir alles berichtet», sagt er. «Weil er tot ist, kann er seine Version nicht mehr erzählen. Er ist verstummt, ich will seine Stimme sein.»

Die Staatsanwaltschaft hatte nichts gegen Meiers Anwesenheit am Prozess einzuwenden. Anders die Verteidiger von zweien der Beschuldigten: Sie beantragten die Abweisung des Gesuchs. Ihnen folgte das Strafgericht des Kantons Zug und lehnte Meiers Antrag ab. Der Vater darf zwar als Zeuge auftreten, ansonsten jedoch nicht beim Prozess präsent sein.

«Nichtzulassung entspricht dem Gesetz»

Die Jugendstrafprozessordnung sieht vor, dass auch Privatkläger nicht an der Hauptverhandlung dabei sind – «ausser wenn besondere Umstände es erfordern». Meier ist der Meinung, angesichts des Todes seines Sohnes seien diese besonderen Umstände gegeben.

Ein Kenner des Jugendstrafrechts, der ehemalige Zürcher Jugendanwalt Hansueli Gürber, sagt jedoch zu 20 Minuten, der Grundsatz der Nichtöffentlichkeit gelte absolut und kenne nur folgende Ausnahmen: Wenn die beschuldigten Jugendlichen oder ihre gesetzliche Vertretung es verlangten oder es das öffentliche Interesse gebiete. Zudem dürfe es den Interessen der Beschuldigten nicht zuwiderlaufen. Gürbers Fazit: «Die Nichtzulassung des Vaters zum Prozess entspricht dem Gesetz.»

«Gesetze schützen die Täter»

Beat Meier kann dies nicht verstehen: «Es ist erschreckend, am eigenen Leibe zu erfahren, wie unsere Gesetze mutmassliche Täter schützen und Ermittlungsbehörden und Opfer bei der Wahrheitsfindung und vor Gericht einschränken.»

Die hinterbliebenen Eltern und Geschwister leiden weiterhin stark unter Alains Tod. «Nichts kann den Verlust kompensieren», sagt Beat Meier. Zwar habe die Familie gelernt, mit der neuen Realität umzugehen. «Doch wir haben die Verarbeitungsphase noch lange nicht abgeschlossen.»

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